Er durfte sich nicht einmal von seinen Freunden verabschieden

20170407 fluechtlingswerk 120In seiner jüngsten Presseaussendung kritisiert das Don Bosco Flüchtlingswerk die aktuellen Entwicklungen im österreichischen Asylsystem und deren Folgen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Wörtlich sprach die Organisation von "Unmenschlichkeit und Missachtung der Kinderrechte". Das Flüchtlingswerk prangerte in diesem Zusammenhang vor allem die Rückführung von jungen Afghanen in ihr Herkunftsland. Das Don Bosco Flüchtlingswerk wird von den Salesianern Don Boscos, den Don Bosco Schwestern und "Jugend Eine Welt" getragen.

"Er durfte sich nicht einmal von seinen Freunden verabschieden." Der 19jährige Afghane Jawed hatte in Österreich Schutz gesucht. Dennoch wurde er wieder nach Afghanistan abgeschoben, obwohl er "ein völlig unbescholtener, integrationswilliger Asylwerber" war und sich bestens in die Gesellschaft integriert hatte, wie Eva Kern, Geschäftsführerin des Flüchtlingswerkes, berichtete. "Laut Aussage seines österreichischen Freundes wurde sogar verabsäumt, seine Geburtsurkunde, die beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl in Verwahrung war, bei der Abschiebung mitzuschicken."

Während das Außenministerium für Afghanistan eine Reisewarnung der Stufe 6 ausgesprochen hat und vor Minen, Terroranschlägen und kriminellen Übergriffen einschließlich Entführungen warnt, würden weiterhin Abschiebungen stattfinden, kritisierte Kern: "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen." Der Konflikt zwischen Taliban und Regierungstruppen in Afghanistan hat im vergangenen Jahr laut UN-Bericht über 11.000 Zivilisten getötet oder verletzt.

Aktuell befinden sich laut dem Don Bosco Flüchtlingswerk rund 250 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge "unzureichend betreut" in der Bundesbetreuung. "Die UN-Kinderrechtskonvention besagt, dass Minderjährige das Recht auf altersgerechte Betreuung haben. Während NGOs um die notwendige Auslastung zur Aufrechterhaltung der sozialpädagogischen Einrichtungen bangen müssen, geht die Weitervermittlung der Minderjährigen vonseiten der Bundesbetreuung äußerst schleppend voran", so Kern und weiter: "Es wäre im Sinne aller Beteiligten, NGOs als Partner zu sehen, die nicht nur für die bestmögliche Betreuung von schutzsuchenden Kindern und Jugendlichen sorgen, sondern auch wichtige Infrastruktur und Personalressourcen zur Verfügung stellen."

Quelle Foto: Don Bosco Flüchtlingswerk

[rs]

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