150 Jahre: Gottes Liebe sichtbar und erlebbar machen

Am 150. Gründungstag hat die Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe am 21. Nov 2018 das Jubiläumsjahr mit einem Festgottesdienst, einer Lichterprozession und einem Festkonzert beendet. Bischofsvikar P. Gerwin Komma analysiert die Jetzt-Zeit scharf: „Wir weinen  nicht mehr angesichts des Drama der Anderen.“

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Die Schwestern tragen das Bild der Gründerin zum Altar.
Foto in Druckqualität (Foto: fkaineder)

Mit einem einfachen Schwarz-Weiß-Bild von der Gründerin Franziska Lechner (1933-1894), die am 21. Nov 1868 die Kongregation in Wien gegründet hat, zogen die Schwestern in die Klosterkirche ein. Mitgeschwungen ist die damalige Sorge der Gründerin „für junge Frauen, die vom Land in die Großstadt Wien kamen, sowie für arme, verwaiste und benachteiligte Kinder“, die sich im heutigen Leitspruch „Gottes Liebe sichtbar und erlebbar machen“ ausdrückt. Der Wiener Bischofsvikar für Orden P. Gerwin Komma SJ blickte ungeschminkt auf die heutige Gesellschaft und Entwicklungen, die Sorgen bereiten: „Wir drängen heute zu viele Menschen in die Armutsfalle. Das Ziel der Ordensgründerin war gegenteilig: anpacken und aufrichten.“ Komma konstatierte: „Viele Menschen heute glauben, die Probleme seien global und man daher nichts machen könne“. Der Mensch wird heute als Konsumgut gesehen, „zum Gebrauch und dann zum Wegwerfen. Mit jeder Ausschließung ist die Würde des Menschen existentiell getroffen.“

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vlnr: P. Gerwin Komma, Helga Penz, Oberin Sr. M. Emanuela Cermak mit Mitschwester Sr. M. Digna Blochberger
Foto in Druckqualität (Foto: fkaineder)

Sind Menschen Müll?

Komma sehr eindringlich mahnend: „Die Menschen draußen werden heute als Müll, als Abfall gesehen. Wir stumpfen ab und werden dafür stumpf gemacht. Wir haben vergessen, was Liebe bewirken kann. Auf uns kommt es an.“ Komma plädiert daher beim Gründungsfest für einen radikalen Perspektivenwechsel im jesuanischen Sinne. „Es geht um unsere persönlichen Lebensstil, der sich gegen die Pluralisierung der Gleichgültigkeit aufrichtet. Wir weinen nicht  mehr angesichts des Drama der Anderen. Die Kultur des Wohlstandes betäubt uns. Lassen wir uns erschüttern von den Menschen heute, vor allem von denen in Not. Jeder Tag sei ein Ansporn für gelebte und unverbrüchliche Solidarität für das Gemeinwohl.“ Und in Richtung der zahlreichen Schwestern: „"Wie Sr. Franziska, so habt auch Ihr Euch, liebe Schwestern erschüttern lassen und sorgt Tag für Tag für die Euch anvertrauten Kinder, für Eure Schülerinnen und Schüler, für Menschen in Not. In ihnen begegnet Euch Christus und schenkt Euch Kraft für Euer Tun."

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Nach dem Festgottesdienst zogen die Festgäste in einer Lichterprozession in den Klostergarten um Marienlob. Bei einer festlichen Agape im Speisesaal der Schwestern stärkten sich alle, bevor es zum Festkonzeirt des Chores der Diözesankonservatoriums Wien in die Klosterkirche ging. 

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Die Kongregation in Zahlen: In der Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe sind weltweit etwa 1.000 Schwestern in 12 Provinzen in 19 Ländern und 165 Niederlassungen tätig und sprechen 14 Sprachen.

Kooperation mit der Akademikerhilfe

Im Zuge ihres 150-Jahr-Jubiläums wurde eine offizielle Zusammenarbeit mit der Akademikerhilfe begonnen. Konkret wird die Akademikerhilfe das Studentenheim der Ordensfrauen in Wien unweit des Hauptsitzes der Kongregation betreiben, das derzeit generalsaniert wird. Bei der Vertragsunterzeichnung betonte der Obmann der Akademikerhilfe, Christian Sonnweber, dass nun die Akademikerhilfe "ihrem Auftrag entsprechend durch die Kooperation mit den Töchtern der göttlichen Liebe Wohnraum für Studenten in der Wiener Innenstadt günstig anbieten könne". "Mit der Akademikerhilfe habe die Kongregation einen kompetenten Partner an der Seite, der dem kirchlichen Bereich sehr verbunden ist", so die Provinzoberin Sr. M. Emanuela Cermak. Zurzeit wird das Haus in der Fasangasse 46, das sich im Eigentum der Kongregation befindet, bis Mai 2019 generalsaniert. Es werden 69 A+-Einbettzimmer entstehen und nach Fertigstellung der Akademikerhilfe zur Bewirtschaftung und Belegung übergeben. Die Bezeichnung A+ umfasst Zimmer mit eigener Dusche, WC und Kleinküche. Insgesamt werden von der Akademikerhilfe in 34 Studentenheimen in ganz Österreich und rund 4.400 Heimplätzen in Wien, Eisenstadt, Graz, Leoben, Linz, Salzburg, Klagenfurt und Innsbruck angeboten.

Kong Götliche Liebe Akademikerhilfe

Die Predigt von P. Gerwin Komma zum Nachlesen

Der Festvortrag von Helga Penz beim Jubiläumsgottesdienst im Stephansdom 8. Juni 2108

Die Website der Kongregation mit allen Jubiläumsveranstaltungen

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