Damit das Leben gelingt

S 7 Welich 120Es gibt kein Leben ohne Beziehung. Kaum sind wir auf der Welt, sind wir auf Beziehung(en) angewiesen, suchen sie, pflegen sie, gestalten sie. Selbst wenn wir meinen, niemanden zu brauchen, weil wir uns selbst genügen, selbst wenn wir Beziehung verweigern, bleiben wir in einem Beziehungsnetz verflochten. Im Bereich menschlicher Beziehungen braucht es Verlässlichkeit und Treue – und Gerechtigkeit. Das Team Jugendbildung im Don Bosco Haus Wien begleitet Schulklassen und Gruppen nach der Pädagogik Don Boscos. Ein Artikel aus dem aktuellen Heft der ON Ordensnachrichten zum Themenschwerpunkt #GerechtigkeitGeht.

Was ist gerecht oder ungerecht? „Das ist ungerecht! Mein Stück ist kleiner als deins!“ Beim Kindergeburtstag muss der Kuchen gerecht verteilt werden. Alle müssen gleich viel bekommen. Und in der Schule erwarten wir, dass jede Schülerin, jeder Schüler gleich behandelt, belohnt oder bestraft wird. „Gleich viel Geld für gleich viel Arbeit!“ Das gilt auch im Beruf. Gerechter Preis, ein gerechtes Steuersystem, gerechte Verteilung von Ressourcen usw., all das suchen und erwarten wir. Doch was manche als gerecht empfinden, halten andere für ungerecht. Und immer wieder kommt es zu unterschiedlichen Wahrnehmungen, zu Missverständnissen und oft jahrelangen Konflikten – und zum Gefühl, von Bezugspersonen übervorteilt oder ungerecht behandelt oder sogar betrogen worden zu sein.
Wo es um Beziehungen und um Gerechtigkeit in den Beziehungen geht, sind Spannungen, Enttäuschungen und Krisen unvermeidlich. Und immer ist nicht nur eine Einzelperson, sondern sein ganzes Umfeld mitbetroffen. Wenn in einer Schulklasse ein Kind ausgeschlossen oder gemobbt wird, hat das Auswirkungen auf die ganze Klassengemeinschaft. Das sind Situationen, die oft den Einzelnen und auch die Gemeinschaft überfordern und in denen die Betroffenen Hilfe von Experten brauchen. Schulklassen und Gruppen finden sie bei den Salesianern Don Boscos.

Die neue Gerechtigkeit

Wie hält es Gott selbst mit der Gerechtigkeit? Die Bibel bezeugt ihn als gerecht, in der Beziehung zum Menschen treu und verlässlich und er löst seine Versprechen ein. Er lässt seine Sonne scheinen über Böse und Gute, Gerechte und Ungerechte. Talente verteilt er unterschiedlich. Und sogar da, wo er den Arbeitern im Weinberg das Gleiche gibt, egal, wieviel sie gearbeitet haben, murren die anderen: Wo bleibt Es gibt kein Leben ohne Beziehung. Kaum sind wir auf der Welt, sind wir auf Beziehung(en) angewiesen, suchen sie, pflegen sie, gestalten sie. Selbst wenn wir meinen, niemanden zu brauchen, weil wir uns selbst genügen, selbst wenn wir Beziehung verweigern, bleiben wir in einem Beziehungsnetz verflochten. Im Bereich menschlicher Beziehungen braucht es Verlässlichkeit und Treue – und Gerechtigkeit. da die Gerechtigkeit? Doch in Jesus setzt er überraschende Zeichen seiner „neuen Gerechtigkeit“. Außenseiter, Schwächere, SünderInnen lässt er nicht zugrunde gehen, sondern rettet sie, holt sie in die Gemeinschaft zurück. Wo andere nach dem Gesetz steinigen würden, spricht er die Vergebung aus. Gott handelt danach, was ein Mensch braucht, damit sein Leben gelingt und er in Würde leben kann.

Damit das Leben junger Menschen gelingt

Dafür hat sich schon der Priester Johannes Bosco im Turin des 19. Jahrhunderts eingesetzt und dafür stehen die Salesianer Don Boscos bis heute. Jugendbildung spielt im Don Bosco Haus Wien eine entscheidende Rolle. Im Zentrum stehen dabei Schulklassen und Gruppen. Sie ganzheitlich zu begleiten nach der Pädagogik des Gründers und sie auch in ihren Beziehungen zu unterstützen und zu stärken haben sich die MitarbeiterInnen im Bereich Jugendbildung zum Ziel gesetzt. „Wir bieten SchülerInnen und Gruppen Orientierungs- und Projekttage an“, erzählt Maria-Theres Welich, die Leiterin des Bereichs Jugendbildung im Don Bosco Haus. „Und wir sind für heuer ausgebucht.“ Etwa 150 bis 170 Schulklassen nützen jedes Jahr dieses Angebot. Welich und ihr junges Team von vier PädagogInnen arbeiten nicht therapeutisch, sondern anlassbezogen und prozessorientiert mit den SchülerInnen und für sie im Kontext der Gruppendynamik. „Es geht um die Klassengemeinschaft und was sie braucht, um gut weiter zu machen. Das Don Bosco Haus ist ein neutraler Ort. Da können die SchülerInnen aus ihrer Rolle ausbrechen, finden Zeit und einen geschützten Rahmen für ihre Gespräche und Anliegen.“ Gibt es in einer Klasse Konflikte, ruft meistens eine Lehrerin, ein Lehrer im Don Bosco Haus an. Sei es, weil sie über Mundpropaganda – „Sie sind uns empfohlen worden“ – von den Angeboten der Jugendbildung gehört oder sich über die Homepage informiert haben. Welich: „Wir schicken dann sowohl den SchülerInnen als auch den LehrerInnen einen Fragebogen zu, um zu sehen, wo es aktuell brennt, wo es Fragen und Bedürfnisse gibt. Mit den Lehrerinnen und SchülerInnen setzen wir dann Ziele fest und sprechen diese ab.“ Die Schulklassen können je nach Situation aus einer breiten Palette von Themen wählen, die dann am Projekttag oder bei Orientierungstagen „bearbeitet“ werden: Zum Beispiel: Wir sind Klasse?!, Was tun, wenns mal kracht?, Facebook, Twitter und Co., Freundschaften, die mich prägen, Kraftquellen und Wegweiser, die aus Krisen helfen usw. Aber auch die Themenbereiche Zivilcourage, Rassismus, soziale und ökologische Verantwortung, Konsumverhalten sowie spirituelle Erfahrungen können als Schwerpunktthema eines Projekttages oder eines Orientierungstages werden. „Unabhängig von Konfession oder religiösem Bekenntnis bieten wir den Jugendlichen einen Raum an, wo sie sich mit aktuellen Fragen des Lebens und Glaubens auseinandersetzen können und Begleitung und Unterstützung dabei finden, ihre sozialen Kompetenzen und Beziehungen zu stärken und ihre Persönlichkeit zu entfalten.“ Das Team der Jugendbildung erarbeitet immer wieder kreative und vielfältige Methoden, um jeweils altersgerecht die Schulklassen und Gruppen zu fördern und Impulse zu geben.

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Für die Jugendlichen da sein

„Ich habe eine Menge Spaß gehabt und glaube, dass es etwas ändern wird. Ich weiß jetzt, was ich zur Klassengemeinschaft beitragen kann“, schreibt ein Schüler. Spaß und der spielerische Zugang zu den Fragen und Themen sowie die Begegnung mit den LeiterInnnen werden immer wieder als wertvoll beschrieben. Maria-Theres Welich freut sich, wenn die Tage mit den Jugendlichen positive Spuren hinterlassen und auch in der Klassengemeinschaft etwas verändert haben. „Wir versuchen einfach, die jungen Leute unser ungeteiltes Interesse an ihren Fragen spüren zu lassen, sie ein Stück des Weges zu begleiten und ihnen Inputs zur Orientierung zu geben.“ Damit arbeitet sie mit ihrem Team im Geiste Don Boscos. Das Don Bosco Haus wird zu einem Ort des Spiels und der Erholung, des gemeinsamen Lernens und Sich-Bildens, ganz ausgerichtet auf die Grundbedürfnisse der Jugendlichen. Auch wenn es oft nur ein oder zwei Tage sind, die junge Menschen dort miterleben, sie können für sie selbst und die Klasse oder Gruppe entscheidend sein. [hw]

Foto Teaser: Maria-Theres Welich, die Leiterin des Teams Jugendbildung im Don Bosco Haus, dem Zentrum für Jugend- und Erwachsenenbildung der Salesianer Don Boscos. Welich gehört auch dem Leitungsteam des Bildungshauses an.

Fotos: Gerhard Ludwar/Don Bosco

Weitere Informationen zum Themenfokus der Orden #GerechtigkeitGeht:

Pressegespräch am 8. Mai 2017 im Quo Vadis in Wien
Zusammenfassung des Pressegesprächs auf Video  
Kathpress-Bericht vom Pressegespräch am 8. Mai
Das Shalom-Kloster Pupping (Interview mit Br. Fritz Wenigwieser im ON)
Film über das Kloster Pupping: Regiert Geld die Welt?

[hw]

 

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