In Burkina Faso geben Kamilianer Lepra-Kranken ein wenig Menschenwürde


Lepra-KrankeJeden Mittwoch hält Bruder Vincent Louise im Lepradorf Paspanga Sprechstunde und bietet medizinische Beratung und Hilfe an. Für jeden der unzähligen verstümmelten und behinderten Lepra-Kranken hat der Kamillianerpater ein freundliches Wort. Er kennt sich nicht nur bei Lepra und der Wundversorgung aus, sondern auch bei Tuberkulose und Malaria, Wurmkrankheiten, Unfällen und Verletzungen. Und er hat auch Medikamente, Salben und Verbandmaterial im Gepäck.

 

Zweimal in der Woche verteilt Bruder Vincent mit seinen Helfern auch Lebensmittel in Paspanga. 200 Familien werden mit Mais, Reis, Bohnen und bisweilen auch Olivenöl versorgt. Armut, Unterernährung und unsauberes Trinkwasser seien die größten Risikofaktoren für Lepra, weiß der Ordensmann. Aber auch mangelnde Hygiene. Und so verteilt er mit den Lebensmitteln u.a. auch Seife. Paspanga ist ein Lepradorf am Stadtrand von Ouagadougou, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Burkina Faso. Unter dem Schutz der Kamillianer leben hier 600 Menschen. 600 Menschen, die von der Gesellschaft ausgestoßen sind. Bruder Vincent und seine Ordensbrüder kämpfen nicht nur gegen die heimtückische Krankheit sondern auch gegen das damit verbundene soziale Stigma. Sie kämpfen gegen Unwissenheit, Vorurteile und Aberglauben. Bruder Vincent: "Bei keiner anderen Krankheit gibt es eine so große unmenschliche Diskriminierung wie bei Lepra." Lepra ist eine Infektionskrankheit und wird durch ein Bakterium (Mycobacterium leprae) übertragen. Dieser Erreger befällt die Augen, das Gesicht, Hände und Füße, schließlich die ganze Haut und das Nervensystem. Die betroffenen Stellen werden taub und gefühllos. Verletzungen und Verbrennungen bleiben unbemerkt. Mit einer Kombination verschiedener Medikamente ist Lepra in sechs bis zwölf Monaten vollständig heilbar. Bereits vorhandene Verstümmelungen oder Behinderungen bleiben jedoch und können allenfalls durch wiederherstellende Operationen korrigiert werden. Die Kamillianer betreiben in Ouagadougou ein Krankenhaus, in dem auch Operationen an Lepra-Kranken durchgeführt werden.

An Lepra erkrankte Kinder

Ursprünglich bestand Paspanga nur aus zwölf kleinen Lehmhütten, in denen die Lepra-Kranken Ouagadougous Zuflucht fanden. Kamillianer standen ihnen in ihrer Not bei. Dann wurde ein erster Brunnen gegraben. Es gab sauberes Wasser. Stromkabel wurden verlegt, eine fixe Gesundheitsstation eingerichtet. Behandlungsräume entstanden und eine Apotheke. Heute ist Paspanga ein modernes und anerkanntes Leprazentrum, wo arme und kranke Menschen professionelle Hilfe finden. Weltweit haben rund vier Millionen Menschen Behinderungen durch Lepra. Lepra ist eine Krankheit der Armut, die heute wieder wegen der Lebensmittelkrise rapide wächst. Trotz aller guten Behandlungsmöglichkeiten werden nach wie vor jedes Jahr fast 250.000 Neuerkrankungen gemeldet, wobei mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen ist. Gefährdet sind vor allem Kinder: Jeder zehnte neue Lepra-Patient ist ein Kind. Lepra sei heilbar, "wenn man die Infizierten auch in den entlegensten Dörfern rechtzeitig entdeckt und sie regelmäßig mit Medikamenten versorgen kann", appelliert Bruder Vincent. Die besondere Sorge von Bruder Vincent gilt den Kindern der Lepra-Kranken. Sie sind besonders gefährdet, zumal die Inkubationszeit bei der Lepra bis zu 30 Jahre betragen kann. Aber auch wenn sie nicht krank sind, leidet die ganze Familie unter dem Stigma des Aussatzes und wird gemieden. Bruder Vincent sorgt dafür, dass die Kinder trotzdem die Schule besuchen und sie auch durchhalten, und versorgt sie mit dem notwendigen Unterrichtsmaterial und dem Schulgeld. Er weiß: Einzig und allein Bildung vermag aus Armut und Abhängigkeit herauszuführen und eröffnet die Chance, einmal selbstständig das Leben in die Hand zu nehmen.

Salat, Kohl, Tomaten, Zwiebeln und Karotten

Doch auch die bereits von Lepra gezeichneten Menschen sollen ein möglichst eigenständiges Leben führen, so der Kamillianerpater: "Wer kann, soll arbeiten." Vor kurzem hat Bruder Vincent ein acht Hektar großes Stück Land erworben: sein neuestes Projekt für die Leprakranken. Zwei Brunnen und ein Wasserturm sind bereits fertig. Angebaut werden neben den Obstbäumen und Bananenplantagen vor allem Gemüse: Salat, Kohl, Tomaten, Zwiebeln und Karotten sind nicht nur gesund, sondern auf den Märkten der Hauptstadt gefragt und bringen Geld. Freilich braucht es noch finanzielle Mittel, um landwirtschaftliche Geräte und Transportfahrzeuge sowie Saatgut und Düngemitteln kaufen zu können. Bald soll die Gemüseproduktion eine wichtige Finanzquelle für das ganze Lepradorf sein, hofft der Kamillianer. Und er will damit den Kranken ein wenig von ihrer Menschenwürde zurückgeben. Unzähligen Menschen haben Vincent und seine Mitbrüder zu einem Leben in Würde verholfen, nicht nur in Burkina Faso, auch in Indien, Thailand, China, Vietnam, Madagaskar und Brasilien. 

Der katholische Krankenpflegeorden der Kamillianer wurde 1591 vom Italiener Kamillus von Lellis gegründet. Heute unterhält der Orden weltweit Krankenhäuser und Gesundheitsstationen, Lepradörfer und Aidszentren, aber auch Ausbildungsinstitute und Universitäten für Ärzte und Mitarbeiter im Gesundheitsdienst. In Österreich gibt es den Orden seit 1906. Am Anfang stand die Krankenseelseelsorge im 1904 gegründeten Altersheim Lainz in Wien. Bald kam die Seelsorge in fast allen Wiener Krankenanstalten hinzu. Zentren des Ordens heute in Österreich sind Wien und Salzburg, wo Kamillianer im Bereich der Krankenseelsorge arbeiten.

www.kamillianer.at 

[Quelle: Kathpress / Georg Pulling]

 

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