Klöster als boomende Enklaven des Minimalismus

 „Klöster sind institutionalisierte Oasen des Aussteigertums, die im Kontrast stehen zum Einheitsbrei der Lebensstile. Man findet uns Mönche sympathisch, weil wir als eine Art spirituelle Pandabären gelten.“ formuliert der Theologe P. Karl Wallner pointiert. Die Zahlen geben ihm Recht. Ähnlich dem Ansturm auf Babypandas geht es auch Klöstern als Anlaufstelle für Auszeiten. Auch die Medien werden aufmerksam. Das Wirtschaftsmagazin trend schreibt über Klöster.

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Ästhetisch-kultureller Genuss oder asketisch-spirituelles Erlebnis? Das Wirtschaftsmagazin trend begibt sich auf Spurensuche in Klöster

Das Wirtschaftsmagazin Trend hat den Trend des Auszeitsuchens im Kloster erkannt und auf seine Titelseite gebracht: „Boom der Klöster. Chillen unter dem Kreuz“ heißt der Aufmacher, auf den eine intensive Auseinandersetzung und Spurensuche nach dem Hintergrund der Anziehung, die Stift und Klöster auf uns ausüben, folgt: (*Hier in Auszügen)

Zeitlosigkeit

Klöster existieren seit ewigen Zeiten unverändert am gleichen Ort. Sie haben Kriege überstanden und Revolutionen: Sich hier einzuquartieren heißt, die Dimension der Zeitlosigkeit zu erfahren: Der Salbei im Klostergarten wächst seit dem Mittelalter an gleicher Stelle, die Choräle sind seit dem sechsten Jahrhundert die gleichen. Das Holz der Kirchenbänke knarrt, wie es vor dreihundert Jahren geknarrt hat, wenn die Patres ihre Plätze verlassen und sich nach dem „Salve Regina“ in ihre Zelle zurückziehen.
Die Regelmäßigkeit in Abläufen, die Sicherheit die sich dadurch ergibt, die Tradition die erwächst und Kraft gibt inspiriert die Menschen.

Ansturm

„Mütter, die eine Auszeit brauchen, Studenten, die sich vor einer Prüfung in einem der Gästezimmer vergraben, Manager, Wissenschaftler oder Ärzte, die zu ihrem Alltag auf Distanz gehen wollen, oder Sinnsuchende- sie alle klopfen an unserer Pforte“, berichtet Frater Laurentius, der Gastmeister von Stift Heiligenkreuz im Wienderwald. Jeden Sommer sei der Gästetrakt schon Monate im Voraus ausgebucht. Zu Weihnachten und zu Ostern sei es fast aussichtslos eine Zusage zu erhalten. Man würde die dreifache Menge an Betten brauchen, um der Nachfrage zu entsprechen.

Gastfreundschaft in der DNA

Der kleine Gästetrakt verfügt über vier Doppel- und z wie Einzelzimmer. „Wir sind kein Hotel“, erklärt Pater Franz Ackerl, der Gastmeister. „Wir führen kein professionelles Gästehaus und haben deshalb auch keine fixen Tarife.“ Betten machen und Spreisen zu den Tischen tragen betrachten die Ordensleute nicht als „Job“. Ihre Haltung ist eine andere als die von Servicemitarbeitern in der Gastronomie. „Die Gastfreundschaft liegt in ihrer DNA. In jedem Gast begegnet ihnen Christus“, erklärt Ferdinand Kaineder, Sprecher der Ordensgemeinschaften Österreich.

„Für einige Gemeinschaften ist der Gastbetrieb Grundlage ihres Einkommens, da kann man durchaus von einem Geschäftsmodell sprechen“ fügt er hinzu. Stift Göttweig etwa ist Mitglied der Marketingplattform „Genießerzimmer“. Bad Kreuzen fungiert als erstes Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin und ist ein klassischer Betrieb mit Angestellten. Mancherorts wurden zu den barocken Prachtbauten moderne Annexe dazugebaut. In Gurk eröffnete im Juni dieses Jahres im ehemaligen Kapiteltrakt und im Probsthof neben dem Don ein neues Hotel, das die Diözese um fünf Millionen Euro errichten ließ. Mit 45 Zimmern, einem Stiftscafé, einem Gewölberestaurant, mehreren Tagungsräumen, Kinderspielplätzen und einem Wellnessbereich versteht es sich als moderne Herberge für Pilger, Familien und Seminargäste.

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"Mönche gelten als eine Art spirituelle Pandabären" wird P. Karl Wallner im trend zitiert

Enklaven des Minimalismus

Daraus ein Erstarken des Glaubens abzulesen wäre falsch, erklärt Kaineder. „Die Sehnsucht nach einem spirituellen Leben gab es immer. Früher reiste man nach Indien oder Nepal. Heute entdeckt man das Kloster als cool.“ In der Zeit der Reizüberflutung wirken Klöster wie Enklaven des Minimalismus. In diese Welt einzutauchen verlangt Verzicht. Lange bevor Digital Detox in Mode kam, galt bereits: Kein TV- oder Telefonanschluss im Z immer, Tagwache um fünf Uhr früh, Wasser Saft und Kräutertee statt Alkohol. „Das stellt eine gewisse Herausforderung dar“, meint Hertha Mayr, Fachärztin für Psychosomatik an der Kepler Universität Linz, aber so soll es auch sein. Klosterurlaub soll nicht zu einer von hundert anderen Freizeitideen verkommen. Einfach im Kloster vorbeischauen, das geht nicht.“

 

Gesamter Bericht in trend 39/2018

 

[mschauer]