Wer vor der Welt flieht, hält es im Kloster nicht aus

2016 04 26 krone sr beatrix 120Am 23. April 2016 brachte die Krone Tirol ein Interview mit Frauenorden-Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer. Der Inhalt: Vom 28. Bis 30. April feiert die Vereinigung der Frauenorden Österreichs in Innsbruck ihr 50-Jahr-Jubiläum. Claudia Thurner sprach mit Präsidentin Mayrhofer über die Zukunft der Klöster, über das neue Projekt eines freiwilligen Ordensjahr und darüber, warum die Ehelosigkeit im Kloster Signalwirkung hat.

Krone: Ordensgemeinschaften haben heute einen schweren Stand. Nonnen und Klosterbrüder sind im öffentlichen Raum kaum noch präsent. In Tirol gibt’s keine 500 Ordensfrauen mehr. Werden sie bald ganz verschwunden sein?

Sr. Beatrix: Das Durchschnittsalter von Ordensfrauen liegt heute bei 75 Jahren. Die Zahl der Gemeinschaften wird weiter zurückgehen. Das müssen wir akzeptieren. Aber ich bin überzeugt, dass es in unserer Gesellschaft immer eine Form von Ordensleben geben wird, vor allem von kleinen Gemeinschaften. Wir befinden uns in einer Phase der Verwandlung. Ehelos, arm und gehorsam – das waren früher die drei Eckpfeiler im Ordensleben. Heute heißt es: gemeinsam, einfach und wach. Das Gelübde ist heute nicht mehr überall notwendig. Neben der Bindung fürs Leben gibt es auch die Möglichkeit eines Versprechens für eine bestimmte Zeit.

Kloster auf Zeit ist auch die Idee eines neuen Projektes der Ordensgemeinschaften. Wie schaut das aus?

Im September starten wir mit dem Angebot eines freiwilligen Ordensjahres. Dabei können Interessierte zwischen drei und zwölf Monate in einer ausgewählten Gemeinschaft wohnen, am täglichen Leben der Brüder und Schwestern teilnehmen und in einer sozialen Einrichtung Dienst verrichten. Unsere Adressaten sind vor allem junge Menschen und Leute, die eine Auszeit ins Auge fassen.

Kloster als Fluchtpunkt vor dem Leben?

Ganz und gar nicht. Wer vor der Welt flieht, der hält es im Kloster bestimmt nicht aus. Diese Erfahrung machen wir immer wieder. Im Kloster bin ich auf mich zurückgeworfen. Um das auszuhalten, muss man mit sich selbst im Reinen sein. Auch der Dienst am Nächsten erfordert eine gefestigte Persönlichkeit.

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Und in letzter Konsequenz auch die Ehelosigkeit.

Um für Gott und die Menschen ganz frei zu sein. Es ist ja auch ein Signal, sich bewusst zu werden, worauf es im Leben ankommt. Der Verzicht auf Ehe mag riskant sein. Das ist die Ehe auch. Auch sie bedeutet, auf vieles zu verzichten.

Siehe auch die Artikeln zum Thema Freiwilliges Ordensjahr und 50-Jahre-Jubiläum der Vereinigung der Frauenorden Österreichs

[rs]