Gesegnete Übernachtung im Kloster als Hostel

20170726 kloster hostels 120Dass Klöster und Kircheneinrichtungen für Exerzitien und Bildungs- sowie Einkehrtage hoch im Kurs stehen, ist hinlänglich bekannt. religion.orf.at berichtet jetzt, dass Klöster auch als normale "Hostels" Zimmer zum Übernachten anbieten - und das mit steigender Beliebtheit.

Dabei nutzen die Ordensgemeinschaften auch ganz weltliche Wege wie Onlinedienste. Will man über eine beliebte Hotelplattform beispielsweise ein Zimmer im Waldviertel buchen und klickt als Filter-Schlagworte „Essen - Natur - Wandern“ an, so erscheint unter anderen Angeboten auch das Gästehaus im Stift Geras.

Die Website des Stifts verspricht auch Anschluss: „Die Chorherren laden alle Besucher herzlich zur Teilnahme an den Gebetszeiten in die Stiftsbasilika ein.“ Man kann aber auch nur ein einfaches, preisgünstiges Zimmer mieten.

Platz für Entschleunigung

Ferdinand Kaineder, Mediensprecher der österreichischen Ordensgemeinschaften und passionierter Pilger, strich im Gespräch mit religion.ORF.at die historische Bedeutung der Klöster als Gastgeber heraus. Dabei gehe es zunächst einmal darum, dem Gast einen Rückzugsort zu bieten, einen Platz für Entschleunigung: „Klöster verstehen sich als Ort, wo man einkehrt.“ Kaineder sieht das als wichtigen Daseinszweck vieler Klöster, die am Rand von Pilgerwegen gebaut wurden, um - unter anderem - als Herbergen zu dienen.

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Stift Altenburg. (c) Ferdinand Kaineder

Wohnen unter Priestern

Heute gibt es eine große Bandbreite an Angeboten. So hat das Stift Admont in der Nähe ein Viersternhotel mit luxuriösen Wellnessangeboten gebaut. Man kann aber auch ein Zimmer mit Dusche im Stift selbst nehmen. Im Stephanus-Haus in Wien-Landstraße hingegen residiert man trotz Zentrumsnähe äußerst günstig.

Stockbetten für Pilger

Die Zimmer in dem Haus, das in erster Linie Priestern der Erzdiözese Wien als Wohnung dient, sind sehr schlicht ausgestattet, wenn man fernsehen möchte, muss man in den Gemeinschaftsraum. Das Priesterseminar Salzburg vermietet ebenfalls seit Jahren Zimmer an Gruppen und Privatpersonen, seit 2012 gibt es einen eigenständigen Gästebereich.

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Franziskanerkloster Pupping (OÖ). (c) Ferdinand Kaineder

Pilgerherbergen wie etwa im niederösterreichischen Stift Herzogenburg seien besonders einfach, erzählte Ordenssprecher Kaineder. Sie sind teilweise mit Stockbetten ausgestattet und wirklich günstig, teilweise sogar - für „echte“ Pilger - kostenlos.

„Oase der Stille“ im Frauenkloster

Eine „Oase der Stille“ bieten die Klaraschwestern in Bregenz ihren Gästen an. An „Tagen der Stille und des Gebetes“ und von Exerzitien kann man hier teilnehmen, sowohl einzeln als auch in kleinen Gruppen. Es gibt einen Meditationsraum und eine Gästeküche. Die Gäste sind eingeladen, an den Gebetszeiten der Schwestern teilzunehmen.

Das Angebot richtet sich offensichtlich vor allem an Frauen. Einzelne Frauen können auch für eine begrenzte Zeit in der Gemeinschaft mitleben, wie die Website der Klaraschwestern mitteilt. „Dies bedeutet, mit uns den Alltag des Gebetes, des Schweigens und der Arbeit zu teilen.“

Qualitätskriterien für Klöster

Die Tourismusvereinigung katholischer Ordensniederlassungen, Klösterreich, vertritt heimische Klöster unter bestimmten Bedingungen. „Man muss Mitglied sein, etwas zahlen und sich zu gewissen Standards verpflichten“, sagte Kaineder. Es gebe Qualitätskriterien, die ein Klösterreich-Mitglied erfüllen muss, ansonsten sei jedes Kloster im Verband „autonom“.

Mitglieder sind die Stifte Admont, Altenburg, Geras, Göttweig, Heiligenkreuz, Herzogenburg, Klosterneuburg, Kremsmünster, Lilienfeld, die Marienschwestern vom Karmel (Linz), die Stifte Melk, Rein, Schlägl, Seitenstetten, Stams, St. Florian, St. Lambrecht, St. Paul im Lavanttal, das Kloster Wernberg, Zwettl sowie in Deutschland die Abtei Waldsassen, in der Tschechischen Republik die Abtei Raigern/Rajhrad und in Ungarn die Erzabtei Pannonhalma.

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Klöster als „Orte, wo man einkehrt“. (c) Ferdinand Kaineder

„Der Gast ist heilig“

Für Ordensleute habe das Aufnehmen von Gästen einen tief spirituellen Charakter, so der Ordenssprecher: „Der Gast ist heilig.“ Die Vermietung von Räumen in den Sakralbauten dient aber freilich auch wirtschaftlichen Zwecken: Die Klöster erhalten keine Mittel aus dem Kirchenbeitrag und müssen sich selbst erhalten, so Kaineder. Es sei dann die Frage, „wie weit man den Gaststatus ausbaut“. Hier gebe es von Kloster zu Kloster große Unterschiede.

Verabschieden müsse man sich jedenfalls vom Klischee von „Heiligen, die unantastbar hinter verschlossenen Klostermauern“ hausen würden: „Klöster verstehen sich als Orte, wo man einkehrt“, so Kaineder. Denn „der Gast ist der Einbruch Gottes“.

Johanna Grillmayer, religion.orf.at

 

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