Fachtagung Weltkirche 2017: Kirchliche Klimaschutz-Projekte auf den Philippinen

2017 07 21 ftwk17 pabillo 120Schon seit jeher waren die Philippinen ein Land, das häufig von Naturkatastrophen heimgesucht wurde. Doch der Klimawandel hat diese noch wesentlich verstärkt. Bischof Broderick Pabillo aus Manila berichtete auf der Fachtagung Weltkirche 2017 (21. und 22. Juli 2017 im ABZ Lambach), welche kirchlichen Klimaschutz-Projekte in den Diözesen derzeit initiiert und umgesetzt werden. (#ftwk17)

Die Auswirkungen des Klimawandels sind auf den Philippinen mittlerweile offensichtlich: Waren es vor einem Jahrzehnt noch durchschnittlich 22 Taifune, die in der Stärke 3 (ca. 185 km/h) jährlich über das Land fegten, so ist die Anzahl als auch die Stärke der Taifune gestiegen. Den „Rekord“ erreichte am 7. November 2013 der Supertaifun Haiyan, der die Philippinen mit einer Windstärke von 315 km/h und Böen bis zu 380 km/h traf; die Auswirkungen waren verheerend. Zusätzlich nahm auch landesweit die Anzahl der Überschwemmungen und in Folge auch Krankheiten und Seuchen zu.

„Die Diözesen haben darauf vielfältig reagiert“, berichtete Bischof Broderick Pabillo, bis 2016 Präsident der NASSA (also der Caritas) auf den Philippinen. „Wir haben Kommissionen eingesetzt, die sich intensiv mit Gottes Schöpfung auseinandergesetzt haben und die unsere aus dem christlichen Glauben geprägten Erfahrungen mit der Natur dokumentierten und so den Umweltschutzgedanken stärkten.“ Der Theorie folgte auch die Praxis: „Wir förderten Recycling-Projekte; forcierten Aufforstungsprogramme bzw. biologischer Ackerbau ohne chemische Düngemittel oder verhinderten das Dynamitfischen.“

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„Wir kämpfen gegen die Armut und gegen ein Weltwirtschaftssystem, das uns arm bleiben lässt." Bischof Broderick Pabillo aus Manila war bis 2016 Präsident der NASSA (Caritas) auf den Philippinen. (c) Ordensgemeinschaften Österreich/Manu Nitsch

Minenprojekte töten

Ein großes Problem stellen für Bischof Pabillo auch die internationalen Minenabbauunternehmen dar, die auf den Philippinen ohne Rücksicht auf Umwelt und Menschen agieren. Eine korrupte Regierung unterstützt die Unternehmen, die aus Großbritannien, Schweiz, Norwegen, aber auch aus Russland, Kanada, Australien, Korea, Japan und China stammen, „Berge werden abgebaut, unsere Quellen trocknen aus, unsere Küstengewässer werden durch Abfallprodukte überschwemmt.“ Mehr noch: Wo die Ureinwohner den Geschäftsinteressen der Minenabbauunternehmen im Wege stehen, werden diese gnadenlos von gemieteten Söldnern ermordet.

Doch: „Wir kämpfen auf viele Fronten“, betonte Bischof Pabillo. „Wir kämpfen gegen die Armut und gegen ein Weltwirtschaftssystem, das uns arm bleiben lässt. Gegen diese Ungerechtigkeiten kämpfen wir, indem wir den Menschen Bildung vermitteln. Wir versuchen ihnen beizubringen, dass eine Welt, die nur auf Materialismus aufbaut, nicht bestehen kann. Es braucht auch Liebe, ein glückliches Familienleben. Papst Franziskus sagt, alles ist miteinander verbunden.“ Auch wenn Europa tausende Meilen entfernt ist, hat es dennoch als Verursacher von Umweltverschmutzung Einfluss auf die Philippinen. Pabillo: „Franziskus sagt: Weniger ist mehr. Diese Einstellung müssen wir unterstützen und durchsetzen. Mit weniger zufrieden sein – das kann jeder von uns sofort tun.“

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(c) Ordensgemeinschaften Österreich/Manu Nitsch

Philippinen: Armer Schmelztiegel

Die 40 reichsten Familien im Land kontrollieren rund 76 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, während 21,6 Prozent der Bevölkerung mit weniger als 1,5 Euro pro Tag ihr Leben fristen müssen. Obwohl das Land mit Bodenschätzen durchaus die Voraussetzung für sozialen Wohlstand hätte, ist dennoch der Großteil der Bevölkerung arm, denn die Ressourcen sind fest n den Händen von internationalen Unternehmen.

83 Prozent der Bevölkerung gehören der katholischen Kirche an, die 1521 mit spanischen Missionaren auf die Philippinen kam. Weitere zehn Prozent sind evangelische oder sonstige Christen, fünf Prozent sind Muslime. Bischof Pabillo: „Die Philippinen sind ein Schmelztiegel – unsere Hautfarbe ist braun, unsere Seele ist christlich, unsere Erziehung amerikanisch und unsere Wirtschaft chinesisch.“

Fachtagung Weltkirche 2017

Die Fachtagung Weltkirche 2017 findet von 21. bis 22. Juli 2017 im ABZ Lambach statt. Das Motto lautet „Die Erde sind wir – Schritte zu einer ökologischen Umkehr“. Die Tagung setzt an bei der Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus und will Schritte zum Engagement für die Schöpfung Gottes und Anstöße zur notwendigen ökologischen Umkehr aufzeigen. Veranstaltet wird die Tagung gemeinsam von den Ordensgemeinschaften Österreichs, der Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft MIVA, der KOO und Gliederungen der Katholischen Aktion.

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[rs]

 

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