Touristische Magneten

S 8 Statistik Austria 120Die heimischen Ordensgemeinschaften besitzen und verwalten mit ihren Kulturgütern einen wesentlichen Teil des kulturellen Erbes Österreichs. Ihre Erhaltung stellt eine große finanzielle Belastung dar. Dennoch ist jede Investition in die Vergangenheit eine Investition in die Zukunft. Ein Artikel aus dem aktuellen Heft der ON Ordensnachrichten zum Schwerpunktthema #KulturÖffnet.

Lassen wir zu Beginn einige Zahlen für sich sprechen: In Österreich stehen aktuell rund 37.600 Objekte unter Denkmalschutz. Von diesen gehören mit über 13.700 Objekten mehr als ein Drittel der römisch-katholischen Kirche. In Summe macht das etwa 1,8 Prozent der gesamten österreichischen Bausubstanz aus. Die meisten befinden sich in Niederösterreich, die wenigsten in Vorarlberg. (Wobei sich unter dem Begriff „Denkmal“ eine breit gestreute Palette des materiellen Kulturerbes zusammenfindet, die von der paläolithischen Siedlung bis zum Kachelofen reicht. Was im allgemeinen Sprachgebrauch als „Denkmal“ bezeichnet wird, also Statuen oder Standbilder historischer Persönlichkeiten, macht nur einen verschwindend geringen Teil aus.) Beinahe zwei Drittel der Objekte sind Kirchen jeglicher Größe – vom Dom über Basilika und Pfarrkirche bis hin zur Kapelle. Dazu kommt, dass rund 600 Gebäude der österreichischen Ordensgemeinschaften unter Denkmalschutz stehen – wobei Stiftskirchen nicht dazugezählt werden, denn diese finden sich unter die Kategorie „Kirche“ wieder. Zusätzlich spielt die katholische Kirche in Österreich eine zentrale Rolle bei der Erhaltung und Pflege historischer Bibliotheksbestände und Archive; ein Großteil wiederum befindet sich im Eigentum von Ordensgemeinschaften. Ohne Zweifel verursacht die Instandhaltung und Pflege dieser denkmalgeschützten Gebäude aufgrund ihrer Größe, ihres Alters und der oft durch ihre besonderen Charakteristika verursachten restriktiven Auflagen des Bundesdenkmalamts hohe finanzielle Kosten. Die eigentliche Frage lautet: Ist das gebaute kulturelle Erbe ausschließlich Belastung oder ergibt sich daraus tatsächlich ein Mehrwert für uns alle?

Kulturgüter als Zukunft-Stifter

„Denkmalschutz und Weltkulturerbe bilden für uns Quellen der Lebensqualität und Antrieb für nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung“, bringt es Mag. Klaus Bichler von der Österreich Werbung auf den Punkt. „Außerdem sind sie wichtige Vermittler zwischen Vergangenheit und Zukunft.“ Die Ordensgemeinschaften besitzen und verwalten mit ihren Kulturgütern einen wesentlichen Teil des kulturellen Erbes unseres Landes und bekommen damit eine große gesellschaftliche Bedeutung. In den Klöstern, Kirchen, Bibliotheken und Gärten der Orden fühlen sich Besucherinnen und Besucher mit den Wurzeln ihrer Heimat verbunden. Geschichte wird als eigentlich zeitlose Lebensdimension anschaulich wahrnehmbar und begründet eine Sicherheit über die eigene Identität. Oder anders ausgedrückt: Klöster stiften Identität; nicht nur auf die Vergangenheit bezogen, sondern vor allem auf die Zukunft ausgerichtet. Investitionen in Erhaltung und Wartung sind deshalb auch Investitionen in die Zukunft.

Stifte und Klöster sind Publikumsmagneten

Ein wesentlicher Aspekt in der Bewertung des Nutzwertes von Kulturgütern und Kulturleistungen ist der Tourismus – und hier spielen die Ordensgemeinschaften Österreichs eine entscheidende Rolle, denn die großen Stifte und Klöster sind echte Publikumsmagneten und oft ausschlaggebend für die Wahl des Reiseziels. Um dem Rechnung zu tragen, haben sich viele Stifte zur Dachmarke „KLÖSTERREICH“ zusammengeschlossen und ein breites Touristikangebot ausgearbeitet, das von Konzerten über Veranstaltung und Ausstellungen bis hin Kulturwerkstätten reicht. Mit großem Erfolg, wie die BesucherInnenzahlen zeigen: Stift Melk (NÖ) konnte 2015 rund 514.000 BesucherInnen für sich verbuchen. Stift Heiligenkreuz (NÖ) zog rund 155.000 BesucherInnen an, Stift Klosterneuburg (NÖ) rund 103.000 BesucherInnen, Stift Göttweig (NÖ) rund 52.800 BesucherInnen, Stift Admont (St) rund 50.000 BesucherInnen und Stift Geras (NÖ) ex aequo mit Stift Altenburg (NÖ) jeweils rund 25.000 BesucherInnen. Weit oben liegt die Basilika Mariazell, die jährlich rund 700.000 BesucherInnen anzieht und vom Benediktinerstift St. Lambrecht betreut wird. Auch die beliebteste touristische Sehenswürdigkeit befindet sich im Kirchenbesitz: der Stephansdom mit mehr als 5,4 Mio. Besucherlnnen jährlich.

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Woher kommen die Gäste in Österreich? In welchen Bundesländern verbringen sie ihre Zeit? Wer kommt zu uns auf Besuch, zur Besichtigung? Welche Sprachen begegnen uns? Dieses Bild will Einblicke und einen Überblick verschaffen.

Klöster mit hochwertigem Kulturangebot

Doch es ist nicht nur Historie und Architektur, die Touristen aus der ganzen Welt in die Klöster lockt; Hand in Hand geht damit auch ein breitgefächertes, qualitativ hochwertiges Kulturprogramm, das Konzerte (vor allem aus dem Bereich Kirchenmusik), Ausstellungen, Veranstaltungen, Theateraufführungen, Lesungen und Feste umspannt. „Das Kulturangebot der Klöster ist deshalb immer wieder ein Thema für die Österreich Werbung, etwa mit den konkreten Angeboten auf unserer Website, als inspirierende Geschichte in unseren Online- und Offlineprodukten oder auch in unseren Newslettern an Reisejournalisten“, umreißt Bichler die Aktivitäten der Österreich Werbung. „Diese lebendige Vielfalt hinter dem Begriff ‚Denkmal‘ macht sichtbar, welchen Nutzen unsere Besucherinnen und Besucher, aber auch die Menschen in unserem Land davon haben können“, zeigt sich der Tourismusfachmann überzeugt.

Regionale und lokale Wertschöpfung

Doch Stifte und Klöster erfüllen mit ihren Kulturveranstaltungen und Events nicht nur das soziale und kulturelle Bedürfnis für die Menschen im ländlichen Bereich, sondern leisten auch einen wesentlichen Beitrag zur regionalen und lokalen Wertschöpfung. Damit sind nicht nur die Einnahmen gemeint, die sich aus dem Tourismusstrom unmittelbar in der Hotellerie und/oder Gastronomie ergeben, sondern vor allem die langfristigen Investitionen im Bausektor. Maßnahmen in der Denkmalpflege sind arbeitsintensiv und bedeuten daher Beschäftigung, insbesondere in Klein- und Mittelbetrieben. Durch den häufigen Einbezug lokaler Anbieter und Bauunternehmer bleibt die generierte Wertschöpfung größtenteils in der Region und stellt eine zentrale und unverzichtbare Einkommensquelle dar. Hier eine konkrete Summe zu nennen, die sich nur auf die heimischen Ordensgemeinschaften bezieht, ist nicht möglich. Insgesamt beläuft sich der ökonomische Wert des Tourismus durch kirchliche Sehenswürdigkeiten und Kulturgüter auf 460 Mio. Euro. Die aus diesen Tourismusausgaben für kirchliche Sehenswürdigkeiten und Kulturgüter generierte Wertschöpfung für das Jahr 2015 beträgt 414 Mio. Euro. Dieser heimische Wertschöpfungsanteil spiegelt sich auch auf Beschäftigungsebene wider: Mit den Tourismusausgaben kirchlicher Sehenswürdigkeiten und Kulturgüter wurden mehr als 6.000 Arbeitsplätze in diversen Wirtschaftsbereichen gesichert.

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