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Den Mund aufmachen und Christsein auf den Punkt bringen

cordis franz play 120Die Ordensgemeinschaften nutzen den Sommer für einen Reflexionsprozess und den Blick nach innen. In einem Sommerprojekt entsteht ein Video in vielen Teilen, dass sich mit allen Bereichen auseinandersetzt, in denen die Ordensgemeinschaften wirken. Auszüge daraus werden täglich auf Facebook gepostet und erleben eine unerwartet hohe Quote an Views, Likes, Shares und Comments. Hier: Sr. Maria Cordis Feuerstein und P. Franz Helm zur Frage, ob Ordensleben noch zeitgemäß ist. 

Die Generalsekretäre der Frauenorden, Sr. Maria Cordis Feuerstein und P. Franz Helm haben gestern und heute auf die Frage geantwortet, ob Ordensleben heute überhaupt noch zeitgemäß ist. Sehr kritisch erkennt Sr. Feuerstein, dass es durchaus Gemeinschaften gibt, die nicht zeitgemäß sind, dafür aber auch andere, die Brennpunkte erkennen und echt alternative Lebensform für Menschen sein können. Orden stehen nicht im Hintergrund, ganz im Gegenteil, sie können genau da den „Mund aufmachen“, wo sich niemand sonst etwas zu sagen getraut.

P. Helm fasst zusammen, dass Ordensleben „Christ sein auf den Punkt bringen“ ist und konkretisiert das Manko, dass heute in der Gesellschaft kein Wissen und Gespür mehr dafür da ist, was Ordensleben eigentlich bedeutet.

Einig sind sich beide darin, dass Ordensleben eben genau das Gegenteil der Klischeevorstellung eines geruhsamen Lebens ist, sondern dass Ordensleute schon immer diejenigen gewesen sind, die dort eingegriffen haben, wo es nötig war und auf verschiedene Art und Weise für die Menschen und die Ärmsten da waren.

Lesen Sie hier die kompletten Interviews:


Facebooklink: Sr. Maria Cordis Feuerstein, Generalsekretärin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs

„Die Orden können echt Alternative sein, alternative Lebensform. Sie können den Mund aufmachen dort wo ihn niemand aufmacht, im Großen aber auch im Kleinen. Sie können mit ihrer Lebensform- die bitte nicht von gestern ist (!) sondern im Heute lebt beispielhaft sein. Ich denke aus dieser Sicht sind sie auch gut für die Kirche, weil sie auch in der Kirche Alternative zur diözesangeordneten Kirche sind. (...) Das gehört auch zu ihrem Auftrag, das waren sie immer und es ist gut, wenn sie es weiterhin sind und sich zu Wort melden. Und zwar im weitesten Sinne. Es gibt sicher Gemeinschaften, die nicht mehr zeitgemäß sind und es gibt Gemeinschaften die sehr zeitgemäß sind. Von ihren Aufgaben her, dass sie einfach die Brennpunkte sehen, denn die Vorstellung, dass Ordensleben ein geruhsames Leben ist, ist einfach falsch.“

 Facebooklink: P. Franz Helm, Generalsekretär der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs

 „Wir erleben zur Zeit, dass sehr wenige Junge Leute sich entscheiden sich einer Ordensgemeinschaft anzuschließen. Ich denke ein Hauptgrund dafür ist, dass das Wissen darum und das Gespür dafür, was Ordensleben bedeutet, wenig präsent ist und verstanden wird. Ordensleben ist eigentlich „Christ sein“ auf den Punkt bringen. Ordensleben bedeutet, an Brennpunkten der Gesellschaft das Evangelium einzubringen und erfahrbar zu machen. Ordensgemeinschaften sind da entstanden, wo es keine öffentliche Gesundheitsvorsorge gegeben hat, da waren Ordensleute da und haben Kranke gepflegt. Ordensgemeinschaften sind da entstanden, wo Massenarmut war, da sind auf einmal die Franziskaner aufgetreten, Franziskus und seine Gefährten und haben das Leben mit den Ärmsten geteilt. Ordensgemeinschaften sind heute gefragt, wenn es eine Abschottungspolitik gegen Flüchtlinge gibt, und ich weiß von vielen Ordensgemeinschaften, kleinen Ordensgemeinschaften, die Flüchtlinge aufgenommen haben und sich um sie kümmern. Ich denke Ordensgemeinschaften sind aktueller denn je, in einem Kontext, wo das Wissen und die Erfahrung, dass es einen Gott gibt immer mehr verdunstet. Da braucht es Menschen und da braucht es Orte wo jemand andocken kann, wo jemand diese Erfahrung wieder machen kann. Und das sind die Klöster, wo man sich zurückziehen kann, für eine kurze Zeit oder eine längere Zeit, vielleicht auch ein ganzes Jahr. Zum Beispiel mit dem freiwilligen Ordensjahr, wo man ein Jahr lang mitleben kann und wieder hingeführt wird zu dieser menschlichen Grunderfahrung und Urerfahrung, dass wir letztlich von Gott getragen und in ihm geborgen sind.“

 

[msc]