Fallrückzieher - Sr. Beatrix Mayrhofer zur Fußball-WM 2014

2014 06 11 fussballwm 1202Ab 12. Juni 2014 regiert wieder König Fußball die Welt - bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Als begeisterter Fußballfan freut sich Sr. Beatrix Mayrhofer schon auf das eine oder andere spannende Match. Doch bei aller Vor- und Torfreude hat die Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs auch einige kritische Gedanken anzumerken.

Ich bin in ein Fettnäpfchen getapst. Ich habe einem Journalisten, dessen Name mir eigentlich seine Nationalität verraten hätte müssen, leichtsinnig erklärt, dass Deutschland die Fußballweltmeisterschaft gewinnen wird. Natürlich, so ließ er mich wissen, werde das Finale „Brasilien gegen Italien“ lauten.

Während ich diese Zeilen schreibe, hat die WM in Brasilien noch nicht begonnen. Wenn die Zeitschrift erscheint, werden wir schon wissen, ob der Finaltipp eine realistische Ansage war. Und wenn Sie diesen Beitrag lesen, gibt es vielleicht schon ein Ergebnis, aber es könnte ja sein, dass Fußball für Sie eine höchst unwichtige Nebensache ist. Freilich, es gibt viele Leute, die mit dieser Nebensache viel, sehr viel Geld verdienen. Es gibt Agenturen und Vereine, Personen und Konzerne, für die Millionen auf dem Spiel stehen. Millionen Dollar, nicht Menschen. Und für dieses Spiel wird gebaut – Straßen werden gebaut, damit die Millionen-Dollar-Menschen die Spiele bequem erleben können. Die Menschen im Land bekommen keine Straßen, die stören da eher, die Hütten in den Favelas sind Neben-Sache. Oder vielleicht Talente-Schuppen. Talente-Scouts, so habe ich gelesen, beobachten die Buben beim Spielen, suchen die Besten heraus, kaufen sie für wenig Geld – und verkaufen sie wieder mit großem Gewinn – oder mit geringem Verlust, falls sich der Junge verletzt und unbrauchbar wird. Menschenhandel? Kinderarbeit? Schutzvorschriften? Es könnte einem den Spaß verderben, wenn man beim chilenischen Autor Juan Pablo Meneses die Geschichten über die Fußballkinder nachliest.* Von den vielen Frauen, die neben der Hauptsache Fußball in diesen Wochen zu benützten Neben-Sachen werden, redet da ohnehin niemand.

Ich gestehe, ich werde mir trotzdem das eine oder andere Match anschauen. Vielleicht sehe ich sogar ein tolles Tor als Ergebnis eines Fallrückziehers. Aber wie auch immer das Finale lauten wird, ich wünsche dem brasilianischen Volk von Herzen, dass die ganze WM nicht zu einem Eigentor wird mit verheerenden Folgen. Ich wünsche den Armen im Land einen großen Sieg – wenn es sein muss, auch durch einen Fallrückzieher.

* Juan Pablo Meneses, Niňos futbolistas; zitiert in: Der Standard kompakt, 21. Mai 2014, S. 24f

Der Beitrag von Sr. Beatrix Mayrhofer wurde dem Anfang Juli erscheinenden ON 4/2014 entnommen.

[rs]