100 Jahre Caritas Socialis: menschen.leben.stärken

An ihrem Gründungsort, in der Pramergasse im 9. Wiener Gemeindebezirk, startete die von Hildegard Burjan gegründete Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis (CS) am 9. Oktober 2018 in das Festjahr ihres 100. Bestehens. Motto des Jubiläumsjahres ist: menschen.leben.stärken. Die Auftaktveranstaltung im Festsaal des CS-Pflege-und Sozialzentrums Pramergasse widmete sich dem Werden und der Dynamik der Caritas Socialis.

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Sr. Susanne Krendelsberger, Generalleiterin der Caritas Socialis, begrüßte die große Zahl an Festgästen, darunter Vertreter von Politik und Kirche, sowie die Mitschwestern der Caritas Socialis, haupt- und  ehrenamtliche MitarbeiterInnen und Mitglieder des Säkularkreises. CS-Schwestern aus Brasilien wurden durch eine Live-Schaltung eingeblendet und gratulierten zum Festjahr. Sr. Krendelsberger wies darauf hin, dass die Gründungsidee von Hildegard Burjan weit über das hinausging, was damals in der Kirche möglich war. Das passte nicht in das Konzept der damaligen Zeit und sei bis heute aktuell. Sr. Karin Weiler, Bereichsleitung Werte, Ehrenamt und Sozial Pastorale Dienste in der CS, nahm zum Logo und dem Motto des Jubiläumsjahres Stellung. Es gebe gut die Dynamik der Caritas Socialis wieder. Ziel der CS sei von Anfang an gewesen und das gelte bis heute, Menschen zu stärken, sich für ihre Lebensqualität vom Beginn des Lebens bis zum Ende einzusetzen und sie in ihren Stärken zu ermächtigen. Die CS sei nichts Statisches, sondern etwas Werdendes.

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Im Foto (vlnr) Prof. Ingeborg Schödl, Sr. Karin Weiler CS, Assoz. Prof. MMag. Dr. Regina Polak, MAS, Christina Hallwirth-Spörk, MSc, Bereichsleitung Stationäre Pflege in der CS Caritas Socialis, Sr. Susanne Krendelsberger CS, Generalleiterin Caritas Socialis Schwesterngemeinschaft

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Die ganze Welt feiert 100 Jahre CS - Liveschaltung zu den CS Schwestern in Brasilien

Lerngemeinschaft der Freiheit

„Warum und wie ist die Caritas Socialis geworden ist, was sie heute ist?“, lautete das Thema des Vortrags von Prof. Regina Polak, Assistenzprofessorin am Institut für Praktische Theologie an der Universität Wien. Polak bezeichnete die Caritas Socialis als „Lerngemeinschaft der Freiheit“. Die Referentin bezog sich auf ihr Oral-History-Forschungsprojekt, in dem 11 Schwestern der Caritas Socialis ihre Lebensgeschichte und ihre Geschichte mit der CS mit ihr geteilt haben. „Freiheit ist kein  Selbstzweck, sie dient dem Leben und stärkt es in jeder Phase.“ Die Befreiung aus Ungerechtigkeit, aus äußeren und inneren Zwängen und Nöten und der Einsatz für eine gerechte Gesellschaft sei einer Spiritualität entsprungen, die der biblischen Freiheit entspricht. „Im Werk und Wirken Hildegard Burjans wird die Einheit von Liebe und Gerechtigkeit spürbar.“  Die Gründerin der Caritas Socialis sei eine „Lernende und Lehrende der Freiheit“ gewesen. Zeitlebens habe sie gelernt, sei bereit gewesen, Fragen zu stellen und von allen Gesellschaftsschichten zu lernen und sie habe ihr Wissen in den Dienst derAufgabe gestellt. Bis heute lege die CS höchsten Wert auf intensive fachliche Ausbildung und spirituelle beständige Erneuerung. „Hildegard Burjan lehrt: Freiheit und Gerechtigkeit sind untrennbar verbunden.“ Sei die Freiheit verletzt, leide auch die Gerechtigkeit. Soziale Arbeit bestehe nicht nur aus Fürsorge, es brauche auch gerechte Strukturen. Ohne die Ursache von Armut und Not zu beseitigen, könne die Not nicht gelindert werden. Hildegard Burjans Botschaft sei: „Spiritualität und politisches Engagement gehören zusammen.“ Im Handeln der Armen und Reichen soll Gottes Liebe aufleuchten. Das sei für die Gründerin wichtig gewesen.

Hoffnungszeichen und Lernort für die Kirche

Im zweiten Teil ihres Vortrags widmete sich die Vortragende der Reform der Caritas Socialis nach dem Zweiten Vatikanum. Hier nannte sie vor allem die damalige Generalleiterin Sr. Elia Niklas, die entscheidend zur Wiederentdeckung des Ursprungscharismas beitrug. Polak charakterisierte Sr. NIklas als „kraftvolle Persönlichkeit“, die „selbst innerlich frei war und anderen die Freiheit eröffnet, Befreiungsprozesse riskiert hat“. In ihrer Zeit brachen Schwestern nach Brasilien auf. Sie gab eine Textsammlung von Hildegard Burjan heraus und erschloss den Mitschwestern den Zugang zu den Quellen. Umfassende Kommunikationspozesse setzte sie in Gang,  sie gab Jungen eine Stimme und es wuchs das Gefühl: „Wir sind die Caritas Socialis!“ Freiheit braucht Partizipation, sie bedarf der Stimme der Jungen und sie braucht spirituelle Vertiefung und theologische Reflexion. Polak:  „DIe CS ist ein Hoffnungszeichen und Lernort für die Kirche. Das Evangelium kann immer wieder gelernt werden. Die CS ermutigt zum Abenteuer, das eigene Charisma zu entdecken und in die Freiheit aufzubrechen. Und die CS ist mit ihrem Werden und Wirken damals und heute auch ein Schatz für die Gesellschaft und die Politik.“

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Assoz. Prof. Dr. Regina Polak erzählte in ihrem Vortrag, warum und wie die Caritas Socialis geworden ist, was sie heute ist.

Was die CS ausmacht

Christina Hallwirth-Spörk, Bereichsleiterin stationäre Pflege der Caritas Socialis, machte im zweiten Vortrag anschaulich, was die CS in allen ihren Tätigkeitsbereichen ausmacht: „Die Not erkennen, zusammen mit anderen träumen von Verbesserungen, die ersten Schritte planen und umsetzen.“ Hallwirth-Spörk verwies auf die CS-Schwester Hildgard Teuschl, eine der maßgeblichen treibenden Kräfte der Hospizarbeit in Österreich. Ihr gelang es, Menschen um sich zu sammeln, die die Hospizlandschaft in Österreich prägten und prägen. Die CS entwickelte weitere differenzierte, multidisziplinäre Angebote: schwerkranke Menschen in den letzten Lebenstagen und -wochen werden im CS-Hospiz Rennweg oder mobil betreut. Menschen mit einer Demenzerkrankung werden in abgestuften spezialisierten Einrichtungen und integrativ, je nach Bedarf betreut. Das Projekt „Hospizkultur und Mäeutik“ wurde auf den Weg gebracht, ein Kurs für Demenzwegbegleiterinnen umgesetzt, ein Demenzdialog ist entstanden, Initiativen versuchen, die Wiener Bevölkerung demenzfreundlicher zu machen, Demenz zu enttabuisieren und schon Kinder für Menschen mit Demenz zu sensibiliseren. Es gibt Selbsthilfegruppen für Menschen mit Demenz. Mit der Auszeichnung des Liechtenstein-Preises wird im Jahr des 100-jährigen Bestehens der CS Caritas Socialis ein innovatives Projekt gestartet: Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen haben in der letzten Lebensphase große Herausforderungen zu bewältigen. Ein interdisziplinäres Team mit intensivem gerontopsychiatrischem Schwerpunkt ergänzt die bestehenden Angebote der palliativen Begleitung in der CS Caritas Socialis. Hallwirth-Spörk: „Wir erleben uns auch heute noch in der Nachfolge von Hildegard Burjan und wir gehen gestärkt in die Zukunft!“

Weitere Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr finden Sie auf der Website der CS-Schwesterngemeinschaft.

Fotos: © CS Caritas Socialis

[hwinkler]