Ein Jahr Franziskus: Für Orden "Paradigmenwechsel"

2014 02 02 Papst FranciscusDie Worte und Gesten des Papstes seien nicht beliebig und spontan, sondern Folge des Verwurzeltseins in Gott und der Achtung vor dem Menschen in jeder Situation, so die einhellige Meinung der heimischen Ordensverteter nach einem Jahr Amtszeit des Pontifex' aus Argentinien.

Papst Franziskus hält der Kirche in Europa einen Spiegel vor, bewirkt einen Atmosphärenwechsel und hat dem Begriff "papsttreu" bereits eine neue Bedeutung verliehen: So haben die Spitzen der katholischen Orden in Österreich das erste Jahr des Pontifex aus Argentinien, der als Jesuit auch selbst ein Ordensmann ist, resümiert. Dessen Worte und Gesten seien nicht spontan und beliebig, sondern "in Wahrheit eine tiefe Achtung des Menschen in jeder Situation", erklärte Erhard Rauch, Generalsekretär der Superiorenkonferenz, in der Ö1-Sendung "Praxis-Religion und Gesellschaft".

Mit seinem Südamerika-Hintergrund beende der Papst die "Kopfbetontheit" Europas, betonte Rauch. "Franziskus zeigt, dass man mit einer ganz natürlichen, normalen Sprache trotzdem Großartiges rüberbringen kann - weil er lebt, was er sagt." Dies sei eine "Latte, die uns zu schaffen macht" und enorm gut tue, so der Salvatorianer-Provinzial, habe der Papst damit doch auch "Kirche aus dem Exotischen in die normale Welt hineingebracht". Positiv vermerkte Rauch zudem, dass Franziskus die Privilegien Europas ins Wanken gebracht habe.

Sr. Mayrhofer: Papst handle aus "tiefen Verwurzeltsein in Gott"

Papst Franziskus mache jeden Tag spannend, "man weiß nie, was ihm als nächstes einfällt", formulierte Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs. Sie sei betroffen von der Sensibilität des Papstes für die Situation unserer Welt und die Möglichkeiten, aus dem Geist des Evangeliums darauf spontan zu reagieren, "obwohl es wahrscheinlich nicht spontan ist, sondern aus einem tiefen Verwurzeltsein in Gott kommt, das ihn für die jeweilige Situation derart frei macht".

Der Papst stelle den Orden die Frage, ob sie dort seien, "wo Kirche wirklich sein soll. Er schickt uns ordentlich auf den Weg", so Mayrhofer. Persönlich berühre sie sehr, dass sie nun Formulierungen von Mitschwestern ihres Ordens, die in lateinamerikanischen Slums tätig sind, plötzlich aus dem Mund eines Papstes und somit "aus dem Herz der Christenheit" höre, erklärte die Ordensfrau.

Abtpräses Haidinger: Papst mache "hoffnungsvoll"

Von einem "Atmosphärenwandel" durch den Papst sprach der Vorsitzende der Superiorenkonferenz, Christian Haidinger: "Sein unkompliziertes Auftreten, dessen Einfachheit, Natürlichkeit und Authentizität tun einfach wohl und lassen durchatmen", so der Altenburger Abt. Theologisch wisse man noch nicht ganz um die Positionierung des Papstes, dessen Reaktion in schwierigen Fragen wie etwa der Homosexualität stimme ihn selbst jedoch ebenso "hoffnungsvoll" wie die für in absehbarer Zeit zu erwartenden klaren Worte zu geschiedenen Wiederverheirateten, betonte Haidinger.

[rs]