Dem Eigensinn mehr Platz geben

Schule heißt, Raum schaffen für unterschiedliche Sichtweisen

Luftensteiner Cacilia Bartz

[Wien, 6.11.2012] Von 6.-9. November 2012 tagen die Schulerhalter und Direktoren katholischer Volks- und Sonderschulen im Bildungshaus Greisinghof in Oberösterreich zum Thema: “Wertschätzende Beziehungsgestaltung”. Adolf Bartz, Schulleiter des Couven Gymnasiums in Aachen a. D.  ist Hauptreferent bei den etwa 50 tagenden Schulverantwortlichen. Weitere Themen sind Schulpastoral, Medienarbeit, Schulgesetze und eine Exkursion nach Steyr.

“Im Schulbereich sind für Schulverantwortliche zwei ganz unterschiedliche Systeme am Werk”, betont der erfahrene Pädagoge Adolf Bartz: “Auf der einen Seite ist das Verwaltungssystem, das Abläufe regelt und Ordnungsfunktion hat. Auf der anderen Seite ist das Interaktionssystem, wo es um den einzelnen Menschen mit seinen individuellen Wünschen, Interessen und Fährigkeiten geht. Ministerien oder Schulbehörden sind immer in der Gefahr, die Handlungslogik des Verwaltungssystems auf das Interaktionssystem zu übertragen. Dabei wissen wir, dass der Eigensinn eines Menschen die Quelle für Energie und Motivation ist.” Bartz will die Schulverantwortlichen dafür senibilisieren, “dass kein Mensch nur etwas nachvollziehen möchte, was andere ihm vorgeben.” Gerade Menschen mit einem stark ausgeprägten Eigensinn gehen oft in Widerstand zum laufenden System. Deshalb will Bartz “Räume für unterschiedliche Sichtweisen” schaffen. Aus eigener Erfahrung weiß Bartz, “dass der positive Umgang mit Widerstand und Zweifel bessere Ergebnisse bringt als das Unterdrücken dieser oft innovativen Ideen und kreativen Sichtweisen.”

Bartz hat in seiner 20-jährigen Erfahrung als Schulleiter und mehrjährigen Erfahrung in der Weiterbildung von Schulleitern gesehen, was freiwillige, offene Lehrermeetings schaffen können: “Themen wie Unterrichtsentwicklung, Einschätzung der gesellschaftlichen Entwicklungen, besondere Schwerpunktsetzungen und Wertefragen sind gut in solchen freiwilligen Meetings aufgehoben.” Aus seiner Erfahrung beteiligen sich mehr als ein Drittel der Lehrkräfte an solchen Meetings, die immer auch konkrete Auswirkungen auf die Schulgestaltung genommen haben.

Bartz sieht auch eine Chance, wenn eine Schule in einem bestimmten Werterahmen einer Ordensgemeinschaften eingebunden ist: “Ein christlich geprägtes offenes Menschenbild ist ein gutes Fundament für eine respektvolle Beziehungskultur. Es geht in der menschlichen Entwicklung immer um Vertrauen. Man kann anderen Aufgaben und Anforderungen nur zumuten, wenn man sie ihnen auch zutraut. Respekt vor jeder Person und ihrer Eigenarten, die Klarheit von Regeln und Grenzen, einen gewissen Dissens aushalten und die Bereitschaft, persönliche Verantwortung zu übernehmen, zeichnen eine authentische Schulleiterin oder Schulleiter aus.” Bartz sieht diesen Rahmen dort gefährdet, “wo die Enge des Dogmatismus, Rechthaberei und ideologische Handlungsmuster um sich greifen.”

Bartz wendet sich gegen den Typ des “Machers” als Führungsmodell. Das erzeugt aus seiner Sicht eine nicht notwendige “operative Hektik”. Vor allem politische und behördliche Akteuere sieht Bartz davon infiziert. Er schlägt dagegen vor: “Wachsam und achtsam beobachten ist eine Grundvoraussetzung für die richtige Einschätzung einer Situation. Diesen wertschätzenden wahrnehmenden Beziehungsraum gilt es von Seite der Verantwortlichen lange genug offen zu halten. Nach einer transparenten Abstufung der Dringlichkeiten werden klare Signale zum Wohle der gemeinsamen Entwicklung positiv aufgenommen.”

Bartz pocht darauf, dass jede und jeder Schulverantwortliche für sich persönlich und für die Schule eine Vision, ein Bild aus der Zukunft her entwerfen muss. Diese Vision darf aber dem Kollegium nicht übergestülpt werden. Sie verleiht ein besonderes “Standing” und ermöglicht den Leitenden ein “Sich-Zurücknehmen”, dasmit sich die Fähigkeiten und Talente der Kolleginnen und Kollegen entfalten können. Bartz zusammenfassend: “Wer die Beziehungen in einer Schule wertschätzend gestaltet und das Interaktionssystem gut pflegt, wird bei der Umsetzung der Schulvision viele motivierte Mitstreiter finden. Gerade der in das Gemeinsame gestellte Eigensinn gibt dem Schulleben seine Würze und macht es spannend.”


Facts:

In Österreich gibt es 228 Ordensschulen, davon 190 von Frauenorden und 38 von Männerorden.
Sonderschulen: 5
VS: 47
HS/NMS/KMS: 49
AHS: 46
BMHS: 68
BAKIP: 13

Die Gesamtschülerzahl betrug 2011/12 insgesamt 49.673. Die aktuellen Zahlen dieses Schuljahres werden gerade erhoben und bewegen sich nach ersten Einschätzungen weiter in diesem Bereich.

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Bild vlnr:

Rudolf Luftensteiner, Geschäftsführer Vereinigung von Ordensschulen,
Sr. Cäcilia Kotzenmacher, Vorsitzende des Vereines Ordensschulen,
Adolf Bartz, Referent und Schulleiter des Couven Gymnasiums in Aachen a. D.

Fotocredit: Medienbüro
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Rudolf Luftensteiner, 0664 4251502