Aus Georg wird Tarcisius

Nicht nur Päpste geben sich beim Amtsantritt neue Namen, auch in Ordensgemeinschaften sind Neubenennungen als Symbol der Erneuerung und programmatisches Signal gang und gäbe. Was es mit der Vergabe neuer Namen in Klöstern und Stiften auf sich hat, hat nun Tarcisius Sztubitz aus der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz in seiner Diplomarbeit ergründet.

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Foto: © Magdalena Schauer

Neubenennungen gab es demnach bereits in der frühen Kirche. "Als Zeichen von Bekehrung und einer wichtigen Position waren sie schon im Frühchristentum bei Taufen und Bischofsweihen üblich, bei der Papstwahl haben sie sich ja bis heute erhalten", so Sztubitz. In den Ordensgemeinschaften hätten sie sich erst langsam ab dem 11. Jahrhundert verbreitet und sind bis heute Ausdruck dafür, dass sich Mönche und Nonnen von Gott in besonderer Weise gerufen wissen.
Die Neubenennungen hätten aber wohl auch praktische Gründe gehabt, erklärte der Frater: "Im Spätmittelalter reduzierte sich die Vielfalt der Namen. Bis dahin kannte man noch viele Ruf- und Spitznamen, die wie Eigennamen verwendet wurden." Mit der Neuzeit sei diese Bandbreite verschwunden, irgendwann habe es nur noch wenige Standardnamen gegeben. Umbenennungen hätten dann geholfen, Namenshäufungen zu vermeiden.
Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe meist der Ordensobere oder die Oberin den Namen zugeteilt. Seither aber werde ein Ordenseintritt nicht mehr nur als Abkehr von der Welt, sondern vor allem als Vertiefung der Taufe begriffen. "Novizen dürfen nun ihren Taufnamen oft behalten oder Vorschläge für einen Ordensnamen machen", so Sztubitz. Er selbst sei auf Georg getauft worden. "Im Stift Heiligenkreuz habe ich mir Tarcisius als Namen gewünscht, den Patron der Messdiener. Ich war nämlich lange Zeit Oberministrant."

Das Buch "Der Ordensname, seine Entwicklung und Besonderheiten" von Frater Tarcisius Sztubitz erscheint voraussichtlich im Mai 2019 im Heiligenkreuzer Be&Be-Verlag.

[hwinkler]