Gott findest du im Zusammenprall mit der Wirklichkeit

"Es geht nicht darum, die Verwundeten unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selber in die Speichen zu greifen." Damit charakterisiert Sr. Martha Zechmeister bei der Pastoraltagung 2019 in Salzburg die Intention ihrer Arbeit in El Salvador. Den über 300 TeilnehmerInnen legte sie eindringlich ans Herz: "Das Evangelium aktualisieren heißt nicht, es ins heute herein zu modernisieren, sondern es hier und heute Wirklichkeit werden zu lassen." #Pastoraltagung2019 #wach
Zum Videointerview

700 IMG 2165

Sr. Matha Zechmeister (Foto: fkaineder)

"Es geht um eine Kirche, die sich von den Armen her konfiguriert. Die Option mit den Armen heißt, sich von den Armen und Entrechteten her zu sehen. Es gilt mehr den je zu entdecken, wie Jesus gehandelt hat und ganz und gar mit den Armen zu sein." Zeichmeister erläutert in einem weiten erfahrungsbezogen Bogen, "dass in den letzten 2000 Jahren die Jesus-Geschichten im Evangelium nicht wirklich Theologie bildend gewesen sind". Anhand von P. Rutilio Grande SJ und Erzbischof Oscar Romero führte sie aus, dass Kirche bilden heitß. "sich bedingungslos auf die Seite der Verfolgten zu stellen und sie mit allen Mitteln zu verteidigen". Diese Verfolgten sind "das gekreuzigte Volk, der Gekreuzigte sind die Verlassenen". Dieses "kühne Sprechen in dieser Weise vom Kreuz mit dem unmmittelbaren Bezug zur Wirklichkeit braucht es heute mehr denn je. Am Kreuz kommen wir Christen nicht vorbei. Nein, wir Christen schreiben de Kreuz erlösende Wirkung zu". Zechmeister appeliert an das Gewissen jedes einzelnen und jeder einzelnen sich zu fragen, "wo wir in menschenverachtende Strukuren direkt und indirekt verwickelt sind".

Das Erbe der Märtyrer

"Die Wirklichkeit Gottes ist der Arme, der lebt. Gott findest du im Zusammenprall mit dieser Wirklichkeit und Realtität." Zechmeister sieht ein großes Erbe der Märtyrer, dem wir verpflichtet sind: "Es verpflichtet uns zur Redlichkeit im Umgang mit der Wirklichkeit. Wir müssen die Wirklichkeit sehen, wie sie ist, und uns nicht Vorstellungen von der Wirklichkeit hingeben. Es gilt für uns Christen, das volle Gewicht der Wirklichkeit auf uns zu nehmen. So gilt es auch, die Ehre Gottes im Kampf für das Leben der Opfer zu verteidigen und den Opfern unser Wort zu geben." Zechmeister beschreibt die Situation in El Salvador heute "tödlicher denn je". Die ungerechte Verteilung auf der ganzen Welt ist in El Salvador als Hotspot zu sehen. Die tiefe Spaltung der Gesellschaft und die himmelschreiende Ungerechtigkeit produziert Gewalt: "Jugendliche haben keine Perspektive und die Regierung setzt auf pure Repression. Da gilt es heute neu und kreativ Lösungen zu suchen mit den Menschen. Theologie bleibt nur lebendig, wenn sie aus der ungeschminkten Wirklichkeit neu heraussteigt, gerade auch im Blick auf die Märytrer. Wir erleben Glaubenskraft und Vitalität in der Ungereichtigkeit und das bringt Hoffnung und Resilienz."

Für Sr. Martha Zechmeister ist #Wach sein gleichbedeutend mit Beziehungsgeschehen, also einem Netzwerk, in dem man gemeinsam emphatisch und sensibel für die anderen ist.  (c) magdalena schauer

Gegen die Logik der Gewalt

Zechmeister will mit ihrer Arbeit an der Universität und in der Praxis in San Salvador "Keime der Hoffnung ausmachen". Das gelingt ihnen sehr gut mit Projekten, die vor allem von Jugendlichen und Frauen selbst getragen sind. Sie erzählt von einem Jugendhaus "an den Bruchlinien in der Stadt", von Frauengruppen, von der "subversiven und befreienden Kraft der Straßenkunst von Jugendlichen, die sich so gegen die Logik der Gewalt stellen", von Pfarrgemeinden, die Alternativen leben. Zechmeister ist sich sicher, "dass die wirklich befreiende Kraft von unten kommt" und die "humanisierende Kraft bei den Letzten liegt". Für die Pastoral erinnert sie an eine Aufforderung von Papst Franziskus: "Schafft Andersorte." Das heißt, "Perspektiven eröffnen, einschließen und nicht marginalisieren." Die Wichtigkeit des Zusammenhaltes bringt sie mit dem Ausspruch auf den Punkt: "Wir retten uns nur als Maiskolben gemeinsam und nicht als Maiskorn alleine."

700 IMG 2178

"Das Zeichen der Zeit ist immer das gekreuzigte Volk." Sr. Matha Zechmeister bei der Pastoraltagung 2019 in Salzburg.
Foto in Druckqualität (Foto: fkaineder) 

 

Der Vortrag von Sr. Martha Zechmeister bei der #Pastoraltagung2019 in Salzburg
ZUM NACHHÖREN

200 IMG 2178

Der Vortrag von  Sr. Martha Zechmeister "Einfach leben, wie Jesus gelebt hat" in Innsbruck 2015 (Youtube)

Leben und Wirken von Sr. Martha Zechmeister 

Zusammenfassungen und Berichte der Kathpress zur Pastoraltagung 2019

[fkaineder]