Wien: Die Zahl der Ordenskindergärten steigt

Rund 6.200 Kinder und Jugendliche werden in den Kindergärten und Horten der "Vereinigung Katholischer Kindertagesheime" (KKTH) in Wien betreut. "Und jedes Jahr kommen zumindest einige neue Gruppen hinzu", betont KKTH-Vorsitzende Sr. Karin Kuttner im "Kathpress"-Interview. In der KKTH sind die Kindergärten und Horte der katholischen Orden, kirchlichen Institute und ordensnahen juristischen Personen in Wien zusammengeschlossen. Die KKTH hat derzeit 21 Mitglieder (Ordensgemeinschaften/Ordensschulvereine) mit 30 Kindergarten- und 24 Hortstandorten. In diesen gibt es insgesamt wiederum rund 300 Kindergarten- bzw. Hortgruppen. Die KKTH feiert 2019 ihr zehnjähriges Bestehen.

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KKTH-Vorsitzende Sr. Karin Kuttner und Vorstandsmitglied Martin Pfeiffer. Foto: Ferdinand Kaineder

Durch den Zusammenschluss der einzelnen Ordenskindergärten und -horte in einen gemeinsamen Verein konnte vor allem in der Qualitätsarbeit sehr viel erreichen werden, so Kuttner. Die KKTH sei einer der großen privaten "Player" im Kindergarten- und Hortwesen in Wien. Das bringe auch finanzielle Vorteile mit sich, die letztlich den betreuten Kindern zugute kämen, so Vorstandsmitglied Martin Pfeiffer gegenüber "Kathpress", denn je größer die Trägergesellschaft, desto größer sei auch der Verwaltungsbeitrag, den die Stadt Wien zuschießt.
Kuttner wie Pfeiffer betonten zugleich, dass die nun unter einem Dach befindlichen Einrichtungen der Orden zugleich ihre eigenen ordensspezifischen Profile bzw. Charismen weitertragen würden. Es gehe nicht um Gleichschaltung, sondern um einen gemeinsamen Rahmen, etwa anhand gemeinsamer pädagogischer Leitlinien. Kuttner: "Wir haben in der KKTH die Buntheit vieler Ordenscharismen unter einem Dach. Darauf sind wir stolz."

Mit Vielfalt leben lernen

Wesentlich für die KKTH sei auch ein guter Umgang mit der gesellschaftlichen und religiösen Pluralität. Analog zu den Ordensschulen wüssten die Eltern bei den Ordenskindergärten genau, wofür diese Einrichtungen stehen, betonte Kuttner: Christliche Werte prägten das pädagogische Wirken. Die Ordenskindergärten würden freilich von katholischen, evangelischen, orthodoxen, muslimischen oder auch Kindern ohne religiöses Bekenntnis dabei gemeinsam betreut. Das Religions-Verhältnis sei dabei jeweils vom Standort abhängig.
"Wir haben einen immens wichtigen Bildungsauftrag, indem wir den Kindern vermitteln, dass es zwar viele verschiedene Religionen bzw. religiöse Weltanschauungen gibt, wir uns dabei aber gegenseitig verstehen und respektieren können und müssen", so Sr. Kuttner. Nachsatz: "Und zwar auf Augenhöhe". Die christlichen Feste im Laufe des Jahres würden intensiv und kindgerecht gefeiert und dabei werde zugleich versucht, Brücken zu anderen Religionen zu schlagen.
Selbiges gelte auch beispielsweise für unterschiedliche Speisevorschriften. "Wir Christen essen Schweinefleisch, Muslime nicht. Beides ist aber ok. Das wollen wir den Kindern vermitteln", so Kuttner: "Wir wollen Brücken bauen und gegenseitiges Verständnis schaffen ohne die Unterschiede zu verwischen. Das hilft den Kindern bei der Bildung der jeweils eigenen Identität."

Ordenscharismen weitergeben

Auch wenn gemeinhin von "Ordenskindergärten" gesprochen wird: Nicht einmal mehr eine Handvoll Ordensleute ist noch vor Ort in den Kindergruppen aktiv. Längst sei diese Arbeit auf andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übergegangen, so Pfeiffer. Umso notwendiger seien Bemühungen, die Spiritualität und Charismen der jeweiligen Ordensgemeinschaft, die hinter einem Kindergarten oder Hort steht, an die Mitarbeiter weiterzugeben. "Damit die Einrichtung auch in Zukunft im Sinne des Ordens geführt werden kann", so Pfeiffer. Dazu gebe es zahlreiche Angebote für die Mitarbeiter.
Und für die verbliebenen Ordensleute bedeute dies auch, ein wenig loszulassen. Denn Ordenscharismen seien nichts Statisches, sondern würden sich auch beständig weiterentwickeln, so Kuttner, und jetzt ebenen unter starker Beteiligung von Personen, die nicht im eigentlichen Sinn dem Orden angehören.

[hwinkler]