Jeder Bissen eine Gabe

Elisabethinen kh 120„Macht euch die Erde untertan“, steht in Genesis 1,28. Doch diese Herrschaft bedeutet nicht, dass der Mensch als „Herr und Besitzer der Natur“ (René Descartes) die Erde bedingungslos ausbeuten kann. Im Gegenteil: Es geht vielmehr um Fürsorge; der verantwortungsvolle Umgang mit der Schöpfung Gottes soll die Liebe zu ihm zum Ausdruck bringen. Die Gretchenfrage an Ordensleute lautet daher: Wie hältst du es mit der Nachhaltigkeit?

So wie in jedem Spital blieb auch im Krankenhaus der Elisabethinen Linz viel Essen übrig – viel zu viel, fand Küchenleiterin Andrea Weidenauer. „In einer Krankenhausküche, in der pro Jahr 170.000 Frühstücke, 330.000 Mittagessen und 150.000 Abendessen zubereitet werden, sind Speisenreste und Überproduktion unvermeidbar“, betonte Weidenauer. „Aber wir wollten dieses Zuviel an Lebensmittelmüll vermeiden.“

Lebensmittel sind wertvolle Rohstoffe

Jährlich landen in Österreich rund 157.000 Tonnen Lebensmittel im Müll. Die Zahlen belegen: Lebensmittel werden nicht (mehr) als kostbare Rohstoffe wahrgenommen. Aber genau darum ging es den Linzer Ordensfrauen: den Wert von Lebensmitteln bewusst zu machen – und entsprechend verantwortungsvoll zu handeln. Was 2011 als kücheninternes Experiment begann, wird heute von den Linzer Liesln konsequent durchgezogen. 2013 wurde ein Projektteam gegründet, das sich aus MitarbeiterInnen der Küche, der Pflege, des Ordens und der Öffentlichkeitsarbeit zusammensetzte, um die bisher gesetzten Maßnahmen weiter auszubauen und intern und extern die Bewusstseinsbildung zu verstärken. Zur Unterstützung vernetzte man sich auch mit externen Partnern wie Michael Rosenberger, Institutsvorstand an der Katholisch-theologischen Privatuniversität Linz. 2014 präsentierte das Krankenhaus gemeinsam mit dem Land Oberösterreich im Rahmen des Klimabündnisses Österreich das Ergebnis – das sich durchaus sehen lassen kann.

12 Tonnen Lebensmittelabfall weniger

Mittlerweile konnte unter dem Motto „Jeder Bissen eine Gabe“ der Lebensmittelabfall im Ordenskrankenhaus um fünf Prozent oder zwölf Tonnen reduziert werden. So wird nun besonderes Augenmerk auf genaues Bestellen der Portionen gelegt: „Für mich war es wirklich eine Hilfe, sich mit der Frage der Nachhaltigkeit gründlich auseinanderzusetzen.“ Die einzelnen Stationen notieren die mengenmäßig genaue Bestellung je nach tatsächlicher Anzahl von PatientInnen und verzichten auf die EDV-automatische Erfassung. PatientInnen, die vor einer OP beispielsweise nüchtern sein müssen, werden im System erfasst; stationär Aufgenommene geben an, ob sie das ganze Menü möchten oder nur Teile davon. Überproduktion kann so von Anfang an vermieden werden. So konnten die Bestellungen seit Projektbeginn zum Beispiel auf der Urologie halbiert werden. Man entschied sich auch für den Erhalt der Frischküche: Alles wird im Haus zubereitet. Sogar das Brot wird selbst gebacken – begleitet von regelmäßigen Sitzungen, in denen die MitarbeiterInnen Ernährungstipps erfahren oder sich mit der Herkunft der Lebensmittel näher auseinandersetzen. Der hohe Stellenwert, den die Elisabethinen der Küche beimessen, ist eine Säule ihrer Spiritualität. Schließlich ist Essen mehr als nur Nahrungsaufnahme; es hält Leib und Seele zusammen und trägt daher auch wesentlich zum Gesundungsprozess bei. Natürlich kauft das Küchenteam regionale Produkte ein. Diese Vernetzung mit Partnern aus der Region ist Teil dieser nachhaltigen Küchenphilosophie und trägt ihr Quäntchen zum Umwelt- und Klimaschutz bei.

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Das Team der Küchenleitung des Elisabethinen Krankenhauses Linz: Andrea Weidenauer, Günther Eberl und Anton Lehner mit Generaloberin Sr. M. Barbara Lehner.
Foto: Elisabethinen.

Vöcklabrucker Franziskanerinnen: Vernetzte Nachhaltigkeit

Wie viel man mit wenig Aufwand schon erreichen kann, zeigt auch das Beispiel der Franziskanerinnen von Vöcklabruck. 2013 wurden die „Aktionstage Nachhaltigkeit“ von den NachhaltigkeitskoordinatorInnen des Bundes und der Länder ins Leben gerufen. Das Ziel lautete, die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten auf Regional-, Landes- und Bundesebene im Bereich der nachhaltigen Entwicklung aufzuzeigen. Gleichzeitig sollte auch das Bewusstsein in der Gesellschaft für den Bereich Nachhaltigkeit geschärft werden. 2014 wurden mehr als 200 kreative und innovative Aktionen in ganz Österreich von Privatpersonen, Verbänden, Vereinen, NGOs und Unternehmen, Städten, Gemeinden und Regionen bis zu Ministerien und anderen Verwaltungseinrichtungen umgesetzt. Man vernetzte sich, um zu zeigen, dass man sich mit persönlichem Engagement auch im Kleinen für Nachhaltigkeit einsetzen kann. Mittendrin: die Franziskanerinnen von Vöklabruck, die sich in ihrem Bezirk aktiv beteiligen. Unter dem Motto „Wonne statt Tonne“ zeigten die Ordensfrauen, dass Obst und Gemüse nicht in die Mülltonne gehören, sondern dass es viele Möglichkeiten gibt, auch überschüssiges Obst und Gemüse zu verwerten. Unterstützung erhalten sie dabei vom Vöcklabrucker Gemüseladen Cappucetto Rosso. Nur zwei Beispiele, die stellvertretend für den Wertschätzungsgedanken für Gottes Schöpfung stehen.

Nachhaltigkeit in Benediktinerklöstern

2013 präsentierte die Universität für Bodenkultur Wien eine mehrjährige groß angelegte Studie, die sich mit Benediktinerklöstern als Modelle für einen nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsstil auseinandersetzte. Soziologen, Ökologen, Historiker und Marketingexperten von verschiedenen Universitäten nahmen u.a. die Stifte Kremsmünster, Seitenstetten, Altenburg und St. Paul im Lavanttal genau unter die Lupe. Ein weiterer Studienteilnehmer war auch der Verein der Freunde der PILGRIM-Schule. Er analysierte, welches Nachhaltigkeitsverständnis Schülerinnen und Schüler von Ordensschulen haben. Das Ergebnis: Auch wenn die Klöster eher am Beginn einer spirituell begründeten Neuausrichtung ihres Nachhaltigkeitsverständnisses stehen, so ermöglicht die benediktinische Spiritualität schon jetzt einen Lebens- und Wirtschaftsstil, der sehr oft alle Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigt. Diese geschieht bei vielen Klöstern auch in enger Vernetzung mit Partnern aus der Region, um ein harmonisches Miteinander zu schaffen. In Bezug auf eine ökologisch orientierte Nachhaltigkeit können die Klöster durchaus eine Vorreiterfunktion einnehmen. Doch auf dem Weg dorthin gibt es noch einiges zu tun. P. Michael Hüttl, Prior und Projektverantwortlicher vom Stift Altenburg bilanziert: „Für mich war es wirklich eine Hilfe, sich mit der Frage der Nachhaltigkeit gründlich auseinanderzusetzen. Doch das Projekt bleibt natürlich ein Prozess.“

Aus: ON 3/2015. Die aktuelle Ausgabe des ON lesen Sie hier.

[rs]