Bürgerkrieg im Südsudan: Missionare bleiben vor Ort

Herbert Liebl SJ kleinEinen aufrüttelnden Brief erhielt die Initiative WAY of HOPE in Weiz am 22. Jänner 2014 vom Jesuiten Br. Herbert Liebl aus der Stadt Rumbek im Bundesstaat Lakes im Südsudan. Es sind bedrückende und doch ermutigende Gedanken und Eindrücke über die Situation im jungen Staat, der 2011 vom Sudan unabhängig wurde. In der täglichen Flut von Nachrichten, Spekulationen, den Meldungen von Krieg, Ungewissheit und Angst der Menschen schildert er, wie er und seine Mitbrüder die Situation vor Ort wahrnehmen.

Die Gemeinschaft der Jesuiten in Rumbek besteht aus drei Mitbrüdern: Fr. Viktor Odhiambo, Fr. Salvador Ferrao und Br. Herbert. Tätig sind hier unter anderen auch die Schwestern der Mutter Teresa, die Evangelizing-Schwestern, die Loreto-Schwestern. Die Sorge über die Diözese, die keinen Bischof hat, überschattet alles.

Die NGO’s gehen weg, die Missionare bleiben den Menschen treu

Vor Kurzem erreichte die Gemeinschaft ein Brief, in dem stand: „Mich beeindruckt immer wieder: Während die NGO's weggehen, bleiben die Missionare den Menschen treu. Das ist überzeugend. Ich hoffe, Gott wird das mit dem Hundertfachen belohnen!“
Br. Herbert schreibt: „Was mich bedrückt, ist dieser Wahnsinns-Krieg! 12.000 Tote hat er bereits gefordert, über 200.000 Menschen sind auf der Flucht. Junge Menschen ohne Ausbildung werden an die Front geschickt. Waffen gibt es im Überfluss. Waffen und Uniformen machen die Menschen zu gesetzlich geschützten Räubern. Es macht uns betroffen, dass diese Kämpfe - wo es um Menschenleben geht - so einfach hingenommen werden, als ob es zum Alltag gehört. Die Vorräte in den Geschäften verschwinden, Nachschub kommt so leicht nicht mehr in die Stadt, weil die LKWs an der Frontline gestoppt werden. Das dreht das Preis-Karussell. Heute zahlst du für eine Packung Mehl SSP 120,00 (Südsudanesische Pfund), morgen für dieselbe Menge schon SSP 160,00. Je nach Hautfarbe verlangen manche sogar das Doppelte!

Es macht Sinn, da zu bleiben!

Die Kämpfe haben uns noch nicht erreicht, auch wenn sich im Schatten dieses Geschehens Stammesfehden ausbreiten und die Bevölkerung in Schrecken versetzen. In Akol Jal, wo wir eine Landwirtschaftsschule planen, spielten sich solche Kämpfe ab, wo über 30 Menschen getötet wurden!
All dies geht in mein kleines Hirn nicht hinein!
Macht es einen Sinn hier zu bleiben? Uneingeschränkt möchte ich zu dieser Frage ohne zu zögern „JA“! sagen. Wenn wir den Boden unter unseren Füßen spüren, wenn wir die Menschen in Angst, in Hoffnungslosigkeit, in Ratlosigkeit – umgeben von Gewalt und auch selbst wehrlos diesem Phänomen ausgeliefert – WAHRnehmen, dann geschieht etwas auch mit uns. Wir als winzig kleine Kommunität sind hierher gerufen, um das zu leben, was uns alles bedeutet: Jesus Christus. Wir kommen uns in diesen Tagen eigenartiger Weise näher als in Zeiten, wo alles geplant, berechnet, kontrolliert und von außen gesteuert wird. Wir gehen uns auch teilweise auf die Nerven, weil wir so anders unsere Berufung erfahren, leben, ausleben wollen. Dies macht uns zu Jesuiten: bewusst als Sünder in die Gesellschaft Jesu berufen zu sein; es macht uns menschlicher. Was aber das Wesentliche ist: Wir kommen hier den Menschen näher, lernen zu fühlen, lernen die Augen aufzumachen, lernen mit anderen Ordensgemeinschaften am WEG zu sein. Ich bin glücklich, hier und mit den Menschen am Weg zu sein, egal wohin mich diese Wanderschaft führen wird.“

Sudan Rumbek Liebl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Jesuitenmission
[hw]