Einblicke in die Ordenswerkstatt: Aufhören - Anfangen

OrdenswerkstattEtwa 35 Ordensfrauen und Ordensmänner versammeln sich zwei Mal jährlich zur eintägigen Ordenswerkstatt im Kardinal König Haus in Wien. Angereist kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Österreich. Sr.  Teresa Schlackl von den Salvatorianerinnen wird im Februar nach Rom in die Ordensleitung übersiedeln und für Europa zuständig sein. In diese Werkstatt zum Thema „Aufhören und anfangen“ hat sie ihre jahrelange Veränderungserfahrung  aus ihrer Ordensgemeinschaft eingebracht.

„Alle wollen Erneuerung und keiner Veränderung“, stellt die agile Ordensfrau als Grundspannung in den Raum. Ihr ungeschminkter Blick auf die Situation hat sie zu Veränderungen „gezwungen“. Der Altersdurchschnitt ist kontinuierlich gestiegen, die finanziellen Ressourcen sind weniger geworden und den jüngeren Schwestern wollten sich nicht mehr einfach anpassen, sondern ein selbstbestimmtes Leben in Gemeinschaft führen. Außerdem hat sich das Frauenbild der Ordensfrau verändert. „Warum halten so viele Frauenorden am Frauenbild des 19. Jahrhunderts fest?“, fragt Sr. Teresa in die Runde. Sie weiß, „dass die Körpersprache der Gemeinschaft und Organisation heute die entscheidende Botschaft ist.“ Der Schritt von angepasst, unmündig und abhängig  zu kollegial, selbstverantwortet und selbstbewusst ist zu machen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Interessierte den Eindruck haben, „dass sie in ein Fossil eintreten.“

„Die besten Leute wurden in die Erneuerung gesteckt“, weiß ein Beobachter „von außen“ in Richtung der Salvatorianerinnen und weiter: „Und das hat sich bezahlt gemacht.“ Sr. Teresa sieht die Dinge auch ganz realistisch und nicht verklärt: „Vielfalt ist ein großer Reichtum. Für die Leitung aber auch stark. Individualität heißt, aus einer gemeinsamen Wurzel auf ein gemeinsames Ziel hingehen. Wir schätzen Originale, aber das gemeinsame Leben ist dann schon eine Herausforderung.“ Heute kommen die Menschen und fragen nicht wie früher: Passe ich in die Gemeinschaft? sondern sie fragen: Passt die Gemeinschaft zu mir? Sr. Teresa weiß auch aus Erfahrung, dass durch die Hereinnahme ganz neuer Personen (Laienmitarbeiterinnen) ganz neue Fragestellungen und Anliegen aufgetaucht sind.  Das wird wieder eine neue Veränderung und eine neue Durchmischung ergeben.

Ein allgemeiner Eindruck in der Werkstatt war, dass sich die Ordensgemeinschaften in ihren Werken sehr positiv weiterentwickelt haben.  In den liturgischen Formen fehlt oftmals das Update in die heutige Zeit anhand der Kernfrage: „Wie schaut Kontemplation im heutigen beruflichen Umfeld von Ordensschwestern aus?“ Der Tagesrhythmus hat sich verändert und es wird eine neue Anpassung geben müssen. Dabei steht die Zukunftsfrage wie schon immer im Raum: „Wie kann Gemeinschaftsleben gelingen – heute – in einer durch und durch individualiserten Welt.“ In Arbeitsgruppen wurde vier Themenfelder bearbeitet: Wie gewinnen wir Profil? Wie geht Leitung heute? Wie können wir Eignung heute „prüfen“? Welche Formen des Gemeinschaftsleben braucht es für Junge bei den vielen Älteren?
[fk]