Abtpräses Christian Haidinger: Alle sehnen sich nach einem Wandel

2015 03 13 windofchange 120Das Symposion „Wind of Change“ startete am 12. März 2015 im Chorherrenstift Klosterneuburg. Drei Tage gehen Vortragende und TeilnehmerInnen in Referaten und Workshops dem Thema nach, welche Erfahrungen und Reflexionen 50 Jahre nach dem Konzil gesammelt werden konnten und welche Herausforderungen auf die Orden im 3. Jahrtausend warten. Den Beginn machten eine feierliche Vesper in der Stiftskirche, der Abtprimas Propst Bernhard Backovsky vorstand, und ein Kamingespräch mit Abtpräses Christian Haidinger.

„Das Ordensleben ist niemals Selbstzweck, sondern muss stets als Dienst an den Menschen aufgefasst werden“, betonte Abtprimas Backovsky vom Chorherrenstift Klosterneuburg in seiner Predigt. Es sei Aufgabe der Orden, die „Menschen auf dem Weg zu Gott mitnehmen", so Backovsky weiter. Er setzte damit den Startpunkt für das Symposion, das sich mit neuen Perspektiven, gegenwärtigen Probleme und anstehenden Herausforderungen der Orden auseinandersetzt.

„Ich bezeichne mich mit ein wenig Stolz als ein Kind des Konzils.“ Anlässlich des JAHR DER ORDEN erinnerte sich Abtpräses Christian Haidinger, Erster Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Orden Österreichs, im Kamingespräch an seine Noviziatszeit. Mit unglaublichem Interesse habe er in der Oberstufe das Vatikanum II verfolgt. Und in den Jahren nach dem Konzil sei überall Aufbruchsstimmung zu spüren gewesen. „Mit Freude ging ich nach dem Studium ab 1970 an die Arbeit: in der Schule, in der Jugendarbeit, in der Cursillo-Arbeit, als Aushilfspriester in der Pfarrseelsorge … Immer noch getragen und begleitet von der Bitte im Gebet des Konzilspapstes: 'Erneuere, hl. Geist, in deiner Kirche die Wunder wie in einem neuen Pfingsten.'“

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"Ich bezeichne mich mit ein wenig Stolz als ein Kind des Konzils." - Abtpräses Christian Haidinger am Symposion "Wind of Change" im Stift Klosterneuburg. (c) Ordensgemeinschaften Österreich

Vom Aufbruch in die Krise

Doch Mitte der 80er Jahre wäre dann schon Müdigkeit zu spüren gewesen. Die Aufbruchsstimmung des Konzils verschwand langsam, und Haidinger zitierte dazu auch die katholische Publizistin Ingeborg Schödl, die ihr Buch über die Kirche in Österreich nach 1945 „Vom Aufbruch in die Krise“ betitelte.

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Alle sehnen sich nach einem Wandel - Abtpräses Christian Haidinger am Symposion "Wind of Change" im Stift Klosterneuburg. (c) Ordensgemeinschaften Österreich

Die Folgen daraus sprechen für sich: Ordensschulen werden heute fast nur von Laien geleitet, Ordensleute sind nur vereinzelt im Unterricht tätig. Ähnlich sei die Situation in Ordenskrankenhäusern: Ordensleute seien fast ausschließlich in der Verwaltung tätig. Und die Hauptverantwortung in der wirtschaftlichen Leitung unsere klösterlichen Betriebe und in den großen Werken werde vielfach von Laien getragen.

Weltweite Klösterneugründungen

Alle sehnen sich nach einem "Change", einem Wandel, aber man müsse realistisch sein: „Dieser Wandel – zumindest bei uns in Europa – wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit zu keinem Wandel zu früheren oder größeren Eintrittszahlen führen.“ Wie wird es weitergehen – diese Frage sei durchaus berechtigt. Wie können die Werke und Einrichtungen der Orden neu auf Zukunft geordnet werden? Werden sie überhaupt Zukunft haben? Denn auch das sei Fakt: In Europa werden jährlich zwei bis drei Klöster geschlossen, weltweit aber jährlich bis zu zehn Klöster gegründet!

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Das Kamingespräch über den Weg der Orden ins 3. Jahrtausend. V.l.n.r.: Abtpräses Christian Haidinger (Superiorenkonferenz der männlichen Orden Österreichs), Abtprimas Bernhard Backovsky (Stift Klosterneuburg) und Joachim Schmiedl (Katholische Universität Vallendar)
(c) Lea Herberg

Andere Orte

Papst Franziskus habe für heuer ein JAHR DER ORDEN ausgerufen. Das gottgeweihte Leben sei die „Reserve für die Zukunft“ der Kirche. Die Aufgabe der Orden bestehe darin, die Welt aufzuwecken und Propheten zu sein, die Zeugnis geben, wie Jesus auf dieser Welt gelebt hat. Die Orden müssen „andere Orte“ schaffen, wo die Logik des Evangeliums gelebt wird, die Logik der Hingabe, der Geschwisterlichkeit, der Annahme der Verschiedenheit und der gegenseitigen Liebe. Dazu Abtpräses Haidinger: „Wir brauchen da nicht krampfhaft nach Neuem suchen, es gibt schon so viel: einerseits die geschichtlich gewachsenen Aufgaben und Werke wie Schulen, Krankenhäuser oder Altenheime. Aber auch Orte, die für die Nöte der Menschen in unserer Zeit offen sind wie zum Beispiel der Verein SOLWODI, der sich gegen Zwangsprostitution einsetzt, oder wie zum Beispiel die Caritas Socialis, die neue Wege in der Demenzvorsorge geht.“
Vielleicht liege darin der Weg, eines der drei Ziele zu erreichen, die Franziskus für das JAHR DER ORDEN definiert hätte: Die Zukunft voll Hoffnung ergreifen!

Das Symposion "Wind of Change" im Stift Klosterneuburg findet im Rahmen des JAHR DER ORDEN statt. Veranstalter sind die Ordensgemeinschaften Österreich, das Stift Klosterneuburg sowie die Katholische Universität Vallendar.

[rs]