Ich hätte ein Jahr der Liebe ausgerufen

Maximilian FürnsinnDer Saal in Herzogenburg war übervoll. Viele bekannte Weggefährtinnen und Weggefährten von Propst Maximilian Fürnsinn waren zur Buchpräsentation gekommen. „Leben, einfach leben“ nennt sich das Buch und trifft den Menschen Fürnsinn sehr genau. Für Leserinnen und Leser eröffnet sich spannend und persönlich erzählt die Mitte eines geöffneten und mutigen Christentums.

„Ich mag das Wort Krise nicht. Wir stehen in einem Wandel drinnen. Es kommt auf das ganz konkrete Leben und Lieben an. Deshalb hätte ich zuerst ein Jahr der Liebe ausgerufen“, meint Propst Fürnsinn an diesem tiefsinnigen und recht humorvollen Abend: „Zuerst kommt die Liebe und daraus der Glaube.“ Fürnsinn will auch an diesem Abend keinen Zweifel daran lassen, dass die Grenze der Kirche viel weiter draußen liegen muss. „Es gehören viel mehr zur Kirche, als man im ersten Hinschauen vermutet“, weiß der Probst des Stiftes aus seiner seelsorglichen Arbeit im und rund um das Stift über Jahrzehnte. Er bedauert auch, dass es heute ich der Kirche zu wenig Mut nach vorne gibt.

"Propst Maximilian Fürnsinn steht für ein lebendiges Kloster und eine lebendige Kirche ohne Angst", betonte Ex-Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad in seiner launigen Ansprache. Er sieht einen „hoch intellektuell gebildeten Menschen mit großer Bodenhaftung vor sich“. Konrad schildert auf seine Art die große „Vernetzungsfähigkeit und Gestaltungskraft“ von Fürnsinn. Sein Anliegen ist es, Brücken in alle Richtungen zu bauen und Begegnung zu ermöglichen. Gerda Schaffelhofer als Herausgeberin sieht im Buch nicht einfach eine Biografie, sondern viel mehr die Einladung zu einem spirituellen Leben, das auf Vertrauen zwischen Gott und dem Menschen beruht. Propst Maximilian gelingt es vorbildlich, "Gottvertrauen und modernes Leben zu verbinden".

Der Alltag in der Ordensgemeinschaft

Wer das Buch schon in den Händen und darin gelesen hat, bekommt Einblicke in sein geistliches Leben, das tägliche Chorgebet, Schriftlesungen, Meditationen, stilles Gebet und die tägliche Eucharistiefeier. Offen erzählt er über seine Erfahrungen als Seelsorger, oft auch in existenziellen Momenten des Lebens im Angesicht und Umgang mit dem Tod. Besonders berührend geschildert wird der Weg der Berufung und die vielen Momente von Überraschungen. Ebenso wird sich der oft rastlose moderne Mensch darin ganz konkrete Anregungen holen können, „um bei sich selber ankommen und sein zu können.“ Das stille Gebet und einfache Da-Sein liegt allem zugrunde.

Aufgezeichnet wurden die Gedanken Fürnsinns in vielen Gesprächen über mehrere Monate von der Autorin Christiane Scholler.

(Christiane Scholler: "Propst Maximilian Fürnsinn. Leben, Einfach Leben. Eine Spurensuche". Styria Verlag, 2012)

[fk]