Sr. Beatrix Mayrhofer: Männern zu wenig bewusst, was Abtreibung bedeutet

Sr.Beatrix JR8A2669 Katrin Bruder 120Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, sagte im Interview mit der Austria Presse Agentur (APA), Männer sollten beim Thema Abtreibung viel stärker in die Pflicht genommen werden als bisher. "Ich fordere eine intensive Kampagne, um den Männern ins Bewusstsein zu bringen, was das eigentlich bedeutet", so die oberste Ordensfrau Östereichs.

Für jede Frau, die den Schritt eines Schwangerschaftsabbruches setze, empfinde sie "großes Mitgefühl", betonte Sr. Mayrhofer. Oft würden erst die Männer die Frauen in eine derartige Situation "hineintreiben", sich dann aber "viel zu schnell aus der Verantwortung ziehen". Wichtig sei für Frauen deshalb eine bessere rechtliche Absicherung.

Die Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden unterstützt die von der "aktion leben" eingeleitete Bürgerinitiative für eine Abtreibungsstatistik, schließlich seien die fehlenden Zahlen zu den Schwangerschaftsabbrüchen in Österreich "unerträglich": "Da fürchtet man einfach die Ergebnisse, das finde ich politisch feige", so Sr. Mayrhofer. Die österreichische Rechtslage der Fristenregelung schmerze sie selbst, "ich kann nicht damit leben, ich muss damit leben".

Zum Thema Frauenhandel bestärkte Sr. Mayrhofer erneut die Skepsis der österreichischen Frauenorden gegenüber einem Prostitutionsverbot, da dieses die Szene bloß verdrängen und Kontrollen erschweren würde.

Ein notwendiger Ansatz im Kampf gegen den Frauenhandel sei es, Asylwerbern den Vollzugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Schließlich könnten Antragsteller zum Zeitpunkt des Verfahrens momentan nur als Erntehelfer, in der Gastronomie und eben Prostitution legal tätig sein. Wichtig sei zudem eine Beschleunigung der Asylverfahren.

Angesprochen auf die Diskussion um Sterbehilfe gab Sr. Mayrhofer an, sie bevorzuge hier den "pragmatischen Zugang" und wünsche einen alltäglicheren Umgang mit dem Lebensende. Pflegepersonal und Mediziner sollten sich mehr dem Kranken widmen können anstatt von administrativen Tätigkeiten zu sehr eingenommen zu sein. Zweitrangig sei für sie deshalb, das Sterbehilfeverbot in den Verfassungsrang zu heben, "allerdings bin ich keine Juristin", betont. Sr. Mayrhofer.

Foto: Katrin Bruder

[rs]