Die wertvolle Arbeit von Frauen im Orient

Am 17. Und 18. September fand die 21. ICO-Tagung zum Thema „Frauen im Orient“ statt. Das Grußwort übernahm Sr. Franziska Bruckner und betonte ihre Freude darüber, dass damit den Frauen im Nahen Osten eine Stimme gegeben wird. So würde auch erkannt, wie wertvoll der Dienst, gerade auch von Ordensfrauen, in Syrien, Palästina, Libanon, Jordanien und vereinzelt auch im Irak ist: „Ordensfrauen unterschiedlichster Kongregationen versuchen, sich ihrem ursprünglichen Charisma entsprechend, für Kinder und junge Menschen einzusetzen, um ihnen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Aber auch alte und behinderte Menschen werden aufgefangen, um ihnen ein würdiges Leben zu bieten.“

ICO2018

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Die Tagung im Bildungszentrum St. Virgil ist sowohl Christinnen, Musliminnen als auch Frauen religiöser Minderheiten gewidmet.
Die Journalistin und Orient-Expertin Gudrun Harrer lieferte mit einem historischen und geografischen Rundumblick einen Einstig in die Thematik. Noch vor rund 50 Jahren seien in vielen islamischen Ländern kaum Frauen mit Kopftüchern zu sehen gewesen. Vermeintlich ein deutliches Zeichen dafür, dass die islamischen Gesellschaften damals wesentlich freier als heute waren. Freilich dürfe die Debatte rund um die Stellung der Frau in muslimischen Gesellschaften nicht auf das Kopftuch reduziert werden, warnte Harrer.

Vor allem mit dem Sechstagekrieg 1967 und dann mit der Iranischen Revolution 1979 habe eine Re-Islamisierung im Nahen Osten eingesetzt. Die Situation sei aber komplex. So habe die Islamische Revolution im Iran beispielsweise einen enormen Bildungsschub unter den Frauen ausgelöst und viele davon würden nun nach mehr Freiheiten streben. Auf den iranischen Universitäten seien die jungen Studentinnen oft viel kritischer und wacher als ihre gleichaltrigen Kollegen. Ein letztlich vielsagendes Detail am Rande: Im Iran gebe es zudem weltweit die meisten Nasenoperationen unter Frauen.

Junge muslimische Frauen würden sich in der Regel allen Studien zufolge in der islamischen Welt nicht von Frauen in anderen Weltteilen unterscheiden, so Harrer. Freilich gebe es auch andere Einstellungen und gesellschaftliche Vorstellungen. Und letztlich sei die rechtliche Stellung der Frauen immer noch schlechter als jene der Männer. Die oft schwache Stellung der Frauen in der Öffentlichkeit im Nahen Osten sei allerdings nicht nur dem Islam geschuldet sondern zum Teil auch kulturell bedingt und auch bei Teilen der Christen vorhanden, berichtete Harrer aus ihrer eigenen Erfahrung im Orient.

In den Golfstaaten und besonders in Saudi Arabien würden viele Frauen der Oberschicht ein Doppelleben führen, so Harrer weiter. Diese Frauen verfügten zum Teil über riesige Vermögen und würden im Westen ganz anders auftreten als in ihren Heimatländern. Die jüngsten Reformen in Saudi Arabien, dass Frauen etwa nun Autofahren dürfen, bezeichnete Harrer als bloße Kosmetik.

Ordensfrauen im Libanon im Einsatz

Sr. Franziska Bruckner, Vizepräsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreich, ging in ihrem Grußwort bei der Tagung u.a. auf die Arbeit der Don Bosco Schwestern im Libanon ein.
Die Schwestern führen im libanesischen christlichen Bergdorf Qartaba einen Kindergarten und eine Grundschule. In den vergangenen Jahren wuchs die Zahl der syrischen muslimischen Schülern aufgrund des Krieges in Syrien beständig. Von den 256 Kindern der Schule sind inzwischen 190 aus Syrien. Die Klassen sind gemischt: Buben und Mädchen, Christen und Muslime. Es gehe den Schwestern darum, den Kindern gegenseitigen Respekt beizubringen und so das friedvolle Zusammenleben der Konfessionen zu festigen, so Bruckner.

„Bildung ist deshalb so unermesslich wichtig, weil hier christliche und muslimische Kinder ein respektvolles Miteinander lernen“ betont sie nochmals ganz klar.

An diesen und einigen weiteren Beispielen wolle sie aufzeigen, wie Ordensfrauen und Frauen miteinander einen Weg gehen, wie sie einander helfend zur Seite stehen: „Es geht im Tiefsten darum, genau zu schauen, wo die Not ist, und sich zu kümmern, dass Menschen, ob klein ob groß, ob jung ob alt, menschenwürdig leben können, egal wo auf der einen Erde, unserer Welt. Und wo und wie können wir einander unterstützen und voneinander lernen? In diesen beiden Tagen werden wir erleben, wie Brückenbauen und Fenster-Öffnen zwischen zwei Welten uns nachhaltig beeinflussen. Es braucht Initiativen wie die des ICO, damit uns die Augen aufgehen und wir bei der Beantwortung dessen helfen, was „christlich leben“ in einer multireligiösen und multikulturellen Welt bedeutet. Es heißt für uns Christinnen und Christen, das Evangelium an den Brennpunkten der Gesellschaft lebendig erfahrbar zu machen und dorthin zu gehen, wo niemand hingehen will.
Als Ordensfrau, als Franziskanerin fühle ich mich mit Ihnen besonders verbunden, denn Ordensleben bedeutet Christsein auf den Punkt bringen.“

[mschauer]