Propst Bernhard Backovsky tritt krankheitsbedingt in den Ruhestand

25 Jahre lang stand Prälat Bernhard Backovsky als Propst an der Spitze des Augustiner-Chorherren Stiftes Klosterneuburg. Nun zieht er sich angesichts einer anhaltenden und schweren Krankheit aus seinem Amt zurück. Eine Würdigung.

Stift Klosterneuburger Propst Bernhard Backovsky zurückgetreten

 Prälat Bernhard Backovsky Can.Reg., Propst des Stiftes Klosterneuburg. (c) Klosterneuburg

Wegbegleiter würdigen ihn als „Mensch der Herzensgüte“ und als „Impulsgeber“. Unter seiner Führung hatte das Stift dank umfassender Reformen einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, der es dem Stift heute gestattet, seine Wirtschaftsweise auch im Sinne der Schöpfungsverantwortung an den Grundsätzen der Nachhaltigkeit auszurichten, seine Kulturgüter umfassend der Öffentlichkeit zugänglich zu machen sowie – auf der Grundlage eines vom Propst verfassten Sozialstatus – jährlich zehn Prozent seiner Erträge sozialen Zwecken zu widmen. Zuletzt hatte der Propst auch die schmerzliche Aufgabe übernommen, Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen ehemalige und verstorbene Mitglieder aufarbeiten zu lassen. Schlussfolgerungen aus dieser Aufarbeitung sind heute der Ausgangspunkt umfassender Präventionsarbeit in den Einrichtungen des Stiftes.

Krankheitsbedingt befindet sich Bernhard Backovsky bereits seit Jänner dieses Jahres im Spital. Aufgrund dieser Situation und angesichts seines Alters war er in den vergangenen Wochen nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss gelangt, die Leitung des Stiftes in neue Hände zu übergeben. Den Konstitutionen der Augustiner Chorherrn entsprechend, hat er daher vergangene Woche den Generalabt der Österreichischen Augustiner-Chorherren Kongregation, Johann Holzinger, um Annahme seines Rücktritts gebeten. Gestern, am Donnerstag den 12. Mai, kam Johann Holzinger nach Klosterneuburg und akzeptierte den Rücktrittswunsch Backovskys. Bis zur Wahl seines Nachfolgers bleibt Backovsky formal im Amt.

Der 1943 als Sohn einer Klosterneuburger Familie geborene Hermann Backovsky trat 1961 in die Ordensgemeinschaft des Stiftes Klosterneuburg ein und erhielt den Ordensnamen Bernhard. 1965 legte er die Feierliche Profess ab und wurde am 27. März 1967 zum Priester geweiht. Nach seiner Tätigkeit als Kaplan in Korneuburg und Floridsdorf war er jahrelang Novizenmeister und Klerikerdirektor bevor er am 14. Dezember 1995 zum 66. Propst des Stiftes gewählt wurde. Von 2002 bis 2017 stand er als Generalabt der Österreichischen Augustiner-Chorherren Kongregation vor und von 2011 bis 2016 als Abtprimas der weltweiten Augustiner Chorherren-Föderation. 2010 wurde Bernhard Backovsky von Bundespräsident Heinz Fischer mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienst um die Republik Österreich ausgezeichnet.

Zu seinen Anliegen zählen die Öffnung des Stiftes, die gerade in Klosterneuburg traditionelle Spiritualität und das Leben in der Gemeinschaft, sowie eine ordentliche und erfolgreiche Pfarrseelsorge. Propst Bernhard entwickelte sein Amtsverständnis im Einklang mit dem progressiven Anliegen des Reformers und Augustiner Chorherren Pius Parsch.

Wirtschaftliche Reformen: in Verantwortung Wirtschaften

Dem Anspruch folgend, in moralischer Verantwortung für sich, die Gemeinschaft und die nachfolgenden Generationen – auch im Sinne der Schöpfungsverantwortung zu wirtschaften, gab Bernhard Backovsky auch den entscheidenden Impuls für umfassende Reformen der Wirtschaftsbetriebe des Stiftes nach den Grundsätzen moderner und nachhaltiger Wirtschaftsweise. So wurden wesentliche Teile der landwirtschaftlichen Betriebe des Stiftes auf biologischen Landbau umgestellt. Manifestes Zeugnis dieser Haltung ist überdies der Bau einer Biomasse-Nahwärme, die sowohl das Stift selbst wie auch Teile Klosterneuburgs mit Wärme versorgt. Gleichzeitig legte Bernhard Backovsky größten Wert darauf, dass in den Betrieben des Stiftes die Mitmenschlichkeit Vorrang hat und die Mitarbeiter diese Haltung auch nach außen vertreten. Der wirtschaftliche Erfolg dieser Reformen ermöglichten es dem Stift schließlich auch, einen Großteil der Kosten der notwendigen Generalrenovierung aus eigenen Mitteln zu bestreiten.

Öffnung der Kultureinrichtungen: ein offenes Haus

Durch die Umgestaltung des bis dahin der breiten Öffentlichkeit nicht zugänglichen Bereiches der Sala Terrena erhielt das Stift neue Attraktivität und neue Ausstellungsflächen: Es war Propst Bernhard ein besonderes Anliegen, dass die dem Stift anvertrauten Kulturschätze den Besuchern zeitgemäß zugänglich gemacht und erklärt werden.

Soziale Verantwortung als Selbstverständnis: Zehn Prozent des Ertrages

Ein wesentlicher Meilenstein im Wirken von Propst Backovsky war die Beschlussfassung über ein verbindliches Sozialstatut des Stiftes im Jahr 2000 mit dem sich das Stift dazu verpflichtet, jährlich zehn Prozent der Erträge seiner Betriebe für soziale und karitatives Projekte bereitzustellen. Das größte derartige Projekt ist die Aktion „Ein Zuhause für Straßenkinder“, das seit zwanzig Jahren von der Organisation Concordia getragen wird.

Zum 50-jährigen Priesterjubiläum als „Mensch der Herzensgüte“ gewürdigt

Zu seinem 50-jährigen Priesterjubiläum, das er 2017 feiern durfte, kamen über 600 Gratulanten, darunter zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Sowohl Propst Maximilian Fürnsinn, als auch Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager sowie die damals stellvertretende Landeshauptmann Johanna Mikl-Leitner würdigten ihn als Menschen der Herzensgüte.


Für Rückfragen:

Walter Hanzmann
Stift Klosterneuburg – Pressesprecher
T: +43 2243 411-182, M: +43 676 / 447 90 67
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