24 Stunden medien#wach beim Medientag 2019 der Ordensgemeinschaften

„Kollektive wurden zu Konnektiven“, betonte der FALTER Chefredakteur Florian Klenk vor den PR-Verantwortlichen der Ordensgemeinschaften beim Medientag am 24. – 25. April 2019. „Es gibt eine gewisse Verweigerungskultur der kirchlichen Personen den Medien gegenüber“, konstatierte Walter Schwaiger von Media Affairs. Beim Besuch im ORF-Zentrum am Küniglberg in der Abteilung Religion hörten die Medienverantwortlichen: „Für Medien sind Orden eine spannende Landschaft.“ #wach

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Vor dem ORF-Zentrum am Küniglberg 
Foto in Druckqualität (Foto: Magdalena Schauer)

„Durch die Entwicklung im digitalen  Bereich erleben wir gerade so etwas wie eine Revolution. Das haben viele Menschen gar nicht mitvollzogen und deshalb stecken wir auch in einem unglaublichen Lernprozess zu mehr Medienkompetenz.“ Florian Klenk, Chefredakteur der Stadtzeitung FALTER, zeigte auf eindrückliche Weise die „radikale Veränderung“ zum „digital citizen“. Wir sind eine "redaktionelle Gesellschaft" (Pörksen) geworden, wo jede und jeder sich als „ThemenproduzentIn“ darstellen kann. „Waren es früher die Kollektive, so sprechen wir heute von Konnektiven entlang von Hashtags und in Blasen“, so der Investigativ-Journalist. Klenk sieht eine „Bemächtigung der sozialen Medien durch Populisten, die sehr professionell, mit viel Geld und eigenen seriös erscheinenden Nachrichtenseiten die Kanäle fluten“. Es geht heute weniger um Fakten oder Sach-Nachrichten, „sondern um Emotionen, Positionierung und Meinung haben“. Die Menschen können nicht mehr unterscheiden, ob etwas Propaganda ist oder den Fakten entspricht. Klenk: „Wir erleben die Rückkehr der Parteipropaganda.“

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Ferdinand Kaineder (li) und Florian Klenk 
Foto in Druckqualität (Foto: Magdalena Schauer)

Medienkompetenz aufbauen

Was sucht der Mensch immer? „Vertrauen ist die Basis, dass Botschaften ankommen. Das ist auch die Chance und Zukunft der Qualitätsmedien im Trommelwirbel der Propaganda, weil Menschen gesicherte Orientierung suchen. Auch das Bedürfnis nach Wissen und Fakten steigt.“ Klenk sieht das an den steigende Abo-Zahlen seines Magazins. In Richtung Medienkompetenz sieht Klenk die Zukunft in der redaktionellen Gesellschaft, wo sich jede und jeder zu jeder Zeit die normalen journalistischen Fragen stellt: „Stimmt das überhaupt? Gibt es mehrere Quellen, die glaubhaft sind? Ist das, was ich poste oder teile, relevant für Andere und für die Gesellschaft? Was löse ich mit dieser Botschaft aus, wenn ich sie in die Welt setze?“ Damit wäre den Fake-News der Boden entzogen, die vor allem mit "einem entstellenden Framing" arbeiten. Immer noch gibt es zu viele Menschen, die meinen, dass der Wahrheitsbeweis schon dadurch angetreten ist, „weil es im Internet steht“. Klenk sieht derzeit ein großes Lernen auf allen Ebenen, um gut mit der Digitalisierung umzugehen. Und: „Es gibt auch schöne Beispiele, wie Positives sich unglaublich verbreiten kann, wenn es beispielsweise mit Zivilcourage verbunden ist.“

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Walter Schwaiger (re)

Schweigen ist medial eine Todsünde

Walter Schwaiger von Media Affairs präsentierte Untersuchungen zur Medienpräsenz der Kirche und Orden in einem Dreimonatsintervall in Massenmedien mit einer Auflage von über 100.000 am Ende des Jahres 2018. „Zehn Prozent tragen die Orden und Klöster zur medialen Präsenz der Kirche in Massenmedien bei.“ Orden kommen vor allem durch Portraits („Ein neuer Abt“), durch Veranstaltungen, durch Um- oder Neubauten und durch „Katechese“ über Kolumnen und Kommentare vor. Die Untersuchung zeigt aber auch ganz deutlich: „Frauenorden kommen praktisch nicht vor.“ Schwaiger rät, „den Medien mehr Gesichter und Köpfe anzubieten und damit Wege in die verschiedenen Formate zu suchen“. Mit Blick auf die Massenmedien stellt der Medien-Analyst in Richtung Kirche und Orden einige Thesen und Anregungen in den Raum. „Die Massenmedien sind für kirchliche Themen ein eher schlechter Resonanzraum." Oder: "Schweigen ist eine mediale Todsünde und die kirchliche Sprache eignet sich sehr wenig für den medialen Diskurs.“ Schwaiger sieht auch eine „Verweigerungshaltung“ gegenüber den Medien, „obwohl es doch im Evangeliums heißt: Geht hinaus in alle Welt“. Er warnt auch davor, „dass gut gemeint oft das genau Gegenteil von gut ist“. Spannend und ermutigend fanden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Aussage von Schwaiger: „Je näher die Botschaften und Aussagen an Jesus sind, umso geringer ist die Gefahr, dass etwas Negatives damit passiert.“ Heimat, Lebenskultur und Personen sind „medial gehende Themen“.

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Gäste im 6. Stock des ORF-Zentrums 
Foto in Druckqualität (Foto: Magdalena Schauer)

Ruhige Filme in die Tiefe

Beim Besuch im ORF-Zentrum am Küniglberg in der Abteilung Religion kam es zu einem lebendigen und aneinander interessierten Austausch. Die Leiterin der Abteilung Religion Barbara Krenn gleich bei der Begrüßung: „Für uns Medien sind Orden eine spannende Landschaft und deshalb bringen wir immer wieder Ordensgeschichten.“ Es gibt ein großes Interesse an Spiritualität und „ruhigen Filmen in die Tiefe“. Am Gespräch nahmen die Verantwortlichen der Sendeformate Orientierung, Kreuz und Quer und Gottesdienstübertragungen teil. Im Bereich der Fernsehgottesdienstes kommt es „auf gute Musik, gute Predigt und eine lebendige Gottesdienstgemeinde an“. Die Orientierung arbeitet sowohl „anlassbezogen“ als auch mit „längerfristig geplanten Beiträgen, die sich an Jubiläen oder besonderen Menschen“ orientieren. Gerade die internationalen Beiträge sind oft mit Ordensleuten verbunden. Mit dem Format Kreuz und Quer hat die Religionsabteilung des ORF eine Möglichkeit, „den aufkeimenden neuen Themen der heutigen Menschen nachzuspüren“. Im Gespräch wurde gemeinsam im Austausch der Frage nachgegangen: Was sucht der Mensch heute wirklich und was findet er dabei bei den Orden?

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Austausch und Stärkung

Der Medientag „medien#wach“ - von 16 Uhr bis 16 Uhr des nächsten Tages - ist auch eine Austausch- und Ermutigungsplattform. „Der Medientag will Medienschaffende in den Ordensgemeinschaften und Werken verbinden, ja verbünden, um das weite und vielfältige Netz der Ordenskirche medial und kooperativ zum Ausdruck zu bringen“, sieht der Leiter des Bereiches Medien und Kommunikation bei den Ordensgemeinschaften Österreich die Zielsetzung. „Deshalb standen die Ordenszeitschriften mit einer Auflage von etwa 380.000 Stück in Österreich genauso im Fokus wie der konkrete Umgang mit Instagram. Die Frage nach dem  richtigen Medium – Wo sollen wir präsent sein? – stand für die TeilnehmerInnen immer im Raum.“ Eine besondere Gelegenheit für Begegnungen mit anderen Medienschaffenden bot der Medienempfang der Ordensgemeinschaften am Abend des ersten Tages.

Medienempfang der Ordensgemeinschaften Österreich

Medienbüro der Ordensgemeinschaften

[fkaineder]