Menschenhandel ist auch eine Anfrage an mich und nicht nur die anderen

 20180212 PGSalvatorianer Fastentuch mschauer 2 120Am 12. Februar fand im Salvatorianerkloster St. Michael das Pressegespräch zur Fastenzeit-Aktion der Salvatorianer zum Thema Menschenhandel statt. Für die Dauer der Fastenzeit stellen die Salvatorianer die offene Kirche St. Michael zur Verfügung, um KünstlerInnen von 14. Feburar bis 29. März Raum zu geben, sich mit dem Thema „Menschenhandel“ kreativ auseinanderzusetzen. Zentral ist sicher das Fastentuch der Künstlerin Zhanina Marinova, das beinahe den gesamten Altarraum bedecken wird. Enstanden ist das Projekt in einer Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien.

 

P. Erhard Rauch, Pfarrer St. Michael, gibt zu bedenken: „Warum braucht es Initiativen gegen Menschenhandel und noch dazu in einer Kirche? Wir haben das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe. Aber was mache ich, wenn andere das nicht wollen? Welche Möglichkeiten habe ich, hier korrigierend einzugreifen? Ein solcher Gedankengang bringt mich aber bereits in eine Opposition zwischen dem „Ich wäre ja gut“ und „der andere ist leider oft böse!“ Es gilt die Aussage Jesu: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder (und Schwestern) getan habt, das habt ihr mir getan.“ Im Menschenhandel wird Gott selbst verkauft, geschunden und gedemütigt. In unseren Familien, im Freundeskreis, in Partnerschaften gelingt es uns schon, bedingungslose Liebe zu erfahren und zu leben. Oft schaffen wir es aber nicht, diese Einstellung zu „den anderen“, zu denen, die außerhalb meiner erkannten Lebensordnung stehen, in gleicher Weise hinüber zu retten. Gilt das auch für die Täter? Könnte ich in den Tätern auch einen der geringsten meiner Brüder sehen? Können sie nicht lieben, weil sie auch selbst nie geliebt wurden? Von Mahatma Gandhi wird erzählt, dass er einem hinduistischen Vater, dessen Sohn von einem Muslim ermordet wurde, den Rat gibt, ein muslimisches Kind aufzunehmen und es als Muslim zu erziehen. Nur so könne die Gewalt des Bösen überwunden werden. Menschenhandel ist auch so eine Anfrage an mich und nicht nur die anderen.“

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Foto v.l.n.r.: Lukas Korosec (Missionsbeauftragter der Salvatorianer), Katharina Beclin (Sprecherin der Plattform gegen Ausbeutung und Menschenhandel), Zhanina Marinova (Künstlerin), P. Erhard Rauch (Provisor von St. Michael), Robert Sonnleitner (Medienbüro der Ordensgemeinschaften Österreich). (c) Magdalena Schauer

Prof. Katharina Beclin, Kriminologin und Sprecherin der Plattform gegen Ausbeutung und Menschenhandel, beschreibt deren Zweck folgendermaßen: Die Plattform dient der Vernetzung von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen sowie ExpertInnen mit dem Ziel, Vorschläge zur Prävention von Menschenhandel und zur Unterstützung von Betroffenen zu erarbeiten und umzusetzen. Für dieses Ziel fördert die Plattform Bildungsarbeit und andere bewusstseinsbildende Maßnahmen und initiiert und unterstützt politische Initiativen, die der Ausbeutung von Menschen entgegenwirken (gegenmenschenhandel.at). Gegründet wurde sie aus einer Initiative von Lukas Korosec, dem Missionsprokurator der Salvatorianer, mit Unterstützung von Barbara Filek, der Leiterin der Pfarrcaritas und Nächstenliebe Wien, heraus.

Auf die Frage, ob politisches Lobbying momentan notwendig sei, antwortet Beclin mit Nachdruck: „Notwendiger denn je, weil ich habe mir das Regierungsprogramm angeschaut und da sieht man, dass vieles in die falsche Richtung läuft. ArbeitnehmerInnenschutz soll zurückgenommen werden, Bestrafung wegen Sozialdumping wird hinterfragt, weil es angeblich Wettbewerbsnachteile gegenüber ausländischen Unternehmen bringen soll, der Arbeitsmarktzugang soll weiter verschärft werden, die Mindestsicherung soll gekürzt werden - was ja schon ein Widerspruch in sich ist. Das sind alles Maßnahmen, die dazu führen, dass Menschen noch leichter augebeutet werden können, denn wenn Menschen nicht überleben können aus eigener Kraft, dann sind sie darauf angewiesen, illegale Arbeit anzunehmen und sind auch diesen ArbeitgeberInnen ausgeliefert.“

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(c) Magdalena Schauer

Die Künstlerin selbst ist Studentin an der Angewandten in Wien und erklärt Ihre Intentionen: „Für mich war es sehr interessant, einerseits auf so einem großen Format und dann noch für ein so wichtiges Thema zu arbeiten. Menschenhandel ist überall Thema, es wirkt immer und es geht auch immer weiter. Es war ein besonderes Gefühl, auf dieser riesigen Leinwand am Boden zu arbeiten, man muss wirklich kräftig dafür sein, denn es nimmt einem Energie. Außerdem war es in dem Offspace, in dem ich insgesamt 10 Tage daran gearbeitet habe, sehr kalt. Aber es war ein sehr spezielles Gefühl: Ich bin auch eine Ausländerin und es ist immer anders, wenn man in ein neues Land kommt und man gefragt wird, warum man hier leben und arbeiten möchte.

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(c) Manu Nitsch

Die Eröffnung des Projekts findet am Aschermittwoch, 14. Februar um 18:00 in der St. Michaelskirche im 1. Bezirk statt. Im Rahmen der Eucharistiefeier wird das Aschenkreuz aufgelegt und das Fastentuch und die Ausstellung eröffnet. Anschließend gibt es eine Führung mit der anwesenden Künstlerin Zhanina Marinova.

Die Pressefotos zum Download

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