Pilgrim-Schulen: Bewusst leben – Zukunft geben

S 16 Franziskus VS projekt 120Vor rund elf Jahren wurde das Projekt „Pilgrim-Schule“ ins Leben gerufen mit dem Ziel, Umweltschutz und Nachhaltigkeit mit Spiritualität zu verbinden. Bisher haben bereits 161 Schulen, Lehrerausbildungsstätten, Hochschulen und Bildungshäuser Pilgrim-Zertifikate erworben – ein Erfolg, der mittlerweile auch international Schule macht.

In den vergangenen elf Jahren waren bereits 161 Bildungseinrichtungen dem Pilgrim- Netzwerk beigetreten. Ein Erfolg, der sich nicht nur österreichweit, sondern auch immer mehr über die Landesgrenzen hinaus durchsetzt. Die 99. Pilgrim-Schule konnte gleichzeitig noch eine weitere denkwürdige Zahl feiern: Das Egbert-Gymnasium in Münsterschwarzach in Bayern war nämlich die erste ausländische Schule, die sich 2009 der Initiative angeschlossen hatte. Weitere folgten. So besitzt seit 2011 auch die National Chengchi University in Taiwan ein Pilgrim-Zertifikat. Seit 2012 läuft das Projekt in einer adaptierten Form in den Niederlanden. Aktuell zeigen auch polnische Schulen Interesse daran, dem Netzwerk beizutreten; erste Zertifizierungen sind für Herbst geplant. Interessenten kommen auch aus Indien, Ungarn, Slowakei und sogar aus England. Eine Idee macht international Schule!

Pilgrim-Schulen: Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Spiritualität

Doch was sind Pilgrim-Schulen überhaupt? Ihr Motto lautet: „Bewusst leben – Zukunft geben“. Pilgrim-Schulen haben sich das Ziel gesetzt, auf vielfältige Weise das Bewusstsein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit in Verbindung mit Spiritualität zu fördern. Ihre Schüler sollen die Welt als Schöpfung Gottes erfahren und ökologische, ökonomische und soziale Zusammenhänge erkennen lernen. Sinn ist es, den SchülerInnen vor Augen zu führen, wie die globalen, wirtschaftlichen Verflochtenheiten zusammenhängen und welche Auswirkungen ein verschwenderischer (oder auch nachhaltiger) Umgang mit unseren Ressourcen auf jeden einzelnen Menschen hat. Johann Hisch, Gründer und Mastermind der Pilgrim-Initiative und ehrenamtlicher Geschäftsführer des 2007 gegründeten Vereins der Freunde der Pilgrim-Schule, hat seine ganz persönliche Definition: „Wir alle sind Pilger hier auf Erden und tragen Verantwortung für unsere Mitmenschen, alle Lebewesen, die Natur und dies vor allem für spätere Generationen.“ Sein Anliegen ist, eine andere, eine „wertvollere“ Sicht auf die Welt zu vermitteln, um sich von ihrer Schönheit berühren zu lassen.

Interreligiöse Initiative

Diese Verantwortung betrifft alle, deshalb ist auch die Dimension „Spiritualität“ nicht nur auf den katholischen Religionsunterricht beschränkt, sondern war von Anfang an als interreligiöses Projekt geplant. Es begann alles mit der harmlosen Frage eines Ministerialrates aus dem Wissenschaftsministerium, ob die Religionspädagogischen Institute (RPIs) nicht etwas für die Nachhaltigkeit tun könnten? Hisch, damals Direktor des katholischen Wiener Religionspädagogischen Instituts, erstellte, inspiriert vom Sozialwort der 14 christlichen Kirchen von 2003, ein Konzept, das auch die evangelischen und das islamische RPI ansprach – die Geburtsstunde der Pilgrim- Schulen hatte geschlagen. Die UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung (2005–2014)“ lieferte zusätzliche Anregungen, die Aktionen in einem breiteren Umfeld zu positionieren. „Wer der Bildung für Nachhaltigkeit die Spiritualität verweigert, beraubt die Erde um den Himmel“, betont Johann Hisch die Notwendigkeit der religiös- ethisch-philosophischen Dimension von Bildung.

Aktionen stellen Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt

Pro Schuljahr wird mindestens eine fächerübergreifende Aktion eingeplant, die von der jeweiligen ausführenden Pilgrim-Schule in einem ausführlichen Bericht dokumentiert wird. Konzeptioneller Ausgangspunkt der Aktion ist jeweils der Gedanke, einen ganzheitlichen, zukunftsfähigen Umgang mit der Umwelt zu fördern. Dieser Gedanke der Erziehung zu einem nachhaltigen Leben im Schulalltag soll auf mindestens vier Jahre verankert und ein bewusster Umgang mit der Schöpfung fächerübergreifend gelernt werden. Dabei sind den Ideen keine Grenzen gesetzt. Die im Laufe der vergangenen elf Jahre umgesetzten Projekte können sich durchaus sehen lassen. So wurden zum Beispiel Duftgärten zwischen Schule und Altersheim geschaffen, um die Sinne anzuregen, und Aktionen wie „Amicus-Award“ für Sozialprojekte gestartet. Damit erhält der Bereich Spirituelles im Zusammenwirken von Ökologie und Ökonomie in der Nachhaltigkeit seinen besonderen Stellenwert in den Schulprojekten. Auch Projekttage zu Themen wie Müllvermeidung, Feinstaubbelastung, gesunde Ernährung, Beleuchtungsoptimierung, ein Franziskusgarten oder ein Schulfrühstück für Kinder in Nicaragua wurden schon erfolgreich umgesetzt.

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Die Franziskus-Volksschule in Vöcklabruck ist seit 2006 zertifizierte Pilgrimschule. Für das Projekt „Darf`s ein bisschen weniger sein? – Fair-Trade in einer ver-drehten Welt“ bekam die Schule 2012 das Pilgrim-Zertifikat verliehen.

Wie wird man Pilgrim-Schule?

Pilgrim-Schule kann jede Schule unabhängig vom Schultyp werden, die nachhaltige Bildung in konkreten Aktionen umsetzen will. Wobei man Wert darauf legt, dass diese keine einmaligen Aktionen, sondern auf längere Sicht im Schulprofil fest verankert bleiben. Natürlich stellt die über alle Unterrichtsgegenstände übergreifende Zusammenarbeit (inklusive religiös-ethisch-philosophischer Bildungsdimension) für die beteiligten SchülerInnen und LehrerInnen konzeptionell, organisatorisch, aber auch vom Arbeitsaufwand eine große Herausforderung dar, die jedoch von allen mit Begeisterung mitgetragen wird. Dabei ist den Pilgrim- Schulen der interreligiöse Dialog ein Anliegen. Alle Konfessionen und Religionen, die an einer Schule tätig sind, werden von Anfang an in die Projektplanung und -umsetzung eingebunden. Der angenehme und durchaus erwünschte Nebeneffekt: Initiativen wie die Pilgrim-Schulen fördern das Verständnis zwischen den Religionen und Kulturen und bewirken eine effektivere Integration in Österreich.

[rs]