Mehr oder weniger: Weil du da bist, ist Ostern

PFür Pater Christoph Müller haben die alltäglichen Ereignisse die größte „Erlebniskraft“. Auch Ostern ist alltäglich.

 

Man kennt Sie als vielbeschäftigt - mit drei Pfarren. Was sind für Sie die guten Erlebnisse, die Sie aufleben lassen? 

P. Christoph Müller: Es sind drei eher kleine Pfarren, die ich betreuen darf. Und vielbeschäftigt erscheine ich wohl deshalb, weil mich die Leute oft auf der Straße sehen, da ich keinen Führerschein habe und somit meist mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs bin.
Gut, ich mache auch den Haushalt und den Garten selber und habe von der Diözese noch kleinere Aufgaben übernommen. Aber alles, wirklich alles, was ich hier tun darf, ist mit guten Erlebnissen verbunden und lässt mich aufleben. Gerade das Radfahren, das viele als Belastung empfinden, ist jedes Mal ein Stück Ferien und Freiheit.

Wie mache ich Erlebtes lebendig – fruchtbar für mein Leben und das Leben anderer?

P. Christoph: Ich würde es so sagen: Alles Erlebte sollte zuerst einmal mich als ganzen Mensch prägen und so seine Spuren in meinem Denken und Handeln hinterlassen. So wie die leeren Hände der Bäuerinnen, denen ich am Sonntag die Kommunion reiche, geprägt sind von dem, was Tag für Tag durch ihre Hände geht. Es sind Hände, die nicht laut erzählen müssen, was sie täglich tun. Ich finde dieses Geprägtwerden durch alles, was man erlebt, wichtiger als darüber ein Buch zu schreiben. Ich habe meine Erlebnisse auf dem Jakobsweg nur unter äbtlichem Druck als Buch herausgegeben. Ich selber hätte es nicht gemacht. Es kann sich jemand für die Erlebnisse anderer interessieren und Bücher darüber lesen. Davon lebt ja der Buchhandel. Aber die entscheidenden Erlebnisse, jene, die einen wirklich prägen, muss man selber machen.

Welche Erlebniskraft hat für Sie Ihr Alltag?

P. Christoph: Der Alltag hat für mich eine sehr große Erlebniskraft. Ich liebe den Alltag über alles. Ich ziehe einen Werktagsgottesdienst mit drei alten Frauen der prallvollen Weihnachtsmette vor. In diesem Punkt bin ich Benediktiner, da die Benediktsregel eine Regel des Alltags ist. Das tägliche „ora et labora“ (bete und arbeite) in seiner ganzen Schlichtheit, das ist meine Welt. Am Morgen in der Frühmesse den Kelch in der Hand halten, dann wieder den Staubsauger oder ein Gartengerät, dazwischen das Gebetbuch und dann wieder den Fahrradlenker, um einem Kranken die Kommunion zu bringen – das ist die Erlebniskraft meines Alltags.

Haben Sie ein Problem mit der Langeweile?

P. Christoph: Ich habe durchaus ein Problem mit der Langeweile, aber es erschreckt mich nicht, weil diese den alten Mönchsvätern recht vertraut war. Sie beschreiben ausführlich diese Null-Bock-Mentalität, die einen oft völlig grundlos überfallen kann, sei es heftig, als Sinnkrise, oder in kleinen Portionen, zum Beispiel über die Mittagszeit. Das geht dann so: Ich sollte etwas erledigen, worauf ich keine Lust verspüre. Darum schaue ich zuerst einmal nach den Mails, um bald darauf im Kühlschrank nach etwas Essbarem Ausschau zu halten. Auf dem Küchentisch sehe ich dann ein Sudoku liegen, das seiner Vollendung harrt … Nun, ich finde das nicht sehr tragisch, da mein Geist vielleicht ab und zu solche Leerläufe braucht. Um aber vor allem am Abend, wo ich relativ gut arbeiten kann, solches zu verhindern, habe ich den Fernsehapparat aus dem Pfarr­hof verbannt. Da ich allein im Haus bin, wäre die Gefahr zu groß, dass ich z.B. Sportsendungen in ihrer ganzen Länge anschauen würde. Ich weiß genau, dass mich dann später eine Mischung aus Unzufriedenheit und fader Langeweile überkommt. Am nächsten Tag finde ich ja die Resultate im Internet, und das genügt mir vollkommen.

Quelle: Das Interview in der KirchenZeitung.

[fk]