"Du Pinguin!" Präsidentin Mayrhofer zu persönlichen Erfahrungen mit Schleier und Kopftuch

Sr.Beatrix JR8A2669 Katrin Bruder 120In der Kleinen Zeitung spricht Präsidentin Mayrhofer ganz offen über eigene Erfahrungen mit ihrer Ordenstracht und zieht Verbindungen zum Tragen eines Kopftuchs in anderen Religionen. Sie ist gegen ein Verbot und macht klar: "Ich würde kämpfen. Gemeinsam mit den muslimischen Frauen und für alle die ihr Leben in den Dienst des Friedens stellen wollen!" 

 

In einem Kommentar in der Kleinen Zeitung schreibt Schwester Beatrix Mayrhofer:

"Die Fahrt in der Wiener Straßenbahn bringt für mich immer wieder eine besondere Erfahrung. Oft bietet mir ein Herr „mit südländischem Aussehen“ seinen Platz an. Jugendliche beginnen zu tuscheln und rufen dann deutlich hörbar „Pingiun!“ Ich trage einen Schleier und kann gut nachfühlen, wie es derzeit in unserem Land den Frauen ergeht, die sich für das Tragen eines Kopftuches entscheiden. Sie müssen sich allerdings wesentlich mehr Unhöflichkeiten gefallen lassen als ich. Der Vorschlag, aus Gründen der besseren Integration das Tragen eines Kopftuchs im öffentlichen Dienst zu verbieten, wird heftig diskutiert. Zahlreich und widersprüchlich sind die Argumente auf sachlicher Ebene, menschenverachtend, ja zynisch ist aber auch so mancher Kommentar aus einem emotionalen Empfinden heraus.

Ich persönlich bin gegen das Kopftuchverbot.

 Durch viele Jahrhunderte der Kirchengeschichte war es für die Ordensfrauen selbstverständlich, diese Lebensform durch das Tragen einer Ordenskleidung zum Ausdruck zu bringen. Dabei haben die Trachten ihre je eigene Geschichte. Unsere Kleidung als Schulschwestern hat sich z.B. aus der Tracht der armen Bauersfrauen im Frankreich des 17. Jahrhunderts  entwickelt. Die Schwestern haben für sich gewählt, was damals die Armen getragen haben: ein schwarzes Kleid, ein schwarzes Kopftuch! Heute entscheiden sich Ordensfrauen häufig für die zivile Kleidung, weil sie überzeugt sind, damit der Verkündigung des Evangeliums besser dienen zu können. Ich persönlich bin froh, dass ich die Freiheit habe, einen Schleier zu tragen – sowohl in meiner Gemeinschaft als auch in meinem Land. Ich schätze die Toleranz unserer Gesellschaft. Meine Mitschwestern in Budapest, in Tschechien, in Rumänien haben das in den Zeiten des Kommunismus anders erlebt. Gerade deswegen setze ich mich dafür ein, dass Frauen - und Männer (!) ihre  in einer anderen Kultur oder Religion begründete Form der Kleidung wählen und auch im öffentlichen Dienst tragen dürfen.

Ich finde es sehr seltsam, dass sich die Diskussion um das Kopftuch der Muslima dreht. Soll ihr verboten werden, was einem Juden, einem Sikh, oder auch mir als katholischer Ordensfrau erlaubt ist?

Ist es nicht gerade ein Ausdruck willkommener Vielfalt, die unsere Gesellschaft bereichert und bunt macht?  Oder ist es die Angst vor dem Islam, die mit einem Verbot bei den Frauen beginnt, obwohl damit eine ganz andere, nicht benannte  Angst gemeint ist? Muslimas sollen im öffentlichen Dienst kein Kopftuch tragen. Werden sie es ablegen?

Sollte ich meinen Schleier abnehmen müssen, ich würde es nicht tun. Ich würde um die Stelle kämpfen – gemeinsam mit den muslimischen Frauen und für alle, die ihr leben in den Dienst des Friedens stellen wollen!

Kleine Zeitung

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