Ohne Erinnerung gibt es keine Zukunft

 

1 120 IMG 7236Etwa 100 TeilnehmerInnen aus Österreich, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Südtirol nehmen an der Internationalen Ordensarchivtagung vom 13. bis 15. April im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels teil. Helga Penz von der österreichischen und Sr. Ulrike Dimler von der deutschen ARGE der Ordensarchivare begrüßten die Archiv-Verantwortlichen: Ohne Vergangenheit keine Zukunft.

Regina Polak vom Institut praktischer Theologie in Wien schilderte die pastoraltheologische Relevanz von Oral History Projekten am Bieispiel der CS-Schwestern. Sie eröffnete damit das dreitägige Treffen der OrdensarchivarInnen mit den Ausführungen „Wir haben es erlebt“. Mit intensiven Einzelgesprächen mit den CS-Schwestern über die nachkonziliare Zeit der Veränderung wurde der Vergangenheit nachgespürt. Für Polak bestätigt sich: „Ohne Erinnerung gibt es keine Zukunft. Dabei ist die Zukunft aus der Sicht des christlichen Glaubens nicht die lineare Extrapolation von Vergangenheit in die Gegenwart. Aus pastoraltheologischer Sicht ist vor allem die Frage interessant, wie sich eine christliche Organisation in Zeiten des Umbruchs reorganisiert und welche personalen, strukturellen, prozessbezogenen und spirituellen Dimensionen dabei relevant sind. Ebenso von Bedeutung für die Gegenwart ist auch die Frage, wie eine christliche Organisation zu einer „lernenden“ wird: Welche Strukturen und Prozesse fördern bzw. welche hemmen Reformprozesse?“

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Garantin des Neuaufbruchs

Auch wenn in Organisationstheorien die Bedeutung von Personen für Reformprozesse im Vergleich mit Strukturen und Prozessen geringer veranschlagt wird, als der „Alltagsblick“ es normalerweise tut, legt Polak einen besonderen Blick auf die Generalleiterin der CS-Schwestern Elia Niklas, die 1964 wiedergewählt wurde: „Aus der Sicht aller befragten Schwestern war sie einer der maßgeblichen, wenn nicht der Erfolgsgarant für den Neuaufbruch.“ Sie galt und gilt als „Autoritätsperson“ und „Führungspersönlichkeit“. Polak verwies auf die Wichtigkeit der Bildung und Ausbildung für Veränderungsprozesse, ebenso wie Partizipation und die Vorstellungen der jungen Schwestern sowie die Beratung und Begleitung von außen. Konflikte und Spannungen schöpferisch zu nutzen, ist eine besondere Kunst einer Weiterentwicklung bzw. Veränderung einer Organisation. Gerade das Tragen der Tracht wurde zum „Konfliktsymbol“. Veränderung und Bewahrung treffen hier aufeinander. 15 Jahre hat dieser Konflikt die CS-Schwestern beschäftigt. Polak: „An der Frage rund um das Tragen einer Ordenstracht wird der Konflikt zwischen den verändernden und bewahrenden Kräften besonders anschaulich – und mitunter auch skuril und belustigend – deutlich. In diesem Streit werden aber zugleich auch zentrale Wert-Spannungsfelder der CS verhandelt: zwischen Individualität und Gemeinschaft, Weltlichkeit und Geistlichkeit, Innovation und Tradition, Sicherheit, Schutz und Freiheit.“  Polak zieht für ie Zukunft aus dem Oral History Projekt der CS-Schwestern für die Schwesterngemeinschaft den Schluß: „Für die Zukunft wird es entscheidend sein, das Ordenscharisma auf alle MitarbeiterInnenn auszuweiten und eine Mitgliedschaft auf Zeit anzudenken.“

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Referat für Kulturgüter

[fk]