Kirche sollte auch in der Tierethik Vorreiter sein

P. Martin Lintner, Moraltheologe aus Brixen machte beim Umweltsymposion in Wien klar, dass kirchliche Bildungshäuser, Klöster, Pfarrhöfe und Pfarrgemeinden ihre Lebensmittel nur von "ökologisch und tierethisch qualifizierten Bauernhöfen und nach Möglichkeit aus der Region" beziehen sollten. So könnten kirchliche Häuser ein "starkes und überfälliges Signal" setzen. "Das sollte ebenso selbstverständlich sein wie die Mülltrennung", so der Theologe. Zudem sei eine "merkliche Reduzierung des Fleischkonsums unumgänglich".

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Die Kirche sollte nicht nur in Fragen der Umwelt- und Sozialethik eine Vorreiterrolle einnehmen, sondern auch bei der damit zusammenhängenden Tierethik. Das hat der Brixner Moraltheologe Prof. Martin Lintner bei einem Vortrag im Rahmen eines Umweltsymposions am Samstag in Wien unterstrichen.

Lintner äußerte sich im Rahmen des Fachsymposions im Wiener Kardinal-König-Haus aus Anlass des Weltgebetstages für die Bewahrung der Schöpfung am 1. September. Das von der ARGE Schöpfungsverantwortung veranstaltete Symposion stand unter dem Titel "Für eine lebensfreundliche Welt mit Zukunft - Einen statt Spalten". Weitere Referenten waren Peter Weish (Forum Österreichischer Wissenschafter), Marijke Van Duin (ECEN), der Autor Tobias Plettenbacher, Pete Hämmerle (Internationaler Versöhnungsbund) und Angelika Heumader-Rainer (Jugendumweltplattform JUMP).

Der "verantwortungsbewusste Konsum tierischer Produkte" sei durch viele kleine Schritte umsetzbar, so Lintner. Beispielsweise könnten vegetarische Gerichte als Standard eingeführt werden, Fleischgerichte hingegen als "Sonderwunsch" markiert werden, "um einen Bewusstseinswandel zu fördern". Zum häufig gehörten Argument, Bio-Produkte seien zu teuer, merkte Lintner an: "Bio ist nicht zu teuer, sondern Produkte aus der konventionellen Landwirtschaft sind zu billig, weil die Kosten für die negativen Auswirkungen auf ökologischer, gesundheitlicher und sozialer Ebene nicht verrechnet werden".

In seinem Vortrag skizzierte Lintner außerdem den bisherigen ökumenischen konziliaren Prozess, in welchem sich die christlichen Kirchen immer stärker "ihrer gemeinsamen ökologischen Verantwortung bewusst geworden" seien. Auf diesem "gemeinsamen Lernweg" habe man erkannt, dass die Bereiche Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie zusammenhängen. Dies habe Papst Franziskus mit seiner Enzyklika "Laudato si" (2015) überzeugend dargelegt, so der Theologe weiter. Schließlich sei "Laudato si" nicht nur eine Umwelt-, sondern auch eine Sozialenzyklika. Wohl noch nie zuvor habe ein Papst so konsequent "die Verflechtung der ökologischen Krise mit den sozialen Fragen" behandelt und in Folge eine "ganzheitliche Ökologie" eingemahnt.

 

[mschauer]