Der Klerikalismus tötet die Kirche

Nonne Artikel 120Sie arbeiten für zu wenig oder gar kein Geld. Ihre Arbeit wird oft nicht gewürdigt und vielfach behandelten Kleriker Ordensfrauen wie niedere Bedienstete, lautet der Tenor eines Artikels in der vatikanischen Zeitschrift "Donne, Chiesa, Mondo" (Frauen, Kirche, Welt) über die Ausbeutung von Ordensfrauen. Dahinter stecke oft die Vorstellung, "dass ein Priester alles und eine Ordensfrau nichts ist. Der Klerikalismus tötet die Kirche", kritisiert eine als Schwester Paula vorgestellte Ordensfrau - das Magazin hat die Namen geändert.

In der Wertschätzung von Ordensfrauen geht Papst Franziskus mit gutem Beispiel voran. Erst kürzlich hat er die spanische Ordensfrau Carmen Ros Nortes als Untersekretärin in die Leitung der vatikanischen Behörde für Ordensangelegenheiten berufen. Doch die Realität "an der Basis" sieht anders aus, heißt es im Magazinbeitrag.

Kleriker lassen sich bedienen

Oftmals arbeiteten Ordensfrauen ohne Vertrag für einen Bischof oder Pfarrer. Von morgens vor dem Frühstück bis spät abends, wenn der Haushalt aufgeräumt hinterlassen wird. "Einer meinte, er könne sich von seiner Schwester das Essen servieren lassen, und lässt sie ihres allein in der Küche einnehmen", klagt eine andere der befragten Frauen.

Neben fehlender Bezahlung und schlechten Umgangsformen leidet oft das Gemeinschaftsleben der Schwestern. Zum einen, weil ihnen gemeinsame Zeit fehlt, aber auch Geld. Als einzelne Ordensfrau, die Armut gelobt hat, brauche sie nicht viel, aber von etwas müsse ihre Gemeinschaft schon leben, sagt eine befragte Schwester. "Ein Mitschwester stimmt in unserer Nachbarpfarre die Lieder an und hält Vorträge in der Fastenzeit", zitiert der Beitrag eine Schwester Cecile. "Dafür sieht sie keinen Cent; aber wenn der Pfarrer kommt, um bei uns Messe zu feiern, will er 15 Euro."

Viele Ordensfrauen schweigen

Verantwortung für die Zustände trügen nicht immer nur die Männer, sagt Schwester Marie. Ein Professor sei geschockt gewesen, weil einer sehr guten Studentin von ihrer Ordensleitung nicht gestattet worden sei, nach dem Lizenziat weiterzustudieren. Eine andere promovierte Theologin sei von einem auf den anderen Tag zu Wäscherei und Küchenarbeiten abgeordnet worden. Oft heiße es dann: Ordensfrauen dürften nicht stolz sein.

Viele Ordensfrauen kämen aus Gemeinschaften, die entstanden sind, um den Armen zu dienen, erläutert eine befragte Ordensfrau. Daraus habe sich langfristig eine Einstellung entwickelt, als könne man sie wie eine verfügbare Bedienstete überall hinschicken. Verschlimmert würden die Zustände durch ein verbreitetes Schweigen, erklärt Schwester Marie, bei der sich etliche Ordensfrauen aussprechen. Sie ermutige sie dann immer, sich zu beschweren, zu berichten, wie es ihnen geht. Oder bei Anfragen auch direkt nach der Bezahlung zu fragen.

Orden: „Selbstbewusst und kritisch“

Der Umstand, dass Missstände wie diese nun als Licht kommen und zum Thema werden, sagt aber auch aus, dass sich Ordensfrauen heute trauen, mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit zu gehen - das Bild der Ordensfrau ist im Wandel begriffen.
Der Mediensprecher der österreichischen Ordensgemeinschaften, Ferdinand Kaineder, sieht jedenfalls ein differenzierteres Bild: „Das jetzige Bild von einer Ordensfrau schaut wirklich ganz anders aus: selbstbewusst, kritisch, einsatzfreudig, gut ausgebildet."

Den Originalartikel in der vatikanischen Zeitschrift "Donne, Chiesa, Mondo" (auf Italienisch) finden Sie hier (S. 10-15)

Das Teaserbild stammt aus dem Artikel.  

[hw]