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Ordenstag: Michael Rosenberger für "krisenbereite Orden"

Krisenzeiten sind für die katholische Kirche und im Speziellen die Ordensgemeinschaften eine Herausforderung, die als Chance genutzt werden soll: Das hat der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger am Dienstag am "Ordenstag" im Rahmen der Herbsttagungen dargelegt. 

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Der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberg hält den ersten Vortrag auf dem Ordenstag. Thema "In den Krisen der Gegenwart mit Leidenschaft leben". (c) Ordensgemeinschaften

Ein biblisch orientierter "krisenbereiter" Umgang mit Herausforderungen bedeute für Einzelpersonen oder Gemeinschaften, sich vom Leid anderer Menschen bewegen zu lassen und an einer gerechten Gesellschaft zu arbeiten, und zwar mit "engagierter Gelassenheit".

Besonders hob Rosenberger die "Rufbereitschaft" hervor, die Kennzeichen jedes getauften Christen, im Speziellen jedoch der Ordensleute sein müsse. Dabei gehe es darum, "zu rechnen, dass mich der Ruf Gottes jederzeit treffen kann und ich dann bereit sein sollte, auch alles stehen und liegen zu lassen", erklärte der Theologe. Hellhörigkeit, Voraussicht und auch das Einüben von Reaktionsmustern seien freilich nötig, um im richtigen Augenblick handeln zu können. Gegen Überforderung und Burnout schütze das Bewusstsein, "dass nicht jeder für alles zuständig sein muss, sondern für ein, zwei Einsatzbereiche" - gemäß der eigenen Begabung, ergänzt durch das Wirken der anderen.

Antwort auf Krisen

Orden hätten schon immer "Antwort auf Krisen" gegeben: "Die Gründungen erfolgten stets aus Krisensituationen heraus im klaren Wissen um die eigene Zuständigkeit", verwies Rosenberger auf Gründergestalten wie Benedikt von Nursia, Franz von Assisi oder Ignatius von Loyola. Der dankbare Blick zurück sei für die Orden wichtig, dürfe jedoch nicht dazu führen, "in der Vergangenheit zu leben", unterstrich der Theologe: Nur zu imitieren und an Bräuchen und Gewohnheiten festzuhalten, könne problematisch sein.

Richtig verstandene Tradition sei vielmehr lebendig und erfordere, "sich an die Aufgaben seiner Zeit zu wagen mit dem gleichen Mut, wie die Vorfahren ihn gegenüber ihrer Zeit hatten. Alles andere ist Imitation und Mumifikation", zitierte er aus "Stiller" von Max Frisch.

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Rosenberger: In der Rufbereitschaft sind die Ordensgemeinschaften vorbildlich. (c) Ordensgemeinschaften

Flüchtlingskrise nicht ohne Ordensgemeinschaften

Vorbildliche Rufbereitschaft in jüngsten Krisen hätten die Orden 2015 gezeigt, lobte Rosenberger. "Man kann sich nicht vorstellen, wie die Flüchtlingskrise ohne den Beitrag der Kirche bewältigt hätte werden können." Bei der Klimakrise gäbe es hingegen noch "Nachholbedarf", da es hier noch keine breite innerkirchliche Bewegung dazu gebe, und in der Corona-Krise habe es höchst unterschiedliche Reaktionsmuster gegeben. "Manche Priester und auch Ordensgemeinschaften sind ganz untergetaucht, andere hingegen zur Höchstform angelaufen, indem sie mit unglaublicher Kreativität innerhalb der engen Grenzen Angebote für Trost, Orientierung und Hilfe schufen."

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Act Now - der Slogan der Friday for Future ist evangeliumsnah. (c) Ordensgemeinschaften

Auf tätiges Wirken komme es dabei mehr an als auf das gesprochene Wort, und ein sofortiges Wirken nach dem aus der "Fridays for Future"-Begegnung kommenden Slogan "Act Now!" sei "sehr evangeliumsnah", befand der Linzer Universitätsprofessor. Die Dankbarkeit für die Vergangenheit wie auch die Hoffnung auf die Zukunft hätten ihren Sinn vor allem darin, "Kraft und Orientierung zu bekommen für die Gegenwart, die es jetzt und heute zu gestalten gilt". Die Menschheitskrisen der jeweiligen Zeit seien dabei als "Anrufe Gottes an uns" zu verstehen, weniger jedoch die Kirchenkrise: Wenn die Kirche zu sehr im eigenen Saft schwimme und nur an eigenen Reformthemen feile, "verpassen wir das Entscheidende", unterstrich Rosenberger.

"Mutige Zeichen der Präsenz"

 

Prof. Rosenberger eröffnete mit seinem Impulsreferat den inhaltlichen Teil des Ordenstages, der unter dem Generalthema der unter dem Generalthema "Leidenschaftlich gegenwärtig" stand. Sr. Christine Rod, Generalsekretärin der Ordenskonferenz, führte zuvor in die Thematik des Ordenstages ein: "Gott will durch uns wirksam und gegenwärtig sein", fasste Sr. Rod die Grundbotschaft zusammen: "Ein wunderbarer Zuspruch, ein großartiges Lebensprogramm für Ordensleute, auch im 21. Jahrhundert." Rod erinnerte in diesem Zusammenhang auch an Papst Franziskus, der die Orden schon zum Auftakt des weltweiten Ordensjahres 2015 ermutigt hatte, "dankbar auf die Vergangenheit zu schauen, die Gegenwart leidenschaftlich zu leben und die Zukunft voll Hoffnung zu ergreifen".

"Mutige Zeichen der Präsenz" mahnte auch Sr. Franziska Bruckner, die stellvertretende Vorsitzende der Ordenskonferenz, ein. Die Orden seien noch nie so gefragt gewesen wie heute, zeigte sie sich überzeugt. Die suchende und fragende Welt wartet auf Antworten der Kirche bzw. der Orden, so Sr. Bruckner.

Auch Erzabt Korbinian Birnbacher, Vorsitzender der Ordenskonferenz, ermutigte in seinen Begrüßungsworten die Ordensleute, sich mutig und im Vertrauen auf den Geist und die Kraft Gottes sich diesen Anfragen zu stellen.

Maria Christine Hochleitner, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Säkularinstitute, sprach von einem notwendigen ganzheitlichen Wirken der Orden. "Wir müssen der Hand und dem Herzen geben", appellierte Hochleitner an die Ordensleute und Mitglieder der Säkularinstitute.

Download Präsentation "In der Krisen der Gegenwart mit Leidenschaft leben"

In Kooperation mit der Kathpress.

[elisabeth mayr]

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