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Rotraud Perner: Es ist unmenschlich, alles gleichzeitig machen zu wollen

2014 08 13 perner rauch eckerstorfer 120Die Gesprächsreihe „viel mehr wesentlich weniger“ der Ordensgemeinschaften Österreich fand am 11. August 2014 am Wienfluss bei Auhof ihre Fortsetzung. Prof. Dr. Rotraud Perner, Psychoanalytikerin, Juristin und evangelische Theologin, traf Pater Erhard Rauch, Generalsekretär der Superiorenkonferenz der männlichen Orden, und Pater Bernhard Eckerstorfer, (Jugend-)Seelsorger und Lehrer am Stift Kremsmünster, zum Gespräch. Gemeinsam diskutierte man darüber, warum die Menschen heute wesentlich mehr Rhythmus bräuchten.

Menschen brauchen Zeit, sagt Prof. Rotraud Perner. Und diese Zeit sei der heutigen Gesellschaft abhandengekommen. „Wir wollen heute alles gleichzeitig machen - das ist eigentlich unmenschlich. Wenn ich das, was ich tue, mit Liebe tue, dann geht das nicht schnell. Denn dann möchte ich mich nur auf das Eine konzentrieren.“

Tagesrhythmus ist bewusste Unterbrechung

Pater Erhard Rauch ergänzt: „Das ist sicher ein Punkt, der bei den Menschen großes Interesse an den Orden hervorruft. Ich denke, das hat mit dem Rhythmus zu, in dem wir leben. Als Ordensmann und als Ordensfrau machen wir mehrmals am Tag bewusst halt. Unsere Andachten sind eine bewusste Unterbrechung, in der wir uns Zeit nehmen und besinnen.“

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Zeit für eigentliche Arbeit fehlt

Eine Beobachtung, die Pater Bernhard Eckerstorfer aus seiner seelsorgerischen Arbeit bestätigen kann: „Vor allem jungen Menschen gefällt dieser Tagesrhythmus. Wenn ich mir abends Zeit nehme und überlege, war der Tag schwer für mich, gab es Enttäuschungen, und das nicht in mich hineinfresse, sondern an Gott übergeben kann, dann kann ich damit konstruktiv umgehen.“ Der Benediktinerpater Eckerstorfer erlebe es bei Gesprächen mit den unterschiedlichsten Berufsgruppen immer wieder, dass fast ein Ohnmachtsgefühl da ist, keine Zeit mehr für die eigentliche, wesentliche Arbeit zu haben. „Vor allem von Ärzten und Krankenpflegern höre ich das oft.“

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Gesundheit ganzheitlich betrachten

„Ursache ist sicherlich der Zeitdruck, der wiederum aus dem finanziellen Druck entsteht, der zu einer Verknappung des Gutes Menschen führt“, bringt es Prof. Perner, Spezialistin für Salutogenese, auf den Punkt. Doch „ein Sprichwort aus Afrika sagt, der Mensch ist dem Menschen ein Heilmittel. Man muss Gesundheit ganzheitlich betrachten, nicht nur den körperlichen und den psychischen, sondern auch den sozialen Hintergrund. Dazu gehört auch die spirituelle Gesundheit.“ Eine Aussage, die der Salvatorianerpater Rauch, Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler, nur unterstreichen kann: „Die Frage ist, wollen wir einen Menschen reparieren oder wollen wir ihn heilen. Die Ordensspitäler müssen Heilungsstätten werden.“

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Videoreihe „viel mehr wesentlich weniger“

Das ganze Gespräch wird Anfang September im Rahmen der Videoreihe „viel mehr wesentlich weniger“ auf der Homepage der Ordensgemeinschaften Österreich (www.ordensgemeinschaften.at/wesentlich) veröffentlicht. Der Themenschwerpunkt wurde als Ouvertüre zum JAHR DER ORDEN 2015 konzipiert. Die ersten drei Begegnungen wurden bereits Anfang August 2014 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die ganze Serie ist ab Herbst als DVD erhältlich.

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Das Pressefoto zum Downloaden finden Sie hier.

Ansprechpartner: Ferdinand Kaineder: 0699/1503 2847

[rs]