Tagung im Stift St. Peter würdigte Gelehrte des Benediktinerordens

Die vielfältigen Beiträge der Benediktiner zum kulturellen und wissenschaftlichen Erbe Europas vom 8. Jahrhundert bis zur Gegenwart standen im Zentrum einer Tagung, die von 23. bis 25. Oktober 2018 in der Erzabtei St. Peter in Salzburg stattgefunden hat. Unter den prominenten Historikern, die "Benediktiner als Gelehrte" vorstellten, war auch P. Bernard Ardura, der selbst dem Prämonstratenserorden angehört und Präsident des Päpstlichen Komitees der Geschichtswissenschaften im Vatikan ist.

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Foto: © Michael Rieß

P. Ardura stellte den aus venezianischem Adel stammenden Mönch Angelo Maria Quirini (1680-1755) vor: Als Bibliothekar der römischen Kirche, Bibliotheksgründer in Brescia, Handschriftensammler und Brückenbauer zu den Kirchen des Ostens habe sich Quirini Verdienste über sein Jahrhundert hinaus erworben, so der führende vatikanische Kirchenhistoriker.
Ordensleute aus den frühesten Jahrhunderten wurden bei der Tagung "Benediktiner als Gelehrte" gewürdigt, angefangen von Mönchen der karolingischen Zeit wie etwa Hrabanus Maurus (780-856), Abt des Klosters Fulda und Erzbischof von Mainz, sowie Abt Paschasius Radbertus von Corbie (785-865), deren Leben von den Historikern Marc-Aeilko Aris (München) und Reinhard Meßner (Innsbruck) beleuchtet wurden. Als anerkannter Universalgelehrter trotz schwerster körperlicher Behinderungen galt Hermann der Lahme (1013-1054) aus dem Kloster Reichenau, der beispielsweise eine Weltchronik verfasste sowie Uhren, mechanische Geräte und Musikinstrumente herstellte, wie der Schweizer Historiker Ernst Tremp berichtete.
Das medizinische Wirken sowie die rege Übersetzungs- und Vermittlungsarbeit, die Konstantin der Afrikaner von der Abtei Montecassino im 11. Jahrhundert entwickelte und dabei von Italien in andere Teile Europas und in den Mittelmeerraum ausstrahlte, waren Thema des Vortrags des Münchner Historikers Christof Paulus. Engelbert von Admont (1250-1331), seit 1297 Abt in dem steirischen Stift, verfasste wichtige theologische, naturphilosophische und ethische Werke mit enormer thematischer Weite, wie Herbert Schneider von den Monumenta Germaniae Historica in München darlegte.

Methodenentwickler und Geschichtsschreiber

Die Verfeinerung des Instrumentariums methodisch-kritischer Quellenanalyse sowie die Begründung der Urkundenlehre - der sogenannten Diplomatik - ist Jean Mabillon (1632-1707) zu verdanken. Der Mauriner-Mönch aus der Pariser Abtei Saint-Germain-des-Prés sei eine "Symbolgestalt des wissenschaftlichen Aufbruchs" geworden, erklärte der Historiker Andreas Sohn. Von Mabillon sind Portraits erhalten - im Unterschied zu den monastischen Gelehrten vor Ende des 14. Jahrhunderts, wie Wolfgang Augustyn, stellvertretender Direktor des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München, aufzeigte: Erst damals kamen individuelle Bildnisse auf.
Aus der Reihe der benediktinischen Gelehrten in der Frühen Neuzeit ragt - so der Münchner Kirchenhistoriker Franz Xaver Bischof - auch Fürstabt Martin Gerbert von Sankt Blasien (1764-1793), der am kulturellen Austausch mit Frankreich und den Maurinern stark interessiert war und sein Schwarzwaldkloster zu einem anerkannten Zentrum der kirchenhistorischen Forschung in Deutschland machte, hervor. Auch das Leben und Wirken des Salzburger Erzabtes Amand Pachler (1624-1673) aus dem heutigen Bad Reichenhall kam zur Sprache durch ein Referat seines Nachfolgers Erzabt Korbinian Birnbacher. Pachler ging mit zahlreichen historischen Schriften, u.a. zur Lebensbeschreibung der Salzburger Bischöfe, in die Wissenschaftsgeschichte ein.

Anglikaner-Experten, Astronomen und Meteorologen

Der Mönch der Abtei Downside in England, Aidan Gasquet (1846-1929) aus London, machte Karriere an der Spitze des Vatikanischen Archivs und der Vatikanischen Bibliothek und regte Forschungen zur Reformation auf den Britischen Inseln und zur Anglikanischen Kirche an. Einblicke in sein Schaffen gewährte die aus Gmunden stammende Historikerin Christine Maria Grafinger, die selbst bis Ende des Vorjahres 31 Jahre lang die Handschriftenabteilung der Vatikan-Bibliothek geleitet hatte.
P. Amand Kraml, Direktor der Sternwarte Kremsmünster, unterstrich die Bedeutung der 1759 fertiggestellten, als "Mathematischer Turm" bezeichnete Einrichtung für astronomische und meteorologische Arbeiten. Er stellte zwei Vorgänger näher vor: Pater Marian Koller (1792-1866) und Pater Franz Schwab (1855-1910), in dessen Amtszeit der Beginn der systematischen Registrierung der Luftelektrizität und im Bereich der Geophysik die ersten Erdbebenbeobachtungen in der Habsburger-Monarchie fallen.
Ein Admonter Benediktiner, der Obersteirer Guido Schenzl (1823-1890), übte ab 1870 - so der Archivar Johann Tomaschek - großen Einfluss als Direktor der neu errichteten staatlichen Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus in Budapest und auch als Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften aus. Ein Zeitgenosse war Cölestin Wolfsgruber (1848-1924) aus der Wiener Schottenabtei, der Stiftsarchivar und Stiftsbibliothekar, sodann Hofprediger und Kirchenhistoriker an der Wiener Universität wurde. Zu seinen wichtigsten Werken zählen laut der Grazer Kirchenhistorikerin Michaela Sohn-Kronthaler die Studien zu den Wiener Fürsterzbischöfen und Kardinälen sowie eine Darstellung zur Kirchengeschichte Österreich-Ungarns.

Nobelpreis-Schüler und Abt

Doch auch Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts von Weltrang waren Thema der Tagung, darunter der niederösterreichische Benediktiner Reginald Zupancic (1905-1999), Schüler des tiefreligiösen steirischen Physikers Victor Franz Hess (1883-1964), der ein Leben lang über Radioaktivität und Luftelektrizität forschte und die Kosmische Strahlung entdeckte. Während Hess 1936 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde, gelangte Zupancic, der 1934 in Innsbruck bei Hess die Doktorarbeit über "Die Nachlieferung der Radium-Emanation aus dem Erdboden" schrieb, später auf den Abtsstuhl von Melk und vermittelte seine exzellenten Physikkenntnisse den Schülern des Stiftsgymnasiums.

Liturgische Aufbrüche

Dass von den Benediktinern auch wichtige liturgische Aufbrüche ausgingen, zeigten Schilderungen über die Reformen im Eifelkloster Maria Laach, die dann später vom Zweiten Vatikanischen Konzil aufgegriffen worden seien. Verbunden waren sie u.a. mit dem Namen von Angelus Häußling, der seinerseits von seinen Innsbrucker Lehrern Karl Rahner und Josef Andreas Jungmann geprägt war, wie der Liturgiewissenschaftler Martin Klöckener aus dem Schweizer Fribourg betonte. Präsentiert wurde bei der Tagung zudem das Buch "Benediktiner als Päpste" von Andreas Sohn; keine Ordensfamilie könne so viele Päpste in Mittelalter und Neuzeit für sich in Anspruch nehmen wie die benediktinische, so der Buchautor von der Universität Paris-Nord (UP XIII).

Sohn war auch Organisator der Tagung, zu der Referenten und Teilnehmer aus Deutschland, Frankreich, Österreich, der Schweiz, Ungarn, den USA und dem Vatikanstaat kamen. Die Veranstaltung stand unter Schirmherrschaft u.a. von Erzbischof Franz Lackner, Wissenschaftsminister Heinz Faßmann und Landeshauptmann Wilfried Haslauer; eröffnet wurde sie vom Salzburger Universitätsrektor Heinrich Schmidinger, Benediktiner-Abtpräses Johannes Perkmann und dem emeritierten Linzer Bischof Maximilian Aichern.

[hwinkler]