Der Weg zur vollkommenen Befreiung

 120P9246014 2Am 24. September 2014 fand in der vollen Stiftsbibliothek der „5. Dialog im Stift Schlägl“ statt. Unter dem Motto „Auf dem Weg zu vollkommener Befreiung“. Der Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft Gerhard Weißgrab und der Leiter des Zentrums Theologie interkulturell und Studium der Religionen in Salzburg Franz Gmainer-Pranzl waren am Podium.

Gerhard Weißgrab gab einen Kurzdurchgang durch die buddhistischen Lehren: Im Zentrum stehen Mitgefühl und Mitleiden des Menschen mit allen Lebewesen. Buddhismus ist eine Religion ohne Gott im monotheistischen Verständnis mit sehr vielen unterschiedlichen, individuellen Traditionen (drei „Große Fahrzeuge“). Das ist kein Atheismus, sondern nichttheistische Religion, in der die Gottesfrage nicht gestellt wird. Die „Vier edlen Wahrheiten“ mit dem „Achtfältigen Pfad“, von Buddha (ursprünglich Königssohn Siddharta Gautama, um 500 v. Chr.), dem „Erwachten“, „Erleuchteten“ dargelegt, führen nach Auslöschen von Gier, Hass und Verblendung zur „vollkommenen Befreiung“, ins Nirwana, ins absolute Verlöschen, ins volle Leersein, ins volle Verstehen. Alles hat seine Ursachen und Wirkungen. Buddhisten gibt es in Österreich seit Ende 19. Jh. Seit 1983 ist der Buddhismus in Österreich eine der 16 staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften.

Franz Gmainer-Pranzl ging acht- und einfühlsam an Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten zwischen beiden Religionen heran. Jeder religiöse Glaube steht im Kontext der Kultur seiner Herkunft, wobei jeweils die „Herzmitte“ der betreffenden Religion zu suchen ist, der Kern, der immer auch einer Erneuerung bedarf. Buddha lehrt den Weg der Erleuchtung und Befreiung. Uns Christen hat, sagt der Apostel Paulus, der auferstandene Christus, in dem sich Gott voll in Wort und Weisung mitgeteilt hat, zu voller Freiheit befreit, die eine jetzt schon beginnende endzeitliche, eine eschatologische ist. Darauf sind wir getauft und berufen, in Nachfolge Christi am kommenden Reich Gottes mitzuarbeiten. Menschen können als Buddhisten und als Christen zu hoher Erleuchtung und Freiheit kommen, beiden will es um kultkritische Impulse gehen, die schmerzhaft und radikal sein können (der Gier abschwören hier, den Weg des Kreuzes gehen da) und beide haben viele Formen von Ordensgemeinschaften, Mönchen, Riten und Traditionen hervorgebracht. Beide müssen wichtige Menschheitsfragen aufgreifen und Antworten zu geben versuchen: zu Sinn des Lebens, des Leidens, des Todes, zur Ethik der Solidarität, der Mitverantwortung für Welt und Menschen.

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vlnr: Abt Martin Felhofer, Gerhard Weißgrab, Matthäus Fellinger (Moderation), Franz Gmainer-Pranzl

Stift Schlägl

[fk]