Die Erfahrung, getragen zu sein, trägt

Geboren wird Maria, so der Taufname der Grazer Schulschwester Emilie Schmidt, 1936 „als erstes von sieben Kindern und als ,Krüppel‘“. Mit verkrümmten Fußknöcheln konnte sie sich fortan nur mehr auf dem Boden kriechend fortbewegen. „Ich wurde viel getragen“, erinnert sie sich. Das und das tiefe Vertrauen in die Liebe von Vater und Mutter waren ein gutes Fundament für die spätere Arbeit als Missionsschwester in Südafrika.

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Die Grazer Schulschwester Emilie Schmidt wirkt seit 1962 in einer Gemeinschaft der Franziskanerinnen in Südafrika. Ihre Fröhlichkeit und ihr Glaube, getragen zu sein, wirken ansteckend . Foto: Ernst Zerche

Trotz der schwierigen Jahre besuchte Maria die Schule. Vater, Mutter, Bruder, hilfsbereite Menschen im Dorf haben das Mädchen einfach zur Schule getragen, bei jedem Wetter. Damals hat noch niemand von Integration und Inklusion gesprochen, es war einfach selbstverständlich. „Als Kind habe ich nie verstanden, warum mich mein Vater so viel getragen hat. Wenn wir Verwandte besuchten, wurde ich von meinem Vater oft drei Stunden hin und drei Stunden zurück getragen. Seine Antwort: ,Du gehörst doch zur Familie. Wir haben dich genauso gerne.‘ Er war ein milder Vater, der nie geschimpft hat, aber uns Kinder geduldig zur Seite nahm, wenn etwas nicht in Ordnung war, um uns zu belehren. Wenn wir etwa beim Spielen nach der Maisernte zum Spaß einfach den Mais-Bart ausgerupft haben. Vater hat uns dann erklärt, dass die Maiskolben jetzt schneller vertrocknen und sie nicht mehr zum Braten geeignet sind. Wir waren dann einsichtig, und die Sache war vergeben und vergessen – so haben wir gelernt, selbst zu vergeben und auch, dass Gott uns vergibt.“

Wie die Familie durch die Kriegsjahre gekommen ist, welche Erfahrungen sie für ihre Arbeit als Missionsschwester geprägt haben, was sie lernen musste, als sie nach Südafrika kam und wo sie heute tätig ist, hat sie dem steierischen Sonntagsblatt erzählt.

Quelle: Ernst Zerche/Sonntagsblatt für Steiermark vom 31.März.2019

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