Maximilian Lakitsch: Religiöse Konflikte stellen Sonderformen dar

2015 07 24 lakitsch 120Von 24. bis 25. Juli 2015 findet im oberösterreichischen Benediktinerstift Lambach die Fachtagung Weltkirche zum Thema „Selig, die Frieden stiften. Kirchliches Engagement gegen Gewalt und Krieg“ statt. Das Eröffnungsreferat hielt Maximilian Lakitsch vom Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung. Er ging der Frage nach, „Wie Konflikte entstehen und der Friede gelingt?”

Seit 1945 ging die Anzahl der zwischenstaatlichen Konflikte nach unten; in der jüngsten Vergangenheit erreichten sie sogar die Nulllinie. Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen zum Teil auch darin, dass Politik und Diplomatie gut funktionierten. Im Gegenzug dazu kletterte die Zahl der innerstaatlichen Konflikte in die Höhe – bis 1991. “Das Ende des West-Ost-Konfliktes ließ die Kurve ein wenig abfallen”, brachte es Maximilian Lakitsch in seinem Eröffnungsreferat auf den Punkt, “weil die Unterstützung der Supermächte fehlte”. Betrachtet man die jüngste Vergangenheit, so sind Afrika und der Nahe Osten die Hotspots, die das meiste Konfliktpotenzial auf sich vereinen.

The Walking Dead

Als anschauliches Beispiel für die Entstehung eines Konfliktes zitierte Maximilian Lakitsch die erfolgreiche amerikanische TV-Serie “The Walking Dead”, in der die USA von Zombies überrannt werden. Die staatliche Souveränität in ihrer regulativen Funktion bricht hier weg, Jeder kann seine Bedürfnisse frei verfolgen. So lange es genug gibt, um die Grundbedürfnisse der Menschen zu stillen, so lange gibt es auch kein Problem. Erst wenn die Güter knapp werden, entsteht ein Konflikt. Der Philosoph Thomas Hobbes formulierte es so: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Oft reiche es schon, wenn die staatliche Souveränität auch nicht neutral agiere und eine Gesellschaftschicht bevorzuge.

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Als anschauliches Beispiel für die Entstehung eines Konfliktes zitierte Maximilian Lakitsch die erfolgreiche amerikanische TV-Serie “The Walking Dead”. (c) Ordensgemeinschaften Österreich

Konfliktlösungsprozesse können 20 Jahre dauern

Doch religiöse Konflikte würden Sonderfälle darstellen, betont Konfliktforscher Lakitsch. Bei sozialen und/oder politischen Konflikten würde es die Bemühungen der Staatengemeinschaften und der jeweiligen Regionen erforden, in einem gemeinsamen Lösungsprozess für Frieden zu sorgen; ein Prozess, der bis zu 20 Jahre und länger dauern kann. Da das internationale Interesse aber relativ rasch erlahme, seien diese Bemühungen oft nicht von Erfolg gekrönt.

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Maximilian Lakitsch vom Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung: Konfliktlösungsprozesse können bis zu 20 Jahre dauern. (c) Ordensgemeinschaften Österreich

Religiöse Würdenträger miteinbeziehen

Bei religiösen Konflikten genüge es aber nicht, nur Politiker in den Konfliktlösungsprozess zu involvieren, weil diese nicht die Autorität und Wissen hätten, das Kernproblem zu erkennen. Zudem seien religiös motivierte Menschen kaum rationalen Argumenten zugänglich. Deshalb müssten vor allem religiöse Würdenträger miteinbezogen werden, die von allen Konfliktparteien als Autoritäten anerkannt werden. Nur so sei es möglich, die Einstellungen im religiösen Bereich von Menschen zu verändern und nachhältig Frieden zu sichern. Ein gutes Beispiel nannte Lakitsch König Hussein von Jordanien. Er arbeite mit sunnitischen Geistlichen zusammen, um etwaige religiöse Konflikte in seinem Land von Anfang an entgegenzugehen und zu verhindern.

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