Freiwilliges Ordensjahr geht in die zweite Runde

IMG 0068 120Ein Jahr lang hat die Musikstudentin Karoline bei den Franziskanerinnen in Simmering in Wien das freiwillige Ordensjahr mitgelebt. Sie studiert jetzt von dort aus weiter und hat mit ihrem ganzen Musik-Ensemble sogar einen guten Probenplatz gefunden. Im Einüben von Beständigkeit ist dem 19-jährigen Wolfgang bei den Kapuzinern klar geworden, dass er das Ordensjahr abbrechen wird. Martin bei den Jesuiten hingegen ist nach dem Jahr klar geworden: Ja, jetzt beginnt für mich das Noviziat. Im Quo Vadis in Wien wurde am 26. September 2017 in kleiner Runde Resümee und Ausblick in den Fokus gerückt.

Die Koordinatorin des Ordensjahres Sr. Ruth Pucher zum freiwilligen Ordensjahr: „Es ist nach wie vor ein Experiment. Erfahrungen werden gesammelt entlang der Linie von Angebot und Nachfrage. Über 60 Bewerbungsgespräche habe ich geführt und genau diese Vorabklärung wird von den AnwärterInnen und den Ordensgemeinschaften geschätzt. 15 Frauen und Männer unterschiedlichen Alters sind bisher eingestiegen in das Mitleben und Mitarbeiten bei den Orden. Jetzt gehen wir in die zweite Runde und das Interesse ist nach wie vor ungebrochen. Bei der Freiwilligenmesse im Wiener Rathaus am 7. / 8. Oktober sind wir deshalb mit dabei.“

IMG 0096 450

Erfahrungen werden ausgetauscht (Foto in Druckqualität)

Tiefe und nachhaltige Erfahrungen

Sr. Sieglinde von den CS-Schwestern möchte die Erfahrungen und Inspirationen nicht missen: „Die 28-jährige Loren ist ausgebildete Soziologin und Mediatorin. Sie hat bei uns in der Beratung gearbeitet und ihre Praxiseinheiten gemacht. Wie eine „Mitschwester“ hat sie bei uns mitgelebt. Das Alltagsprogramm haben wir angepasst, um Nähe und Distanz gut auszubalancieren. Am Schluss des Jahres sind wir gemeinsam zu Fuß nach Mariazell gegangen. Das verbindet uns ein Leben lang.“ Auch der Kapuzinerbruder Marek will die Erfahrungen für seine Gemeinschaft nicht missen, „auch wenn das Jahr nach einer Klärung frühzeitig beendet wurde“. Die Jesuiten in Innsbruck haben durch das Ordensjahr die Entscheidung von Martin in die andere Richtung reifen lassen: Ich werde Novize. Martin ist jetzt in der Ausbildung zum Jesuiten. Maike hat gerade in Wien bei den Borromäerinnen  begonnen „ihrem inneren Zug zu folgen“. Sie kommt aus Deutschland an der holländischen Grenze: „Das Ordensjahr wird für mich Klärung.“ Birgit hingegen hat sich schon in Exerzitien und geistlicher Begleitung nach internationalen Berufserfahrungen auf den Weg gemacht. Jetzt ist sie bei den Missionarinnen Christi und erlebt dort „eine herzliche und wertschätzende Aufnahme“. Sr. Joanna von der Gemeinschaft erlebt gerade im Mitleben von Birgit eine „Intensivierung des Gemeinschafts- und Gebetsleben“.

IMG 0067 450

Das Ordensjahr findet TeilnehmerInnen unterschiedlichsten Alters

Was finden Menschen im Ordensjahr?

Birgit erlebt eine tiefe Suche nach einem gelingenden Leben: „Beim Essen, beim Beten und im Reden erlebe ich eine behutsame Abstimmung aufeinander mit dem Ziel, dass ein gutes gemeinsames Leben gelingt.“ Sr. Ruth erlebt vor allem Suchgeschichten: „Menschen sind auf der Suche und sehen Orden als eine Art Finde-Orte.“ P. Zacherl von den Jesuiten sieht die Annäherung an das konkrete Ordensleben als eine großen Nutzen für die Teilnehmenden: „Wie kann mich Ordensleben ganz konkret berühren, der Rhythmus und die jeweilige Aufgabe, die mir zugesprochen wird.“ Eine geschiedene Mutter eines erwachsenen Sohnes sucht „Orientierung und Neuausrichtung in der Phase, wo ich als Mutter nicht mehr so gebraucht werde“. Eine andere sucht die „großfamiliäre Struktur, wo immer etwas los ist und ich nicht alleine bin“. Beten, Rhythmus, die Aufgabe und das Dazu-Gehören erlebt sie „aufbauend und tragend“. Birgit sieht für ein Gelingen des Ordensjahres als zentral: „Das Gebet als Quelle und Form der Gottsuche braucht es als zentrale Sehnsucht.“ Br. Marek hört von den bei ihnen Mitlebenden: „Durch das Mitleben und Mitarbeiten habe ich unglaublich viel gelernt.“

IMG 0087 450

Angebot (bei Ordensgemeinschaften) und Nachfrage (bei InteressentInnen) werden aufeinander abgestimmt (Foto in Druckqualität)

Auswahlgespräche helfen bei den Klärungen

Sr. Ruth schildert Kriterien, die bei den Auswahlgesprächen ein Rolle spielen: „Wir sprechen immer über die vorhandenen Erfahrungen mit Gemeinschaftsleben. Dann reden wir natürlich über Ausbildungen, Fertigkeiten und gewünschte Tätigkeiten. Religiöse Prägungen und Erwartungen werden genauso angesprochen. Für ein Gelingen ist es wichtig, dass Wertschätzung erfahren, eine sinnstiftende Aufgabe in der Gemeinschaft zugesprochen wird und eine tiefe Zugehörigkeit erlebt werden kann. Das suchen heute Menschen überall und Orden als spirituelle Sehnsuchtsorte können das sein.“

Alle Informationen zum Freiwilligen Ordensjahr sind unter ordensjahr.at zu finden. Dort vermittelt auch ein Video einen Einblick in die Erfahrungen.

Kontakt: Sr. Ruth Pucher Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  TEL 0043 1 804 75 93-608 

[fk]

 

AufbruchBewegt 180

junge 180

20171108 PA AubruchBewegt msc 1 180

otag180