Vier motivierende Erfahrungsfelder

S 14 Ursulinen 120 neuStage, movement, social, music – das sind die vier besonders motivierenden Erfahrungsfelder aller Menschen, die ihrem Leben einen Ausdruck geben wollen. In den Ordensschulen machen Schülerinnen und Schüler Erfahrungen in diesen Bereichen, können so ihre Talente entfalten und ihre Persönlichkeit stärken. Das aktuelle Heft der ON Ordensnachrichten zum Thema #ErfahrungBildet greift das Beispiel der Ursulinen in Graz auf. 

Gerade Freiwilligenengagement passiert in diesen vier Feldern mit hoher „intrinsischer Motivation“. Auf der Bühne stehen hat mit Rollenfindung zu tun, aktiv Musik machen rührt Emotionen, soziales Engagement nährt Empathie und vergrößert den Wahrnehmungsrahmen und Bewegung, Sport ist ein Geschehen zwischen Anspannen und Loslassen, zwischen Individuum und Team. Das wussten die Erbauer der alten Ordensschulen: Sie inkludierten Sportplatz, Bühne (oft mit Festsaal), Chor und Orchester und konkrete Hilfsprojekte. Bei den Ursulinen in Graz gibt es diese besonderen Bereiche, in denen sich Schülerinnen und Schüler entfalten und begeistern können, seit 1686. Das verbindet sie mit allen Ordensschulen.

Bewegung

„Wir haben begeisterte Läufer und Läuferinnen unter den Lehrkräften. Diese Begeisterung springt über. Deshalb nehmen Schülerinnen und Schüler an verschiedensten Bewerben teil, sie laufen, um zu gewinnen oder für soziale Zwecke. Der 2015 neu errichtete Turnsaal ist immer voll ausgelastet.“ Die frühere Direktorin, Sportlehrerin und jetzige Vorsitzende des Schulvereins Sr. Andrea Eberhart lässt die Augen über den Sportplatz schweifen, mischt sich gleich ins Ballspiel ein, indem sie einen „verschossenen“ Ball gekonnt zurückspielt, und betont: „Hier ist immer Bewegung.“ Den Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Altersstufen ist anzusehen, dass sie sich in diesem „Bewegungsraum“ in der frischen Luft wohl fühlen. Die Bewegung erfüllt immer den ganzen Menschen. „Die tägliche Turnstunde löst vielleicht recht aufwändige Vorstellungen aus, aber tägliche Bewegung ist bei uns normal.“ Der Mensch lebt auf, wenn er sich körperlich in der Bewegung zum Ausdruck bringen kann, sich dann und wann auch messen darf oder im Team das Zusammenspiel lernt. Es ist nicht der Pokal oder die Medaille, sondern die Lust und innere Freude am bewegten Körper, der sich durch Anstrengung auch im eigenen Schweiß baden möchte.

Musik

„Lehrerchor, mehrere Schulchöre, Absolventinnenchor sind nur einige Hinweise, dass hier in den verschiedensten Formationen gesungen, musiziert wird. Rund um die Schulpastoral hat sich bei uns zudem ein Projektchor, bestehend aus Lehrenden aller Schulen, aus Angestellten des Hauses und ehemaligen Schülern (!) entwickelt. So hat die Absolventin und gerade neu angelobte Präsidentin des Grazer Straflandesgerichts Caroline List bei der Angelobung von ‚meinem Chor‘ gesprochen.“ Eberhart sieht in der Musik einen ganz festen Faden, der ein dichtes Netz bis hin zu den Absolventinnen ermöglicht. „Wir spüren, dass viele mit einer tiefen Emotion an unser Haus gebunden sind, auch wenn sie uns längst verlassen haben. Musik war, ist und bleibt daher dieser Ausdruck der besonderen Verbundenheit mit den Ursulinen und der ganzen Schule, den Schulkolleginnen, die sich mittlerweile auch international weit verteilen.“ Eberhart erzählt, wie „bereits Kaiserin Maria Theresia bei einem Besuch der Schule mit Pauken und Trompeten“ empfangen wurde. „Gerade die Musik lässt am ehesten erahnen, dass es bei der Bildung immer um den ganzen Menschen geht, der in Schwingung versetzt wird und Resonanzen ermöglicht.“

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Eine recht unkomplizierte Atmosphäre prägt die Zusammenarbeit von Walter Färber (Direktor NMS), Sr. Andrea Eberhart (Vorsitzende Schulverein), Sr. Anna Kurz (Direktorin Gymnasium) und Sr. Maria Riedl (Direktorin Volksschule). Beim spontanen Foto nicht dabei: Kindergarten und Tagesbetreuung. Fotos: [fk]

Sozial

Botswana, Thailand, Guatemala oder Indien haben bei den Ursulinen ganz konkrete Konnotationen. Die Direktorin des Gymnasiums Sr. Anna Kurz erzählt von Sozialpraktika, der Finanzierung von Schulplätzen, Besuchen bei den Projektpartnern oder dem Verkauf von Produkten aus fernsten Ländern an der Schule. „Es entsteht hier mehr als Hilfe. Es finden Begegnungen mit konkreten Menschen statt, die nicht selten zu Freundschaften werden. Bereits mehrere Schülerinnen haben nach der Matura ein freiwilliges soziales Jahr in Guatemala gemacht. Die Welt wird durch dieses Engagement viel begreifbarer, bekommt Gesichter. Die Schülerinnen und Schüler machen Erfahrungen, die sie internationalisieren und sensibilisieren für die Lebenssituation anderer. Sie lernen, wie die Welt zusammenhängt und dass soziales Engagement unglaublich bereichert. Ich vermute, dass sie hier erahnen können, dass Teilen reich und auch glücklich machen kann.“

Bühne

„Das Mädchen hat sich nie etwas zu sagen getraut. Dann stand sie vorne vor 300 Leuten auf der Bühne und hat ganz alleine ihr Lied gesungen. Sie hat gestrahlt. Auf der Bühne hat sie zu sich selber gefunden.“ Dem Direktor der Neuen Mittelschule Walter Färber wird diese Entwicklung einer Persönlichkeit immer in Erinnerung bleiben. Auch hier sind begeisterte Lehrkräfte die Ermöglicher von großen Bühnenerfahrungen, wenn sich entlang von unverbindlichen Übungen „ganze Musicals entwickeln“ oder Schülerinnen und Schüler ganz begeistert von externen Auftritten heimkommen. Bisher waren Kapelle und Musiksaal Orte für Aufführungen. Aber sie sind viel zu klein. Jetzt schaut Sr. Andrea Eberhart durch das geöffnete Fenster auf die Baustelle im Hof: „Mit diesem Zubau wollen wir einen guten Präsentationsraum schaffen, der genau diesen Ausdrucksmöglichkeiten Raum gibt.“ Die Verantwortlichen der Schulen sehen in diesen vier besonderen Erfahrungsfeldern eine große Chance. „1. Diese vier Felder sind eine notwendige Ergänzung zum intellektuellen Lernen. Das stärkt die Persönlichkeiten. 2. Genau dort können Schwächere leichter mitkommen oder finden gerade in Sport, Theater oder Musik ihre Stärken wie das schüchterne Mädchen. 3. Diese vier Blickwinkel lassen uns die Kinder in ihrer Ganzheit sehen. Hier kommen die Stärken, die Talente in den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten eher zum Vorschein als im Klassenzimmer alleine. 4. Wir sehen, dass sich gerade in diesen vier Feldern oft recht spontan unterschiedliche Menschen zusammentun und musizieren, helfen oder sporteln.“

[fk]

 

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