300 christliche Führungskräfte tagten in Stift Göttweig

göttweig 120Österreichs Wirtschaft wird vor allem von Klein- und Mittelbetrieben dominiert. Auf diese Realität muss die Kirche in ihren Stellungnahmen und in ihrem pastoralen Wirken noch viel stärker eingehen: Das war einer der zentralen Aspekte, der beim Kongress der christlichen Führungskräfte im Stift Göttweig deutlich wurde.

 

St. Pölten, 29.04.2017 (KAP)  Ein weiterer Aspekt: Es gibt zwar eine Katholische Sozialakademie, die sich natürlich auch mit Wirtschaftsfragen befasst, aber eben keine Katholische Wirtschaftsakademie. Eine solche Institution sei aber wünschenswert.

Der dreitägige Kongress im Benediktinerstift bei Krems stand unter dem Motto "Future Wealth. Werte - Wohlstand - Wachstum". Positiv wurde immer wieder der 2013 verstorbene Sozialpionier P. Johannes Schasching gewürdigt, der stets für ein zugleich sachgerechtes, menschengrechtes und gesellschaftsgerechtes wirtschaftliches Handeln plädiert hatte. An dem Kongress nahm u.a. auch der Kärntner Bischof Alois Schwarz teil, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Wirtschaftsfragen zuständig ist.

Magdalena Holztrattner, Direktorin der Katholischen Sozialakademie, unterstrich in ihren Ausführungen, dass die Katholische Soziallehre kein Wirtschaftsmodell darstelle. Vielmehr gehe es vor allem darum, Schwachstellen in Wirtschaftssystemen ausfindig zu machen und kritische Anfragen zu stellen: "Wie wird mit den Menschen umgegangen? Welche Ziele werden verfolgt? Die christliche Soziallehre hinterfragt das 'Wie' des Wirtschaftens."

Dabei sei die Soziallehre auch nie neutral, sondern stehe immer auf der Seite der Armen und Ausgegrenzten, stellte Holztrattner klar. Sie stellte sich im Rahmen des Kongresses einer Diskussion mit dem Theologen und Philosophen Martin Rhonheimer, u.a. Professor für Ethik und politische Philosophie an der Universität Santa Croce in Rom.

Ethiker bricht Lanze für Kapitalismus

Rhonheimer bekräftigte einmal mehr seine Überzeugung, dass der Kapitalismus, recht verstanden und angewandt, sozial sei, Wohlstand schaffe und Armut mindere. Um aus dem Teufelskreis der Armut herauszukommen gebe es nur den Weg der Steigerung der Arbeitsproduktivität durch Investitionen und technologische Innovation. Dabei plädierte Rhonheimer für klare rechtliche Regelungen, aber keine weiteren politischen Regulierungen. Die Welt einer wirklichen kapitalistischen Marktwirtschaft ohne "schädliche politische und staatliche Interventionen" würde den Prinzipien der katholischen Soziallehre mehr entsprechen als die jetzige, so die Überzeugung Rhonheimers.

Holztrattner ging in ihren Ausführungen u.a. kritisch mit Vorstellungen eines grenzenlosen Wachstums ins Gericht. Unter Verweis auf Papst Franziskus kam sie auch auf jene Entwicklung zu sprechen, dass für alle Probleme der Welt nur mehr technologische Lösungen in Betracht gezogen würden. Die Replik Rhonheimers: "Die großen Probleme der Menschheit wurden bisher alle durch Technik gelöst." Der Professor für Ethik vertrat zudem die Position, dass theologische Argumente bei der Frage nach konkreten Schritten zur Überwindung von Armut nicht weiterhelfen würden.

"Ein bisschen Teilen ist zu wenig"

Clemens Sedmak, Professor für Sozialethik am King's College London, konfrontierte die rund 300 Kongressteilnehmer in seinem Vortrag mit einigen Prinzipien der Katholischen Soziallehre. Eine These, die er nicht teile: Reich sein und Christ sein passen gut zusammen, solange man nur auch ein bisschen für die Armen gibt. Dagegen Sedmak: "Ein bisschen Teilen ist zu wenig."

Papst Johannes Paul II. habe von einer "Überentwicklung" gesprochen, wenn der Wohlstand ein gewisses Ausmaß übersteigt. Dem gegenüberstellen wolle Sedmak, wie er sagte, den Begriff des "temperierten Wohlstands", "wo man dann auch einmal sagt, es ist genug". Privateigentum habe stets auch eine soziale Funktion. Der Überfluss müsse für das Gemeinwohl aufgewendet werden. Das gleiche Prinzip gelte auch für Staaten; sie hätten Verantwortung gegenüber ärmeren Ländern.

Eine Entwicklung, die Sedmak Sorgen bereite: Oft werde, beispielsweise in der Finanzindustrie, "Geld nur allzuleicht verdient". Das sei sehr kritisch zu hinterfragen. Selbiges gelte für die zwar legale, aber dem Gemeinwohl sicher nicht dienliche Praxis von Unternehmen, nach Steuerschlupflöcher zu suchen.

Die kirchliche Soziallehre sei freilich im Letzten keine Tugend- oder Ethiklehre, sondern es geht um die "Nachfolge Jesu", hielt Sedmak fest.

Schönborn setzt Schlusspunkt

Weiters auf dem Programm des Kongresses standen u.a. eine Paneldiskussion mit Christoph Badelt vom Institut für Wirtschaftsforschung WIFO sowie Vorständen von mehrerer Banken und Konzernen. Jesuitische Impulse für Führungskräfte kamen von P. Christian Marte und P. Christian Rutishauser; zudem zählten auch die Theologen Matthias Beck und Ingeborg Gabriel, Diakonie-Chef Michael Chalupka, der Chefökonom der Industriellenvereinigung Christian Helmenstein, der Philosoph Harald Kathmair und Botschafterin Ursula Plassnik zur hochkarätigen Reihe der Vortragenden und Workshop-Leiter.

Musikalischer Höhepunkt war ein Konzert der Gruppe "Shalom! Music between friends", bestehend aus dem emeritierten Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, dem ehemaligen Benediktiner-Abtprimas Notker Wolf, Bischof Michael Bünker und Peter Schipka, dem Generalsekretär der österreichischen Bischofskonferenz.

Den liturgischen Schlusspunkt setzte schließlich Kardinal Christoph Schönborn, der Samstagmittag einem ökumenischen Gottesdienst in der Göttweiger Stiftskirche vorstand.

Hinter dem Kongress, der heuer bereits zu dritten Mal durchgeführt wurde, steht das "Forum christlicher Führungskräfte". Dieses versteht sich als Vereinigung von Unternehmern und Führungskräften, die sich in ihren beruflichen Tätigkeiten und in ihrem Leben an den Werten des christlichen Glaubens ausrichten. Trägerorganisationen sind die heimischen Ordensgemeinschaften, die Katholische Aktion, die Evangelische Akademie Wien und die Industriellenvereinigung. (Link: www.wertevollfuehren.at)

 

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