Die Berufung- der #wachste Moment im Leben

In einem Gespräch mit dem SONNTAG beschrieben 4 junge Ordensleute den Moment bzw. den Weg ihrer jeweiligen Berufung: Wie Gott sie geführt hat seit dem Eintritt in den jeweiligen Orden und warum sie rückblickend ihre Entscheidung nicht bereuen. 

Sr. Doris Eder von der 
Kongregation der Helferinnen, Christoph Salinger, von den Salesianern Don Boscos, 
Sr. Franziska Madl von den Dominikanerinnen und 
Fr. Tarcisius Paukovitsch von den 
Dominikanern schildern ihre Erlebnisse.

 

Sr. Doris Eder,
Kongregation der Helferinnen

 Sr. Doris Eder Orden Eder Doris Spiegel jpg     


Seit 2005 gehöre ich zur Kongregation der Helferinnen. Heute noch kann ich manchmal staunen über diese Tatsache. Es war nicht in meinem Lebensplan vorgesehen, Ordensfrau zu werden, und ich habe auch nicht aktiv nach einer Gemeinschaft gesucht.

 

Vielmehr hat Gott mich gelockt und dabei nicht locker gelassen. Ganz konkret durch das Kennenlernen meiner jetzigen Mitschwestern. Ich habe sie als starke und lebendige Frauen erlebt, welche mitten im Leben stehen und miteinander versuchen, ihr Leben und ihren Glauben zu teilen.

 

Angezogen hat mich die Normalität, mit der sie dies tun: in kleinen Gruppen und in Wohnungen lebend, mitten unter den Menschen und in vielfältigen Berufen. Das hat in mir die Frage auftauchen lassen: Wäre das nicht etwas für dich? Könntest du dir vorstellen, so zu leben?

 

Nach einigem Ringen konnte ich schließlich die notwendigen Schritte wagen. Im Lauf der Jahre durfte und darf ich immer mehr entdecken, was für mich der Reichtum eines solchen Lebens ausmacht: ein Wachsen an mehr Lebendigkeit, Freude und Frieden – und dies nicht nur in den hellen Wegstrecken, sondern auch in den dunklen Abschnitten meines Lebens.

 

In unserem Charisma drücken wir das gern mit dem Worten „durch-gehend hoffen“ aus. Wir versuchen Krisen als zum Leben dazu gehörend anzunehmen, vertrauend unsere Schritte zu setzen und die Hoffnung nicht aufzugeben – für uns selber und für die Menschen, mit denen wir unterwegs sind.

 

Dies nicht allein zu tun, sondern eingebunden in eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die mir Weggefährtinnen sind, erfüllt mich mit Freude. So kann ich nur den Satz bestätigen, den mir mein Begleiter am Anfang meines Weges mitgegeben hat: „Das Leben mit Gott ist ein Abenteuer. Je tiefer du dich auf Ihn einlässt, desto bunter wird es.“ 

 

Ich bin dankbar für dieses bunte Leben mit Gott und den Menschen.



Christoph Salinger,
 Salesianer Don Boscos

Christoph Salinger Orden Salinger Statue 1 3      

 

„Ich habe Gott versprochen, bis zu meinem letzten Atemzug immer für euch, meine lieben Jugendlichen, da zu sein“ (Don Bosco) – Diese Einstellung Don Boscos fasziniert mich immer wieder.

 

Das erste Mal hörte ich während meiner Schulzeit von Don Bosco. Ich habe gar nicht so viel über ihn als Person gelernt, aber ich habe durch die Salesianer die vor Ort lebten und arbeiteten Don Bosco erlebt, den salesianischen Geist eingeatmet.

 

Nach der Matura begann ich meinen Zivildienst im „Don Bosco Flüchtlingswerk – Austria“. Im Flüchtlingswerk konnte ich eine Erfahrung mit Jugendlichen machen, die wirklich unsere Hilfe brauchen.

 

Dort habe ich verstanden, dass der salesianische Geist, das Charisma ist in dem ich leben und mit dem ich arbeiten möchte. Ich habe gemerkt, dass es mir nicht ausreicht, mit und für Jugendliche zu arbeiten, sondern dass es notwendig ist, eine radikalere Entscheidung für mein Leben zu treffen.

 

Nach Gesprächen mit meinem geistlichen Begleiter, der mich schon jahrelang kannte und meinen Weg verfolgte, habe ich begonnen, mich mit der Frage auseinander zu setzen: „Soll ich Salesianer Don Boscos (SDB) werden oder nicht?“, um zu verstehen, ob ich eine Familie gründen oder den Weg des Ordenslebens gehen soll.

 

Ich wollte meine gesamte Zeit und all meine Energien für diese Jugendlichen einsetzen. Und so zog ich im Jänner 2017 in die Ausbildungsgemeinschaft der SDB. Es ging dabei darum, eine direkte Erfahrung des Lebens als Salesianer Don Boscos zu machen.

 

Mit jungen Salesianern und anderen jungen Männern, die sich dieselben Fragen im Leben stellten, konnte ich (und kann jeder) eine solche Erfahrung des Gemeinschafts-, Gebets- und Arbeitslebens, im salesianischen Stil machen.

 

Nach dem Jahr im Noviziat stelle ich fest, dass nicht ich es war, der eine Wahl getroffen hat, sondern dass Gott mich gerufen hat, und ich dem Ruf lediglich gefolgt bin.


Sr. Franziska Madl, Dominikanerin

Sr. Franziska Madl OP Orden Madl Sr Franziskua OP      


 

„Schon als Kind und Jugendliche war mir klar, dass mein Glaube an Jesus Christus für mein Leben eine wichtige Rolle spielen würde – ich konnte mir aber nicht vorstellen, wie das konkret aussehen sollte.

 

Erst durch das Theologiestudium an der Uni Wien und den Kontakt mit jungen Ordensleuten reifte in mir die Erkenntnis, dass Jesus mich „ganz für sich selbst“ haben will und mich daher zum Ordensleben berufen hat. Das war für mich selbst ein großer Schock. Aber ich wollte mein Leben mit Jesus und gemeinsam mit ihm für die Menschen leben.

 

Daher begann ich, nach einem passenden Orden für mich zu suchen. Ich wollte einerseits in einem alten, traditionellen Kloster leben (mit Habit, Klausur und Chorgebet), andererseits aber als Frau und besonders als Theologin ernstgenommen werden und nicht den Kontakt mit der Welt verlieren, in der wir alle leben.

 

Als ich bei meiner Suche schließlich auf den Dominikanerorden stieß, wusste ich sofort, dass ich endlich gefunden hatte, wonach ich suchte.

 

Der hl. Dominikus lebte ganz aus dem Wort Gottes, der Heiligen Schrift, und gab sich selbst ganz für das Heil der Menschen und die Verkündigung des Evangeliums hin. Er wusste, wie wichtig Gemeinschaft, Gebet und Studium nicht nur für das eigene geistliche Leben, sondern v.a. auch für die Weitergabe des Glaubens und die Seelsorge sind.

 

Und: Frauen waren in der dominikanischen Bewegung von Anfang an von zentraler Bedeutung! All das zog mich so sehr an, dass ich schließlich bei den Dominikanerinnen eintrat. Auch wenn diese Lebensform natürlich manchmal schwierig ist (und ich inzwischen als Priorin auch viel Verantwortung trage), möchte ich doch nichts anderes sein als Dominikanerin. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.“



Fr. Tarcisius Paukovitsch, Dominikaner

Fr. Tarcisius Paukovitsch OP Orden Paukovitsch Tarcisius
     

 

Ordensleben bedeutet für mich die Möglichkeit einer spezifischen Lebensweise, sich ganz Gott und dadurch sich ganz den Menschen hinzugeben. Dass ich mein Ordensleben als Dominikaner verwirklichen kann, ist eine faszinierende Frage der Berufung, die ich durch mein Gott geweihtes Leben hoffe zu beantworten.

 

Von Beginn an war das Gefühl, dass im Dominikanerorden – in der Sendung des Ordens der Predigerbrüder – ein Licht leuchtet, das mich am stärksten entflammte. Ich habe durch Begegnungen und Gespräche gemerkt, dass dieses Licht auch in meinen Mitbrüdern entzündet ist.

 

Hinzu kam, dass ich ganz bewusst in Gemeinschaft leben wollte. Dominikaner zu sein, bedeutet für mich ebenso, einer ganz bestimmten Spur von Spiritualität zu folgen.

 

Ich bin der Überzeugung, dass die Spiritualität der Dominikaner eine Spiritualität des Wortes, d.h. eine Spiritualität des göttlich-menschlichen Dialogs ist.

 

Dominikaner zu sein, bedeutet für mich, sich immer wieder aufzumachen „Prediger der Hoffnung“ zu sein! Denn die Kraft des inkarnierten göttlichen Wortes und des Evangeliums ist eine Kraft der Freude und der Hoffnung – eine Kraft, die Auferstehung ist!

 

Durch die starken Säulen des Gebets und des Studiums kann ich mich Gott in besonderer Weise nähern – mich ihm öffnen. Aus dieser Hingabe an Gott heraus, kann ich mich den Menschen im Apostolat hingeben. In dieser erfüllenden Hingabe ist der Blick auf Gott, auf meine eigene Person und den Anderen hin eingebettet.

 

Das Ineinander der kontemplativen Seite (Gebet und Studium) und der aktiven Seite (Gemeinschaft und Apostolat) sowie dessen umarmende „Spiritualität der Auferstehung“ ist das Grandiose am Dominikanerleben...

Der Artikel im SONNTAG

[mschauer]