"Man hat mich als Mensch behandelt und nicht als Patient“

20172106 Tag der Seelsorge 120Gestern, am 21.Juni fand in Linz der erste Tag der Seelsorge statt- ein österreichweites Vernetzungstreffen von SeelsorgerInnen aller Ordensspitäler. Es ging darum, Trends fassbar zu machen und zu bewerten, Zukunftsaussichten zu konkretisieren und sich über Arbeitsweisen und Zugänge auszutauschen.

 Gerhard Stark, Mediziner und Techniker, machte die Problematik deutlich, dass in der Welt der Medizin Religion und Spiritualität nur eine sehr geringe Rolle spielen würden. Die Denkbasis sei eine Trias aus Biologie, Psychologie und Sozialem. Hier müsse ein Umdenken stattfinden, denn sogar die WHO hätte erkannt, dass Spiritualität essentiell für Gesellschaften sei und diskutiere, sie in die Definition zu Gesundheit aufzunehmen. „Statistiken beweisen, dass es in belasteten Bereichen von Gesundheitsberufen später zu Burnouterkrankungen kommt, wenn Formen von Religion und Spiritualität gelebt werden. Sie geben den Betroffenen mentale Stärke um besser mit beruflichen Spannungen umgehen zu können, erhöhen die psychische Widerstandsfähigkeit und vermitteln Hoffnung und Sinn.“ betont Stark. Weiters unterstreicht er: „Spiritualität hat eine wissenschaftliche Evidenz, dennoch ist sie nicht im Sinne eines herkömmlichen Therapeutikums zu bewerten. Der liebe Gott ist kein Kaugummiautomat der Instantlösungen anbietet.“ Die momentan gehypte Suchmaschine Watson bezeichnet Stark als „noble, intelligente Suchmaschine. Aber lassen wir uns nicht täuschen, wenn man das Healthcare System in vier Entwicklungsstufen betrachtet, stehen wir gerade einmal auf Stufe eins. Bei Stufe vier würden Roboter übernehmen.“

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Gerhard Stark (c) msc 

Spirituelle Orte ziehen an

Doris Wierzbicki stellte die Bedeutung von Spiritual Care in den Mittelpunkt und sieht drei Bereiche: Die Sorge um den Patienten, jene um die Mitarbeiter und jene um die Organisation. Die Auswertung ihrer Umfrage ergab, dass spirituelle Orte gegenüber Veranstaltungsangeboten von Mitarbeitern bevorzugt werden. „Fortbildungsangebote

steigern nachhaltig die Arbeitszufriedenheit von Mitarbeitern und damit auch die Pflegequalität und die Zufriedenheit von Patienten. Durch mehr Wissen im Bereich von Patientenbedürfnissen kann ein großer Gewinn in punktuellen interdisziplinären Fallbesprechungen erzielt werden. Auf lange Sicht werden so Material und Zeit gespart, weil die Patienten sich wahrgenommen fühlen und die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter nicht auf andere Weise einfordern.“

 

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Spiritualität als Türöffner

Christiane Roser sah nach einer Diskussionsrunde in der Gruppe zur Thematik Spiritualität heute und spiritual care: “Beziehungen ganz offen zu gestalten wird eine Herausforderung für die Pastoral und für uns Theologen. Als Seelsorger sind wir an Religion, Orden und Tradition gebunden und sprechen damit eine eigene Sprache. Trotzdem soll Spiritualität als Türöffner gesehen werden und damit müssen wir uns auch als konfessionsgebundene Seelsorger auseinander setzen“
Klaus Rieger verankerte die Seelsorge in einem Ordensspital in drei Schneisen: Der Kulturarbeit, der Ehtik und der Seelsorge. Vieles beruhe auf Freiwilligkeit aber um beispielsweise die Kultur in einem Haus zu verändern, brauche man verpflichtende Veranstaltungen wie beispielsweise gemeinsame Leitbildtage. Die Ethik sieht Rieger als Nadelöhr von Organisationen. Sich in interdisziplinäre Besprechungen einbringen zu können sei sehr hilfreich für die Grundarbeit in der Seelsorge, müsse aber durch Strukturen und von der Spitalsleitung unterstützt werden.

 

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Geschichten als USP der Seelsorge

Die Zukunft der Seelsorge wurde mit Christof Harrich klar mit Fragen in Hinblick auf Eigentümerschaften diskutiert. Wie kann Seelsorge auch in Zukunft präsent bleiben- parallel zu Spiritual Care? Ist die Rollenbezeichnung KrankenhausseelsorgerIn noch up to date? Wichtig zu beachten sei, dass Geschichten der USP (Alleinstellungsmerkmal) der Seelsorge sind. „Geschichten berühren, Studien tun das nicht. Studien können Ergebnisse präsentieren aber Geschichten von Erlebnissen aus der Arbeit sind das, was beim Gegenüber ankommt. Patientenzufriedenheit entsteht nicht nur dadurch, dass der Chirurg gute Arbeit geleistet hat, das Gesamtfeld muss stimmen und oft beeinflussen Faktoren, die medizinisch nicht beschreibbar sind.“

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Christof Harrich als Gruppenleiter (c) msc 

 

 

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Gruppendiskussion mit Christiane Roser (c) msc

 

[msc] 

 

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