Cecily Corti: Gerechtigkeit ist ein Beziehungsgeschehen

20170508 PK Gerechtigkeitgeht msc 6 450 120Die Obfrau der Vinzenzgemeinschaft St. Stephan und in der Obdachlosenarbeit engagierte Cecily Corti sieht im Pressegespräch am 8. Mai 2017 im Quo Vadis in Wien zum Themenfokus der Orden #GerechtigkeitGeht die Notwendigkeit von mehr  „Empathie und Mitgefühl“ als Grundvoraussetzung, die Steyler Provinzleiterin Sr. Hemma Jaschke erzählt von der Gründung einer Gemeinschaft unter Flüchtlingen in Griechenland und Br. Fritz Wenigwieser brachte über Video ein, „dass Loslassen nicht fallen lassen sein darf“. P. Franz Helm betonte: „Wir brauchen nicht noch mehr technischen Fortschritt, sondern Kontemplation und „aus Beziehungen leben“ wird eine neue Verantwortung bringen.“ #GerechtigkeitGeht

 „Den Menschen wahrnehmen und ihm damit bedingungslose Wertschätzung geben“, sieht Cecily Corti als Voraussetzung für ein „gerechtes Leben“. Die Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken und ein Bett sind in Österreich zum großen Teil abgesichert. Corti meint, „dass wir alle uns tief in uns selbst verändern müssen, wenn wir eine gerechtere Welt wollen. Die Qualität der Beziehung macht den Unterschied.“ In der Begegnung mit Obdachlosen erlebt sie die Wirklichkeit des Lebens, jenseits von Schein und Maske. „Sensibel werden für das eigene Empfinden über Ungerechtigkeit macht mich wach für das Geschehen in meinem Umfeld. Wenn wir bessere Beziehungen hätten, hätten wir eine gerechtere Welt. “
Was kann die Gesellschaft von Menschen lernen, die am Rande leben (müssen)? „Grundsätzlich glaubt die Gesellschaft wohl nicht von Menschen am Rande etwas lernen zu können. Wenn ich mich allerdings mit ihrer Wirklichkeit konfrontiere, ihnen wirklich begegne, dann erlebe ich viel Solidarität, Humor, Mut und Anteilnahme. Was diese Menschen am meisten brauchen, ist wahrgenommen werden. Das wünschen wir uns alle. Und: Teilen macht glücklich, es bereichert unser Leben.“ Corti ermutigt: „Der Einzelne muss für sich herausfinden, wo er oder sie in je eigener Weise Gerechtigkeit lebt.“

Video zum Pressegespräch im Quo Vadis in Wien zu #GerechtigkeitGeht

Im dreifaltigen Gott ist ein Armer

Im Oktober 2016 haben die Leiterinnen der europäischen Provinzen der Steyler Missionsschwestern bei ihrer Tagung in Indien, unter ihnen die Provinzleiterin Sr. Hamma Jaschke, einen Entschluss gefasst: „Wir wollen ein Zeichen setzen bei den Menschen, die gerade am stärksten im Elend leben.“ Zusammen mit dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst werden am 9. Mai 2017 (also morgen) vier Schwestern  nach Griechenland aufbrechen, um in Athen in einem Flüchtlingshaus mit und in Gemeinschaft zu leben. Jaschke zur Aufgabe der neuen Gemeinschaft: „Wir wollen dort bewusst etwas tun, was noch nicht getan wird. Es wird ein offener Ort, ein Ort des Gebetes und ein Ort des offenen Ohres.“ Jaschke bringt in einem Bild beim Pressegespräch zum Ausdruck, worum es im christlichen Glauben geht: „Es gibt eine Darstellung der Dreifaltigkeit Gottes und in der Mitte dieses Gottes ist ein Armer, ein Hilfsbedürftiger. Kern des Christentums ist es, den Armen zu helfen, ihnen zu begegnen, sich um sie zu kümmern, bei ihnen zu sein wie Gott es tut.“

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Privinzleiterin Sr. Hemma Jaschke, Generalsekretär P. Franz Helm, Vinzigemeinschaft St. Stephan-Obfrau Cecily Corti

Verbundenheit und Mitgefühl weltweit

P. Franz Helm spricht mit Blick auf die heutige Gesellschaft von einer „Erschöpfungsgesellschaft. Ressourcen und Menschen erschöpfen sich gerade irgendwie. Wir brauchen nicht noch mehr technischen Fortschritt, sondern Kontemplation und „aus Beziehungen leben“ wird eine neue Verantwortung hervorbringen, damit Gerechtigkeit geht, damit sie neu wachsen kann.“ Helm verweist auf die Brennpunkte von Ungerechtigkeit und die Folgen in der globalisierten Welt, wenn er die Fluchtsituation, die Klimaveränderung, das Artensterben und die oft himmelschreiende Ausbeutung der Natur, wie in Brasilien, wo er jahrelang als Missionar gewirkt hat, sieht. Mit der Enzyklika Laudato si in der Hand meint der Generalsekretär der Männerorden: „Es braucht mehr Spiritualität der Verbundenheit und des Mitgefühls.“

Nicht fallen lassen

Br. Fritz Wenigwieser vom Shalomkloster Pupping betonte in der Videoeinspielung, dass Geld die Welt regiert. In diesem Zusammenhang sieht er, „dass Loslassen heute mit Fallenlassen verwechselt wird“. Für ihn ist Loslassen ein Aufmachen der Hand, ein Gehalten-Sein in der Hand und ein Freiheit-Geben. Wenigwieser verweist auch auf das Mittelalter, wo am wenigsten gearbeitet wurde und am meisten Feiertage gefeiert wurde. „Damals war es den Leuten verboten, Geld zu horten und so war es immer im Umlauf.“ Die Aussagen und das Beispiel des Kloster Pupping sind in diesem Film zusammengefasst.

20170508 PK Gerechtigkeitgeht msc 8 450Das Plakat zu #GerechtigkeitGeht spricht das "faire Spiel der Welt"an 

Themenfokus #GerechtigkeitGeht im Mai und Juni

Der Themenfokus #GerechtigkeitGeht weist auf einige Veranstaltungen und Projekte hin, die das Thema Ökonomie, Ökologie, Soziales und Spiritualität entlang der grundsätzlichen Lebensform „einfach. gemeinsam. wach.“ von Ordensleuten hervorhebt. Besonders hingewiesen wurde auf die Wirtschaftstagung am 30. / 31. Mai 2017 in St. Virgil zum Thema „Die Sorge um das eigene Haus - Wirtschaften im Sinne von Laudato si“. Oder: „Ökologisierung der Energieversorgung in kirchlichen Einrichtungen“ am 5. / 6. Juli 2017 im Franziskanerkloster in Graz.

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Pressegespräch im Quo Vadis in Wien zu #GerechtigkeitGeht

 

Die Zusammenfassung des Pressegespräches auf Video

 

Weitere Beiträge zum Themenfokus #GerechtigkeitGeht

Der Kathpress-Bericht vom Pressegespräch am 8. Mai 2017 im Quo Vadis

Das Shalom-Kloster Pupping in Oberösterreich (Interview im ON mit Br. Fritz Wenigwieser)

Der Film über das Kloster Pupping: Regiert Geld die Welt?

[fk]

 

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