Wiener Piaristenschule Maria Treu feiert 325-Jahr-Jubiläum

Die Piaristenvolksschule Maria Treu feiert im November 2026 ihr 325-jähriges Bestehen. (c) Angela Ringhofer
1698 siedelten sich die Piaristen in der Wiener Josefstadt an und bauten in Maria Treu das Kollegium, eine Kapelle und eine Schule, die am 16. November 1701 eröffnet wurde. Die Schule gliederte sich damals in eine dreiklassige „niedere deutsche“ Schule und eine zweiklassige höhere „lateinische“ Schule.
Die „niedere deutsche“ Schule startete 1701 mit 378 Schülern, vorwiegend aus ärmeren Bevölkerungsschichten der Vorstadt. Auf dem Stundenplan standen Lesen, Schreiben und Rechnen. Die höhere „lateinische“ Schule, das heutige Piaristengymnasium, besuchten zunächst 75 Schüler, die Schüleranzahl wuchs aber rasch. Unterrichtet wurden dort neben Latein und Griechisch auch Mathematik, Geografie und deutsche Grammatik.
Bildung für alle
Ein zentrales Anliegen der Ordensgemeinschaft war von Anfang an, Bildung für alle zu ermöglichen. Da Bildung bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts nur für höhere Gesellschaftsschichten finanzierbar war, richteten die Piaristen ab 1732 auch einen unentgeltlichen Unterricht für arme Kinder ein. Außerdem war ein großer Teil der Schüler vom Schulgeld befreit.
Dieses Engagement geht auf den Ordensgründer und Bildungspionier Josef Calasanz zurück. Er gründete 1597 in Rom die erste unentgeltliche Volksschule für arme Kinder und legte damit den Grundstein für eine moderne ganzheitliche Bildung und Erziehung nach dem Motto „Pietas et litterae – Glaube und Wissen“. Für den Ordensgründer hatte jedes Kind ein Recht auf Bildung und er machte es zu seiner Lebensaufgabe, ihnen durch lebenspraktische Bildung und gelebten Glauben eine gute Zukunft zu ermöglichen. Neben den elementaren Schulfächern lagen schon damals besondere Schwerpunkte auf naturwissenschaftlicher und kultureller Bildung.

Bereits im 18. Jahrhundert wurde die Piaristenvolksschule Maria Treu gegründet. Einige Schulbücher aus dieser Zeit sind noch erhalten. (c) Angela Ringhofer
Einfluss auf Schulwesen in Österreich
Auch auf das österreichische Schulwesen hatten die Piaristen, die als viertes Ordensgelübde die Hingabe an die Erziehung der Kinder ablegen, maßgeblichen Einfluss. Kaiserin Maria Theresia, eine Förderin des Ordens, ließ sich regelmäßig von ihnen beraten. Die 1764 erlassene neue Schulordnung für die habsburgischen Länder basierte wesentlich auf den Ideen des Piaristenpaters Gratian Marx. Auch die Schulreform 1850, auf deren Grundlage acht Klassen Gymnasium, das Fachlehrersystem und die Matura eingeführt wurden, ging auf Ideen des Piaristenpaters Franz Innozenz Lang zurück.
Die beiden Schulen in der Wiener Josefstadt entwickelten sich im Lauf der Zeit unterschiedlich weiter. Die Volksschule wurde nach dem Erlass des Reichsvolksschulgesetzes 1871 von der Stadt Wien übernommen und wird seit 1925 – mit einer Unterbrechung während des Zweiten Weltkrieges, als die Schule geschlossen blieb – wieder von den Piaristen als Privatvolksschule geführt. Das Gymnasium wird bereits seit der Schulrechtsreform 1870 vom Staat geführt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es wiedereröffnet und ist seit 1948 auch für Mädchen zugänglich.
Mehrere Schulen und Kindergärten in Wien
Heute betreiben die Piaristen in Maria Treu, der Zentrale der österreichischen Ordensprovinz, neben der zwölfklassigen Volksschule mit Hort auch einen privaten Kindergarten und drei Kindergruppen mit vorschulischem Schwerpunkt. Eine weitere private Volksschule mit Hort befindet sich in St. Thekla im vierten Bezirk. Insgesamt wirken in Österreich 14 Piaristen aus verschiedenen Kulturkreisen an vier Standorten in Wien, Krems und Horn. Weltweit engagieren sich rund 1.400 Piaristen in 43 Ländern Bildungseinrichtungen verschiedenster Art, insbesondere für arme und benachteiligte Kinder.
Quelle: Piaristen