Märtyrerinnen in der Mission

angela autsch 120Die Erinnerung an Glaubenszeuginnen- und zeugen - auch aus den Orden - darf nicht verblassen und erlöschen. Das ist das Anliegen von Helmut Moll aus Köln. In seinem umfangreichen Werk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“, inzwischen in 6. Auflage erschienen, fasst er Lebensbilder von Glaubenszeuginnen und -zeugen zusammen, die Opfer der NS-Zeit, des Kommunismus und der Missionen wurden. Exemplarisch drei Beispiele von mit Österreich verbundenen Ordensfrauen, die in der NS-Zeit in der Mission zu Glaubenszeuginnen wurden.

 

Caeliane Klaminger 120Ein Beispiel ist die aus Ponigl bei Weiz stammende Sr. Caeliane Klaminger. Sie wurde 1919 geboren und wuchs zusammen mit acht Geschwistern in Ponigl auf, wo sie die Volksschule besuchte. Am 1. Februar 1936 trat sie als Kandidatin der Kongregation der Steyler Missionsschwestern in das Provinzialhaus St. Koloman in Stockerau (Niederösterreich) ein, empfing 1939 das Ordenskleid und erhielt den Ordensnamen Caeliane. 1941 legte sie die zeitlichen  Gelübde ab. Aufgrund des Zweiten Weltkriegs konnte Sr. Caeliane vorerst nicht im Kindergartenbereich eingesetzt werden. Stattdessen pflegte sie die Verwundeten, zunächst im Orthopädischen Spital in Wien, ab Februar 1943 im Reservelazarett im Missionshaus der Steyler Missionare „Maria Treu“ im oberschlesischen Leobschütz (heute: Gúubczyce). Weil sie sich gegen die Vergewaltigung durch russische Soldaten zur Wehr setzte, wurde sie am 24. März 1945 erschossen.

 

Mariaautsch 120Die aus Westfalen stammende Maria Cäcilia Autsch (Teaser; hier im Ordenskleid) trat 1933 in Mötz (Tirol) in die Kongregation der Trinitarierinnen ein. Nach ihrer Äußerung „Der Hitler ist eine Plage für ganz Europa“ wurde sie denunziert, am 12. August 1940 festgenommen und in das KZ Ravensbrück eingeliefert. Von dort erfolgte im März 1942 Sr. Angelas Überstellung in das KZ Auschwitz, wo sie wegen ihrer Hilfsbereitschaft im Krankenrevier und in der Küche von den Mithäftlingen „Engel“ genannt wurde. Nach über vier Jahren Lagerhaft starb sie am 23. Dezember 1944 nach einem Bombenangriff an einem Granatsplitter, der sie in die Lunge traf. 1990 wurde für Sr. Angela Autsch der Seligsprechungsprozess eröffnet.

 

Epiphania pritzl 120S. M. Epiphania Pritzl, Schulschwester von Unserer Lieben Frau, wurde 1881 im böhmischen Hirschau geboren. Barbara, so ihr bürgerlicher Name, trat am Fest der Schmerzhaften Muttergottes (15. Sept. 1893) ins Kloster ein. Die längste Zeit ihres Ordenslebens wirkte S. M. Epiphania als Lehrerin und später als Direktorin in der Bürgerschule in Marienbad. 1940 wurde ihr von den nationalsozialistischen Machthabern der Unterricht verboten, da sie nicht bereit war, in Zivilkleidern in die Schule zu gehen. Am Fest Kreuzerhöhung (14. Sept. 1942) übernahm S. M. Epiphania das Amt der Provinzoberin der deutschen Provinz. Am Allerseelentag 1943 wurde S. M. Epiphania zur Gestapo nach Karlsbad gerufen und kehrte nie mehr zurück. Sie hatte als Provinzoberin das Verbot der Einkleidung und Professablegung umgangen, zum anderen fand man regimekritische Äußerungen in Briefen auf ihrem Schreibtisch. Am 18. März 1944 erlag S. M. Epiphania den harten Haftbedingungen im Konzentrationslager Ravensbrück.

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