Erzabt Asztrik Várszegi: #wach heißt kritisch, aber auch voller Güte sein

Den Reigen der Vorträge am Ordenstag am 27. November 2018 im Kardinal König Haus in Wien XIII eröffnete Erzabt em. Asztrik Várszegi von der Benediktinerabtei Pannonhalma in Ungarn. Er sprach vor rund 500 Ordensoberinnen, Ordensoberen und leitenden Verantwortlichen bei den Orden über „Treu zu seiner Sendung stehen schafft prophetische Zeichen“. #otag18 #wach

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Erzabt em. Asztrik Várszegi: "Es gilt nur von Herz zu Herz, von Jesu Herz zu der Menschen Herz." (c) Medienbüro der Ordensgemeinschaften Österreich/Magdalena Schauer

„Ich bin kein Prophet“ – mit diesen überraschenden Worten begann Erzabt em. Asztrik Várszegi seinen Vortrag. „Aber ich habe Anteil am Prophetentum durch meine Taufe, durch die Sakramente … wie ihr alle, meine Brüder und Schwestern.“ Um dann sein Resümee mehr oder weniger vorwegzunehmen: Es brauche keine große Taten, um prophetische Zeichen zu setzen. „Ich bin der Meinung, wir Kleinen können mit Kleinigkeiten Neues und Gutes beginnen.“

Und er nannte auch gleich ein Beispiel: Vor einigen Jahren waren 400 StudentInnen aus aller Welt nach Pannonhalma auf Besuch gekommen, und Várszegi hatte fünf Minuten Zeit zu erklären, was ein Kloster sei. Letztendlich meine er, Pannonhalma sei ein „über 1000jähriges Kommunikationszentrum“. Seine Begründung für diese ungewöhnliche Definition: „Wir versammeln uns jeden Tag, lesen, beten, suchen und fragen gemeinsam nach dem Geheimnis unserer Menschseins. Wir versuchen unsere eigenen Wünsche, Laster und Tugenden zu verstehen. So entsteht ein Dialog. Was daraus entsteht, das wollen wir in unseren Pfarren weitergeben. Wir machen nichts anderes als das Hauptgebet Jesu Christi zu verwirklichen: Liebe Gott von deinem ganzen Herzen, und auch deinen Mitbruder und Mitmenschen“.

Tatsache sei, die Welt habe sich komplett verändert; fast fühle man sich als Ordenschrist schon selber fremd in dieser Welt. Aber auch die Menschen fühlen sich unwohl. Und hier stellt Várszegi die eigentliche Frage: „Welche prophetische Präsenz brauchen die Christen?“ Um auch gleich die Antwort zu geben: „Wir müssen in unsern Kommunitäten leben und vorleben, was wichtig ist: die Liebe. Sie ist die Barmherzigkeit Gottes.“ Das müsse man leben, nicht nur im Gebet, wie man mit den Menschen umgehe. „Das soll Frieden und Freude in ihren Herzen schenken“, so der Erzabt. Dazu müsse man einfache Worte finden. „Wir müssen nur das Notwendigste mitnehmen. Es gilt nur von Herz zu Herz, von Jesu Herz zu der Menschen Herz.“

Und ein weiteres Beispiel nannte Várszegi: Pannonhalma lebte in seiner 1000jährigre Geschichte schon immer an der Grenze zu zwei Welten: Türken und Christen, Ost und West. Das Kloster war immer ein Zufluchtsort. Nach der Französischen Revolution nahmen die Ordensmänner französische Mitbrüder, aber auch Mitschwestern auf; sie ruhen bis heute gemeinsam in der Krypta. Während des ersten kommunistischen Regimes versteckte das Kloster einen Rabbi; im II. Weltkrieg retteten sie Juden und Soldaten. „Auch Migranten kamen vor sechs Jahren; wir haben Familien aufgenommen, und das zum Trotz der Regierung. Das war unser Alltag“, erzählte Várszegi. „Es gibt Situationen für einen Christen, wo er sich anders benehmen muss als von ihm erwartet wird.“ Und weiter: „Wach sein heißt kritisch, aber auch voller Güte sein.“

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[rsonnleitner]