Aus den Ordensarchiven kann Widerstand wachsen

 120 puchberg IMG 7328Thomas Prügl vom Institut für Historische Theologie in Wien erläuterte im Rahmen der Ordensarchivtagung 2015 in seinen Ausführungen Ordenstradition und theologische Schulen. In der Diskussion rückte die Sichtweise in die Mitte, „dass Ordensarchive Orte des und Wissen für Widerstand sein können“.

 

„Das Subversive, das ein Archivar, eine Archivarin ausüben kann, liegt darin, dass er oder sie in der Wahrnehmung der Verantwortung, was man aufbewahrt, nicht immer die offizielle Ordenslinie aufnimmt, sondern auch unbequeme Dinge aufhebt und damit hinweist man auf unbequeme  Tatsachen und Realitäten. Man hat damit eine kritische Funktion und man weist darauf hin, was man vielleicht nicht hören will.“ So beantwortet Thomas Prügl die Frage, ob von Ordensarchiven Widerstand ausgehen kann. Sind Archive auch Quellen für Out-of-the-Box-Denken? Prügl: „Der Archivar sollte ein breites Interesse mitbringen, sodass Archive reiche Schätze bieten für unterschiedlichste Fragestellung. Entscheidend ist weniger, was wir finden, sondern mit welcher Fragestellung wir herangehen.“ Welche Themenfelder sind aus heutiger gesellschaftlicher Sicht wichtig? „Der Archivar fiebert heute natürlich mit, was die Rolle der Orden heute in der Gesellschaft ist. Dass es Orden braucht, steht für mich außer Zweifel, weil  Sicherheiten im Auflösen sind. Ordensleben ist eine Entscheidung für eine feste Lebensführung, eine alternative Lebensführung. Alte Traditionen haben sich als bewährte Lebensformen herausgestellt. Das Wachhalten und Erinnern an Lebensformen, die quer zu den Moden, quer zu den gesellschaftlichen Strömen  und Versuchungen stehen,  ist der Beitrag der Orden heute.“ Was kann jemand heute von den Orden lernen? „Bescheiden leben, bewusst leben, nachhaltig leben und sinnvoll leben.“

Kurzinterview mit Thomas Prügl zum Anhören (Audio)

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Zentrum für Klostererbe

Otto S. Lankhorst berichtete über das Zentrum zur Pflege des niederländischen Klostererbes Im Kreuzherrenkloster Sant Agatha in der Nähe von Nijemegen. „25 Gemeinschaften haben in den 80er-Jahren begonnen und heute sind über 100 Gemeinschaften die Nutzer dieses Zentrums für  ihr Klostererbe. Es geht darum, Quellen zu retten von einer reichen Vergangenheit. Es wurden in Niederlanden viele Klöster schneller geschlossen als in anderen europäischen Staaten.“ Die gemeinsame Stiftung wurde rechzeitig von den Orden verwirklicht.  Die einzelnen Orden bleiben Besitzer der Archivalien. Die besondere Herausforderung auf Zukunft sind die Digitalisierung und die Archivierung von Websites.

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Vernetzung als Voraussetzung

Der Provinzarchivar der Schweizer Kapuziner Christian Schweizer stellte das Netzwerk geistlicher Archive in der Schweiz vor. „In der Schweiz ist die Vielsprachigkeit und die Kleinstrukturiertheit die besondere Voraussetzung. Etwa 2.000 kirchliche Archive sind im der Arbeitsgemeinschaft AGGA zusammengefasst. Diese Arbeitsgemeinschaft engagiert sich für eine koordinierte Überlieferungsbildung im öffentlichen und privaten Bereich. Archivarinnen und Archivare gestalten mit ihrem verantwortungsbewussten Umgang mit Informationen die heutige und zukünftige Informationsgesellschaft.“

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Begeisterung steckt an

Der „Ein-Personen-Archivar“ des Schottenstiftes in Wien Maximilian A. Trofaier teilt seine Erfahrugnen und Empfehlungen: „Vernetzung und Fortbildung sind entscheidend, auch wenn es  nicht leicht ist, Zeit zu finden.  Öffentlichkeitsarbeit ist entscheidend.  Prioritäten setzen und Grenzen erkennen ist als Ein-Person-Archivar wichtig. NutzerInnen werden viel mehr einbezogen und ich kann nicht jedem, die Arbeit abzunehmen. Wichtig ist auch die Postionierung des Archivs im Orden selber. Tragen sie ihre Begeisterung für die Archivarbeit nach draußen, lassen sie andere mitleben. Reden sie über ihre Erlebnisse im Archiv.“ Trofaier betreibt eine Facebook-Seite und einen Blog und ermutigt: „Finden sie ihr Medium, das zu ihnen passt.“

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Exkursion und Nutzung

Die TagungsteilnehmerInnen begeben sich auf Exkursion in das Stift St. Florian und nach Linz, wo der Mariendom besichtigt wird. Im Alten Dom feiert Bischof em. Maxmilian Aichern einen Gottesdienst. Der Mittwoch ist der Nutzung der Archive gewidmet: „Was in einer Archiv- und Benützerordenung stehen sollte“. Gerald Hirter von der Erzabtei St. Peter und Helga Penz bringen Inputs. Abgeschlossen wird die Tagung mit dem gemeinsamen Konferenzteil.

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Referat für die Kulturgüter der Orden

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