Menschlich an Körper und Seele behandelt werden

Michael Heinisch, Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler äußert sich in einem Videointerview zur Rolle und Stellung der Ordensspitäler in Österreich: Warum gibt es sie schon so lange, wo liegt ihr Fokus und was unterscheidet sie von anderen Spitälern? Wie geht man mit einer Zukunft um, in der immer weniger Ordensleute sichtbar in Spitälern präsent sind und welche Programmpunkte behandelt die Arbeitsgemeinschaft als nächstes?

Michael Heinisch, Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler zu den Aufgaben und Plänen der Gruppe (c) magdalena schauer

 

Für Heinisch ist die Arbeitsgemeinschaft ein wesentliches Gremium, da hier sämtliche Ordensspitäler zusammenarbeiten um gemeinsam etwas zu erreichen, das Einzelne nicht erreichen können: „Wir versuchen uns in der Öffentlichkeit zu präsentieren, zu zeigen was wir können, was wir PatientInnen und auch MitarbeiterInnen bieten, die Frage nach dem „Warum es uns gibt“ zu beantworten und auch unsere lange Geschichte zu beleuchten. All das wollen wir den Menschen aber auch den PolitikerInnen, deren Unterstützung wir jeden Tag brauchen, näher bringen.“

 

Ordensspitäler gibt es seit dem Mittelalter

Heinisch sieht in der langen Geschichte der Ordensspitäler ihre Daseinsberechtigung: “Ordensspitäler gibt es schon sehr, sehr lange. Die ersten Ordensspitäler gehen auf das Mittelalter zurück und da es sie noch heute gibt, muss immer schon ein Aspekt bestanden haben, der die Menschen angezogen hat, etwas das einfach unverzichtbar war für die Menschen.“

Den ganzen Menschen sehen

Ordensspitäler garantieren qualitätsvollste Medizin und Pflege, sie haben modernste medizintechnische Ausrüstung auf höchstem Standard. Was in den Ordensspitälern jedoch zusätzlich so wichtig ist, ist das Thema der liebevollen Zuwendung: „Wenn ein Mensch krank ist, dann ist er nicht nur am Körper krank, sondern er ist auch in der Seele gekränkt, das macht ja etwas mit der Gesamtverfassung eines Menschen. Deswegen sind Ordensspitäler seit jeher bemüht, den ganzen Menschen zu sehen, also die Einheit von Körper und Seele. Man hat immer im Blick, etwas für den Körper, aber auch für die Seele zu tun.“, gibt der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Einblick in den Zugang von Ordensspitälern.

 

Seelsorge als wesentlicher Faktor

Grundsätzlich sei besonders die Seelsorge ein wesentlicher Faktor in einem Ordensspital. Zentral dabei das Thema Ethikberatung, in der auch MitarbeiterInnen geholfen werden soll, ethisch fundierte Entscheidungen zu treffen. Denn gerade in einem Krankenhaus habe man auch immer wieder mit Grenzsituationen zu tun, in denen Ethik besonders relevant ist.

Das Charisma lebendig halten

Eine wichtige Herausforderung sieht Heinisch auch im Lebendig-halten des Ordensauftrags, in den Charismen, die die jeweiligen Gründerinnen und Gründer mitgegeben haben: „Wir befinden uns in der Situation, dass immer weniger Mitglieder der Orden tatsächlich in den Krankenhäusern tätig sind. Deshalb haben wir begonnen, den Gründungsauftrag, diesen menschlichen Auftrag auf unsere weltlichen Mitarbeitenden und Führungskräfte zu übertragen- Jetzt sind sie verantwortlich dafür, dass der Mensch, wenn er zu uns in ein Ordensspital kommt, spürt, dass er „ganz“ behandelt wird, also medizinisch korrekt am Körper, aber auch menschlich an der Seele. Dass das einfach in Summe passen muss. Das leisten unsere weltlichen MitarbeiterInnen mit enormen Engagement und außergewöhnlicher Leidenschaft und Freude.
Und es ist doch auch etwas besonders Schönes, wenn ich in ein Krankenhaus gehe und nicht nur meine Professionalität im Sinne meiner Ausbildung umsetze, sondern auch menschliche Themen aktiv ansprechen kann und Verantwortung übernehmen soll. Das ist doch etwas wundervolles, das macht wirklich Sinn.“

 

Ziele der Arbeitsgemeinschaft

Auf die Frage, welche Ziele mit der Arbeitsgemeinschaft verfolgt werden antwortet Heinisch: „Wir möchten der Bevölkerung und der Politik erklären, warum es Trägervielfalt im österreichischen Gesundheitswesen geben soll: Es gibt 3 Trägergruppen: 1. die kommunalen Träger, also die klassischen Träger der Landesspitäler, 2. die Ordensspitäler und 3. die privaten gewinnorienteierten Krankenhäuser.

Ordensspitäler entsprechen eher Landesspitälern, weil wir auch einen öffentlichen Auftrag haben, das bedeutet wir werden öffentlich finanziert. Eigentümer sind aber dennoch der Orden oder andere Körperschaften, die die Orden gegründet haben. Und wir wollen die Vorzüge dieses Modells darstellen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es für die Menschen besonders wertvoll ist, wenn es mehrere Träger gibt, zwischen denen sie wählen können. Zusätzlich haben auch Politiker etwas davon, wenn sich die Last der Gesundheitspolitik, des Gesundheitswesens auf mehreren Schultern verteilt.

Jahresbilanz vorstellen

Künftig wollen wir auch eine Jahresbilanzpressekonferenz halten. Wir haben soviel zu bieten als Ordensspitäler und die Bevölkerung erfährt hier viel zu wenig, beispielsweise Schwerpunkte erläutern, die Spitzenmedizin bedeuten. All das wollen wir Journalisten gegenüber en bloc darstellen und so natürlich auch die Menschen erreichen.“

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mschauer]